COVID-19: Lauterbach warnt, die KBV warnt, Drosten gibt Hoffnung

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Weitere Welle kommt, ist aber kein Grund zu Sorge

Die Corona-Infektionszahlen sinken, allerdings werden viele Infektionen nicht mehr erfasst. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet für den Winter jedoch fest mit einer neuen Coronawelle – und kritisiert Lockerungsmaßnahmen einiger Bundesländer. „Jetzt gibt es hier einen Überbietungswettbewerb: Welches Land kann zuerst lockern?, so Lauterbach im Bayerischen Rundfunk. Das sei „ein Stück weit populistisch“ und gefährde könnten. Dem Berliner Virologen Professor Christian Drosten zufolge steht das Ende der Pandemie kurz bevor. Selbst neue Mutationen könnten dies nicht mehr verhindern, so der Corona-Forscher in einem Interview in der „Zeit“. Die Lage für das Virus werde prekär. Er sei zuversichtlich, dass sich kurzfristig keine neuen, deutlich gefährlicheren Varianten bilden würden, und rechne mittelfristig sogar mit einer Abnahme der Virulenz. Der Winter werde zwar eine weitere Coronawelle mit sich bringen, allerdings mit immer schwächeren Reaktionen bei Infizierten, da inzwischen verschiedene Arten von Immunschutz durch Impfungen und überstandene Infektionen bestünden.

Corona-Impfungen bereits zum Januar 2023 in die Regelversorgung?

Das BMG plane offenbar, die Corona-Impfungen bereits zum Januar 2023 in die Regelversorgung zu überführen, meldet der „Ärztliche Nachrichtendienst“. Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeige sich alarmiert: In einem Brief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach habe er vor chaotischen Zuständen in der Versorgung gewarnt. Ohne entsprechenden Vorlauf in der Praxis sei der Plan, die Corona-Impfungen ab 1. Januar im Rahmen der Regelversorgung durchzuführen, nicht umsetzbar und werde „zu Chaos in der Versorgung führen“, zitiert der Nachrichtendienst aus dem Schreiben des KBV-Vorstands. Für eine Überführung der Impfungen in die Regelversorgung seien viele technische Übertragungsschritte notwendig, „angefangen bei den derzeit nicht bestehenden Lieferwegen über die untergesetzlichen Regelungen auf Bundes- und Landesebene bis hin zu erheblichen Klärungsbedarfen im Hinblick auf Besonderheiten der derzeitigen Impfverordnung im Vergleich zu ,üblichen‘ Impfungen“. Es sei daher  „ausgeschlossen“, eine solche Überführung innerhalb eines knappen Monats zu organisieren. Die BMG-Pressestelle habe heute auf Nachfrage mitgeteilt, dass sich die Anschlussregelung zur aktuellen Corona-Impfverordnung regierungsintern noch in Abstimmung befinde, so der Nchrichtendienst weiter. Zu Details könne deshalb momentan noch keine Stellung bezoen werden,

Omikron-Untervariante BQ.1.1 resistent gegen alle therapeutischen Antikörper

Sind die zurzeit zugelassenen Antikörpertherapien, die für die Behandlung von Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf eingesetzt werden, auch gegen die aktuell zirkulierenden Virusvarianten wirksam? Eine aktuelle Studie von Forschern des Leibniz-Instituts für Primatenforschung und der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1, die sich derzeit weltweit ausbreitet, gegen alle zugelassenen Antikörper-Therapien resistent ist. Über ihre Untersuchungsbefunde berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“. Für ihre Untersuchungen haben sie laut einer Mitteilung nicht-vermehrungsfähige Viruspartikel verwendet, die das Spike-Protein von ausgewählten Virusvarianten tragen, mit verschiedenen Verdünnungen der zu testenden Antikörper gemischt und dann gemessen, welche Antikörpermenge benötigt wird, um die Infektion von Zellkulturen zu hemmen. Insgesamt hätten sie zwölf einzelne Antikörper und sechs Antikörpercocktails untersucht, von denen vier für die klinische Anwendung in Europa zugelassen seien, erklärt Prerna Arora, Erstautorin der Studie. Bei ihren Untersuchungen stellten sie fest, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1 weder durch einzelne Antikörper noch durch die Antikörpercocktails neutralisiert werden konnte. Im Gegensatz dazu sei die derzeit vorherrschende Omikron-Untervariante BA.5 noch durch einen zugelassenen Antikörper und zwei zugelassene Antikörpercocktails neutralisiert worden.

Covid-19: zusätzlich vermehrte Risiken durch Reinfektionen

Eine Reinfektion mit SARS-CoV-2 erhöht laut einer aktuellen Datenauswertung in der akuten und postakuten Phase weiter das Risiko für Tod, Krankenhausaufenthalt und Folgeerkrankungen in mehreren Organsystemen

Die Erstinfektion mit SARS-CoV-2 ist mit einem erhöhten Risiko für akute und postakute Todesfälle und Folgeerkrankungen in verschiedenen Organsystemen verbunden. Es sei bislang unklar gewesen, ob eine Reinfektion das Risiko nach einer Erstinfektion weiter erhöhe, berichten die US-Autoren um Dr. Benjamin Bowe (Clinical Epidemiology Center, Research and Development Service, Veteran Affairs Saint Louis Health Care System) im Fachmagazin „Nature Medicine“.

Um die Frage zu klären, haben Bowe und seine Kollegen Daten der nationale Gesundheitsdatenbank des „US Department of Veterans Affairs“ ausgewertet.  Verglichen wurden Personen mit einer SARS-CoV-2-Infektion (n = 443.588), Personen mit einer Reinfektion (zwei oder mehr Infektionen, n = 40.947) und Personen ohne SARS-CoV-2-Infektion (n = 5.334.729).

Ergebnisse: Im Vergleich zu keiner Reinfektion trug die Reinfektion zu einem zusätzlichen Risiko bei für Tod (Hazard Ratio: 2,17), Krankenhausaufenthalt (HR 3,32) und für Folgeerkrankungen. Die Risiken waren nach Angaben der Wissenschaftler unabhängig vom Impfstatus. Am größten seien sie in der akuten Phase gewesen.