COVID-19: Keine Beweise für Tier-zu-Mensch-Übertragung


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Katzen, die mit SARS-CoV-2 Infiziert sind, können einer aktuellen Studie zufolge offenbar andere Katzen mit dem neuen Corona-Virus anstecken. Dass sie auch Menschen infizieren können, ist nicht belegt.  Möglicherweise hat sich jedoch in den Niederlanden ein Mensch bei einem Nerz mit SARS-CoV-2 infiziert.

Experiment mit sechs Katzen und hohen Virus-Mengen

Das Forscherteam aus den USA und Japan hat in einem Experiment gezeigt, dass infizierte Katzen das neue Corona-Virus auf andere Katzen übertragen können. Dazu verabreichten die Forscher drei Katzen hohe Dosen des neuen Corona-Virus, und zwar direkt in beide Augen, beide Nasenlöcher, den Mund und in die Luftröhre. Die infizierten Tiere wurden paarweise mit nicht infizierten Katzen in einem Raum untergebracht und erhielten dort das gleiche Futter und Wasser. Nach fünf Tagen waren Tests (Nasenschleimhaut) auf das neue Virus auch bei den primär nicht infizierten Tieren positiv. Keine der Katzen habe zu irgendeinem Zeitpunkt Symptome gezeigt,  so die Forscher im „New England Journal of Medicine“  .

Schon Anfang April war bei  einem Tiger in einem Zoo in New York das neue Virus nachgewiesen worden. Anders als die Versuchstiere der aktuellen experimentellen Studie hatte der Tiger Symptome einer Atemwegsinfektion. Es wurde vermutet, dass sich das Tier bei einem Tierpfleger angesteckt hatte. Außerdem: Nicht nur Katzen, sondern auch Frettchen lassen sich infizieren und können SARS-CoV-2 unter Versuchsbedingungen an Artgenossen weitergeben, wie Wissenschaftler vom Friedrich-Loeffler-Institut  eigenen Angaben zufolge nachgewiesen haben.

Vom Nerz zum Mensch?

Eine Übertragung des Virus vom Tier auf den Mensch hat es möglicherweise in den Niederlanden gegeben - und zwar von einem Nerz auf einen Angestellten einer Nerzfarm, wie unter anderen „Der Spiegel“  mit Verweis auf Informationen des niederländischen Landwirtschaftsministeriums berichtet hat. Danach hätten Erbgut-Analysen gezeigt, dass das bei dem Angestellten nachgewiesene Virus „jenen ähnele“, die unter den mit Frettchen verwandten Nerzen kursierten - was darauf deute, dass sich der Angestellte bei einem der Tiere angesteckt habe. Ein Beweis für eine Übertragung von dem Tier auf den Mitarbeiter sei dies aber nicht, da sich beide, der Nerz und der Angestellte, bei einer infizierten Person  angesteckt haben könnten.

COVID-19: Übertragung von Mensch zu Mensch ausschlaggebend

Die bisher vorliegenden Daten erlauben laut Friedrich-Loeffler-Institut  „keine Rückschlüsse darauf, ob Katzen und Frettchen Virusmengen ausscheiden, die für eine Infektion des Menschen ausreichen“. Ob solche Infektionen tatsächlich stattfinden könnten, müsse weiter untersucht werden. Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass Haustiere Menschen angesteckt hätten. Auch bei der SARS-CoV-Epidemie im Jahr 2003 kam es nach Angaben des Instituts zu Infektionen bei Katzen, ohne dass dies für eine Weiterverbreitung relevant gewesen sei. Es gebe bisher auch keine Hinweise darauf, dass Hunde oder Katzen eine Rolle bei der Verbreitung des neuen Corona-Virus spielten. Bei der COVID-19-Pandemie sei die Übertragung von Mensch zu Mensch ausschlaggebend für die Verbreitung.