COVID-19: Masken-Pflicht in Schulen, Herzschäden und Italienreisen


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Die Zahl der mit SARS-CoV-2 Infizierten in Deutschland ist laut RKI leicht gestiegen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek empfiehlt eine Maskenpflicht in Schulgebäuden. Das Virus schadet dem Myokard möglicherweise häufiger als bislang angenommen. 

RKI: Anstieg um 240 Neuinfektionen

In Deutschland ist die Zahl der Menschen, die sich mit dem neuen Corona-Virus infiziert haben, nach Angaben des Robert-Koch-Instituts von Samstag auf Sonntag um 240 gestiegen - und zwar auf 209893. Zuvor waren es sogar noch über 900 Neu-Infektionen. Laut der Johns-Hopkins-Universität, die aktuellere Zahlen als das RKI liefern kann, hat die Zahl gestern 211005 betragen; gegenüber Samstag sei die Zahl um 606 gestiegen.

Maskenpflicht in Schulen?

Aufgrund der in den letzten Tagen festgestellten Zunahme der Infektions-Fälle hat die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek eine Maskenpflicht in Schulen empfohlen. „Es ist zwar nachvollziehbar, wenn Länder auf Abstandsregeln in den Schulen verzichten wollen, weil die räumlichen Bedingungen ansonsten nur eingeschränkt Präsenzunterricht zulassen würden", zitiert der „Spiegel“ die CDU-Politikerin der „Welt am Sonntag". Präsenzunterricht werde aber nur dann funktionieren können, wenn weitere Hygieneregeln strikt eingehalten würden. Dazu gehöre für Karliczek ausser dem Tragen von Schutzmasken auch das Abstandhalten auf dem Schulhof und auf den Fluren. Berlin, Bayern und Baden-Württemberg hätten eine solche Maskenpflicht bereits angekündigt Die Schüler sollten ihren Mund-Nasen-Schutz im Unterricht aber abnehmen dürfen. In anderen Ländern wie Nordrhein-Westfalen sei von freiwilligen Geboten die Rede. Hessen und Sachsen überlasse die Regelung den Schulen.

Italienreisen als Infektionsquelle

Außerhalb von China seien die meisten Infektion durch SARS-CoV-2- von Italien ausgegangen, berichten US-Wissenschaftler der Centers for Disease Control and Prevention im Fachmagazin im „The Lancet Infectious Diseases"„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Reisen aus nur wenigen Ländern mit erheblichen Ausbrüchen von SARS-CoV-2 weitere Ausbrüche auf der ganzen Welt ausgelöst haben könnten", so die Erstautorin Dr. Fatimah Dawood.

Bei etwa mehr als einem Viertel aller Infektionsfälle  außerhalb von China, die in den knapp drei Monaten vor dem von der WHO ausgerufenen Pandemie-Beginn stattgefunden hätten, sei eine Verbindung zu einer Italienreise festgestellt worden. Bei 22 Prozent sei eine Verbindung zu einer Chinareise und bei elf Prozent eine Reise in den Iran nachgewiesen worden.

Post mortem: Virus-RNA im Myokard bei 62 Prozent 

Einer aktuellen Autopsie-Studie zufolge ist das neue Corona-Virus für das Myokard möglicherweise noch schädlicher als bislang angenommen. Dr. Diana Lindner vom Universitätsklinikum in Hamburg haben Befunde von 39 COVID-19-Patienten (Alter 78 bis 89 Jahre, Frauen-Anteil 59 Prozent) ausgewertet, die gestorben waren. Bei keinem Patienten war vor dem Tod eine fulminante Myokarditis diagnostiziert worden. Häufigste Todesursache war  bei knapp 90 Prozent (35/39) der Patienten eine Pneumonie. Bei knapp 62 Prozent der gestorbenen Patienten fanden die Forscher im Myokardgewebe RNA des neuen Corona-Virus, wie sie im Fachmagazin „JAMA Cardiology“ berichten. Bei 41 Prozent der Patienten (16/39) habe die Viruslast bei über 1000 Virus-Kopien pro µg RNA gelegen, was nach Angaben der Autoren klinisch relevant ist. Bei fünf der 16 Patienten hätten sie direkt im Myokard Hinweise (RNA der VIRUS-Replikase) auf eine Vermehrung des Virus gefunden; ob dies mit einer Ausbreitung von SARS-CoV-2 einhergehe, sei allerdings unklar,  berichten Lindner und ihre Kollegen.

Schutz durch Hormone?

Vielen epidemiologischen Studien zufolge sind bei Frauen schwere und tödliche Verläufe von COVID-19 seltener als bei Männern. Als mögliche Erklärung liegen Hormone nahe. Gestützt wird diese Vermutung unter anderem durch Ergebnisse einer chinesischen Studie, die kürzlich publiziert wurde. 

Die Wissenschaftler analysierten bei rund 500 unter 60-jährigen Frauen die Korrelation zwischen Menstruationsstatus, weiblichen Sexualhormonen und Schwere sowie Behandlungsergebnis einer COVID-19-Erkrankung 

Ergebnisse: Frauen in der Menopause waren bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 zwar weniger schwer erkrankt als Männer; zudem hatten sie bessere Therapieresultate. Allerdings wurden sie länger stationär behandelt als Frauen vor dem Klimakterium. Sowohl Estradiol als auch das Anti-Müller-Hormon wiesen eine negative Korrelation mit der Schwere der SARS-CoV-2-Infektion auf (p=0,029). Estradiol schien außerdem für die Zytokinregulierung vor dem Hintergrund von entzündlichen nd autoimmunologischen Prozessen bedeutsam zu sein: Es korrelierte negativ mit verschiedenen Entzündungsmarkern wie IL-R2, IL-6, IL-8 und TNFα in der Lutealphase und mit dem Komplementfaktor C3 in der Follikelphase.