COVID-19 kein Grund, Sartane oder ACE-Hemmer abzusetzen

  • European Society of Cardiology und Deutsche Hochdruckliga

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften 

 

Die Bluthochdruck-Spezialisten der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft (ESC) und auch die Deutsche Hochdruckliga betonen, dass es keine ausreichenden wissenschaftliche Belege gebe, die für ein erhöhtes Risiko sprächen, sich mit dem neuen Coronavirus zu infizieren. Die derzeitige Datenlage rechtfertige es nicht, solche Medikamente abzusetzen, so Professor Giovanni de Simone (ESC Council on Hypertension) und auch Professor Florian Limbourg (MH-Hannover), Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga. So urteilt auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie in einer aktuellen Stellungnahme. 

Patienten mit Bluthochdruck oder Herzkrankheiten, die sich mit dem neuen Coronavirus infizieren, haben den bisherigen Erfahrungen nach ein erhöhtes Mortalitätsrisiko. Das Virus nutzt, wie bereits berichtet , zum Eintritt in die Zellen das Enzym ACE2 (Angiotensin-Converting-Enzym 2). Dieses Enzym wird von Zellen der Lunge produziert, wo es auf der Zell-Oberfläche präsentiert wird und als Eintrittspforte für das Virus dienen kann. ACE2 wird ausserdem in löslicher Form produziert und ins Blut abgegeben, was die Virusinfektion von Zellen deutlich unterdrückt. Mehr ACE2 könnte demnach positive oder negative Effekte bei einer Infektion mit dem neuen Coronavirus haben. So baut  ACE2 Blutdruckhormone des Renin-Angiotensin-Systems ab, welche von dem verwandten Enzym ACE gebildet werden. Gängige Medikamente wie ACE-Hemmer und Sartane, blockieren die Blutdruckhormonbildung oder -effekte, was in Studien an Ratten und einer Studie mit Menschen zu einer leichten Erhöhung des ACE2 geführt hat.

Während die Bedeutung für die potentielle Infektanfälligkeit für SARS-CoV2 also unklar ist, gibt es laut der Hochdruckliga hingegen überzeugende Daten für einen schützenden Effekt durch Blockade des Renin-Angiotensin-Systems bei schwerem Lungenversagen (ARDS: „acute respiratory distress syndrome“). So zeigten mehrere Arbeiten, die in „Nature“ publiziert wurden, klar, dass sowohl eine Erhöhung von ACE2, aber auch die Blockade von ACE den Verlauf des ARDS günstig beeinflussen. Bei einer Lungenentzündung entwickelt die Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems also vorteilhafte Effekte.

„Der mögliche schädliche Einfluss von Blutdrucksenkern auf Virus-Infektanfälligkeit ist äußerst spekulativ. Hingegen könnten Blutdrucksenker bei schweren Verläufen Leben retten“, erklärt Limbourg.  „Der jetzige Kenntnisstand rechtfertigt also keinesfalls, Blutdrucksenker abzusetzen.“ Gewarnt wird daher davor, aufgrund von Spekulationen die Medikamente abzusetzen oder ihre Dosis zu reduzieren.