COVID-19: Kinder aus ärmeren Familien häufiger im Krankenhaus

  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch schwachen Familien haben ein höheres Risiko aufgrund einer COVID-19-Infektion ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Das geht aus einer gemeinsamen Studie der Universität Düsseldorf und der AOK Rheinland / Hamburg hervor, die jüngst in JAMA Network veröffentlicht wurde.

Demnach war bei Kindern, deren Eltern langzeitarbeitslos waren, die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhauseinweisung 1,36- mal höher als bei Kindern mit erwerbstätigen Eltern. Ein höheres Risiko hatten der Auswertung zufolge auch Kinder, deren Eltern im Niedriglohnsektor beschäftigt waren (Odds Ratio, 1,29; 95% CI, 1,05-1,58). Diejenigen, die in ärmeren oder beengteren Wohnvierteln leben, hatten sogar ein dreimal höheres Risiko als solche in besser gestellten Wohnvierteln.

Kohortenstudie an 688.705 Kindern

Dazu hatten Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Soziologie der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gemeinsam mit der AOK Rheinland/Hamburg Versichertendaten von insgesamt 688.705 Kinder und Jugendlichen aus der Zeit von Januar 2020 bis Mitte Juli 2021 ausgewertet. Davon wurden 1637 (0,2 %) in ein Krankenhaus eingewiesen. Maßgeblich für die Erfassung sozioökonomischer Benachteiligung waren der Beschäftigungsstatus des Versicherungsnehmers sowie sozioökonomische Faktoren des Wohnumfelds. Zielgröße waren Krankenhausaufenthalte mit COVID-19 im Verlauf der Beobachtungszeit.

Bekämpfung von Kinderarmut ist Schlüsselaufgabe

Das ist eine der weltweit ersten großen Untersuchungen zu sozialen Ungleichheiten von COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen“, sagte Nico Dragano. Direktor des Instituts für Medizinische Soziologie in einer Mitteilung der AOK. Obwohl schwere Verläufe, die einen Krankenhausaufenthalt nötig machen, bei Kindern zum Glück selten seien, habe sich gezeigt, dass es gerade ärmere Familien treffe. „Das fügt sich ins Bild, dass Armut und soziale Benachteiligung ungesund für Kinder sind. Aus bevölkerungsmedizinischer Sicht ist die Bekämpfung von Kinderarmut daher eine Schlüsselaufgabe“, so Dragano.