COVID-19: Kupferzell, Putins Impfstoff, Zahnarztbesuche und „Bioaerosole“


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Kernbotschaften

Erste Daten aus einem so genannten „Corona-Hotspot“ in Deutschland zeigen unter anderem einen nur geringen Prozentsatz von Antikörper-positiven Bewohnern. Zudem gab es auch in dieser Studie mehr Infizierte als angenommen. Russland hat eigenen Angaben zufolge als weltweit erstens Land einen Impfstoff gegen das neue Corona-Virus zugelassen. Die COVID-19-Pandemie beeinträchtigt Früherkennungs-Maßnahmen. US-Forscher haben in der Luft infektiöse neue Corona-Viren nachweisen können.

Daten aus dem Hotspot Kupferzell

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat erste Daten aus einem der so genannten SARS-CoV-2-Hotspots vorgestellt. Die Daten aus Kupferzell in Baden Württemberg zeigen deutlich mehr Infektionen als bisher bekannt. Und: Nur knapp acht Prozent der getesteten erwachsenen Teilnehmer der Studie hatten Antikörper gegen das neue Corona-Virus. Ausserdem wurden bei fast 30 Prozent der infizierten Probanden keine Antikörper nachweisbar. Dies bedeute aber nicht zwangsläufig, dass keine Immunität bestehe, so das RKI.

Hier die wesentlichen Ergebnisse:

  • 7,7 Prozent der getesteten Bewohner von Kupferzell hatten positive Antikörper-Nachweise gegen SARS-CoV-2 und haben demnach die Infektion durchgemacht.
  • Im Verlauf der Studie wurden in Kupferzell keine akuten Infektionen festgestellt.
  • Bei Frauen (8,7 Prozent) wurden Antikörper etwas häufiger als bei Männern (6,7 Prozent) nachgewiesen.
  • Asymptomatische Fälle: 16,8 Prozent der Seropositiven (Personen mit positivem Antikörper-Nachweis) waren ohne typische Krankheitssymptome, Rund 83 Prozent hatten mindestens eins der Symptome (Fieber über 38°C, Atemnot /Kurzatmigkeit,Lungenentzündung, Schnupfen, Husten, Schmerzen beim Atmen, Halsschmerzen, Geruchs-/ Geschmacksstörung).
  • Durch die Studie wurden 3,9-mal mehr Infektionen nachgewiesen als bislang in Kupferzell bekannt. Die Zahl lasse sich aber nicht auf andere Städte und Gemeinden übertragen, so Projektleiterin Claudia Santos-Hövener vom Robert Koch-Institut: „Die Dunkelziffer ist hier spezifisch für Kupferzell."
  • Antikörper: Bei rund 28 Prozent der Erwachsenen mit positiven SARS-CoV-2-Test (Eigenangaben im Fragebogen) konnten keine Antikörper nachgewiesen werden; dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine Immunität besteht. Auch in anderen Studien gab es Infizierte Personen, bei denen nach einer gewissen Zeit keine Antikörper gegen SARS-Cov-2 nachweisbar waren.

Die Daten wurden im Zeitraum  20. Mai bis 9. Juni 2020 erhoben. An der Studie nahmen 2203 Erwachsene teil (repräsentative Zufallsstichprobe aus dem Einwohnermelderegister, freiwillige Teilnahme).

Eine Botschaft aus Moskau

Für weltweit große Aufmerksamkeit und deutliche Kritik hat, wie berichtet, eine Meldung aus Russland gesorgt. Laut Wladimir Putin hat Russland als erstes Land der Welt offiziell einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zugelassen. Bislang wurde der Impfstoff, der vom Moskauer Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie entwickelt wurde, allerdings erst erst bei wenigen Menschen getestet. Ergebnisse einer Phase-3-Studie liegen noch nicht vor. Verwendet werden für die Vakzine zwei unterschiedliche Adenoviren. Das Vorgehen von Russland wurde von Wissenschaftlern als übereilt und riskant kritisiert.

Vor allem 30- bis 49-Jährige schieben Früherkennungs-Maßnahmen auf

Die Corona-Situation beeinflusst laut einer Meldung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die medizinische Versorgung und Vorsorge: Viele Menschen haben deshalb Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen, Gesundheits-Check-Ups und Zahnarztbesuche aufgeschoben. So das Ergebnis der aktuellen Befragungswelle des COVID-19 Snapshot Monitorings (COSMO) der Universität Erfurt, an dem die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als Partnerin beteiligt ist. In COSMO werden in regelmäßigen Abständen jeweils rund 1000 Bürger repräsentativ zu ihren Wahrnehmungen, Einstellungen, ihrem Wissen und Verhalten zu COVID-19 befragt.

Professorin Dr. med. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA: „Die COSMO-Daten zeigen, dass Menschen wegen der Corona-Situation weniger Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Diese Untersuchungen können jedoch helfen, eine Erkrankung frühzeitig zu entdecken. So dient beispielsweise der Gesundheits-Check-up ab 35 Jahren der Früherkennung insbesondere von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel von Bluthochdruck, von Diabetes und Nierenerkrankungen. Früh diagnostiziert, haben auch Krebserkrankungen eine deutlich bessere Prognose. Deshalb sollten Früherkennungs-Untersuchungen auch in Zeiten der Pandemie konsequent wahrgenommen werden.“

Seit März 2020 haben 22 Prozent der Befragten den Besuch beim Zahnarzt oder der Zahnärztin und 16 Prozent den Gesundheits-Check-Up aufgeschoben – vor allem 30- bis 49-Jährige. Nennenswerte Unterschiede zwischen Frauen und Männern gab es dabei keine. Bei den aufgeschobenen Zahnarztbesuchen handelte es sich hauptsächlich um Vorsorge- oder Kontrolltermine.

Knapp jeder neunte Teilnehmer (11 Prozent) gab an, eine Krebsfrüherkennung wegen der Corona-Situation aufgeschoben zu haben – darunter deutlich mehr Frauen (14 Prozent) als Männer (8 Prozent) und auch hier am häufigsten Befragte im Alter zwischen 30 bis 49 Jahren (15 Prozent). 

US-Studie beleg Bedeutung infektöser„Bioaerosole“ 

US-Forscher haben erstmals in der Luft infektiöse, an Aerosolen haftende neue Corona-Viren nachweisen können.

Ihre Untersuchungen führten die Forscher in einem Krankenhauszimmer mit zwei COVID-19-Patienten durch. Das Zimmer war mit einer Klimaanlage ausgestattet. Dort entnahmen die Forscher Testluft - und zwar in Abständen von zwei bis knapp fünf Metern von den beiden Patienten. Aus diesen Proben konnten sie - trotz technischer-Maßnahmen zur Luftreinigung und Virusinaktivierung sowie des Abstandes - den Erreger isolieren, der zudem genetisch identisch mit dem Virus war, das die Forscher direkt bei den Patienten gefunden hatten. In Tests mit Zellkulturen erwiesen sich die Viren als zellschädigend. Die Ergebnisse der Studie sind bislang erst auf einem Preprint-Server erschienen, eine Peer-Review-Verfahren hat noch nicht stattgefunden.