COVID-19: Internationale Daten belegen schnellere Erholung und geringere Mortalität unter Remdesivir

  • NEJM

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit einer stationären Behandlung wegen einer mittelschweren oder schweren COVID-19-Erkrankung benötigen mit Remdesivir median 5 Krankenhaustage weniger für die Genesung als Patienten mit Standardtherapie plus Placebo. Das haben die finalen Ergebnisse der internationalen ACTT-1-Studie ergeben, in die auch deutsche Patienten eingebracht worden sind. Remdesivir erweist sich damit als spezifische antivirale Therapie gegen SARS-CoV-2 als gut wirksam.

Hintergrund

Remdesivir ist ein Inhibitor der viralen RNA-abhängigen RNA-Polymerase mit in-vitro-Aktivität gegen SARS-CoV-1 und das Middle East Respiratory Syndrome Virus MERS-CoV. Deshalb galt es als aussichtsreicher Kandidat gegen SARS-CoV-2 und wurde nach der raschen, weltweiten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in kurzfristig aufgelegte Programme zur klinischen Prüfung aufgenommen, darunter den Adaptive Covid-19 Treatment Trial (ACTT-1). Vorläufige Daten der Studie hatten bereits auf eine Wirksamkeit hingewiesen. Nun liegen die endgültigen Ergebnisse vor, die die gesamte Beobachtungsdauer einschließen.

Design

  • prospektiv randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Untersuchung mit stationären COVID-19-Patienten
  • Studienteilnehmer: 1.062 Patienten mit laborbestätigter mittelschwerer Erkrankung (15 %) oder schwerem COVID-19 (85 %)
  • Randomisierung in zwei Studienarme:
    • Remdesivir 200 mg Loading Dose an Tag 1 und von Tag 2 bis 10 täglich 100 mg Remdesivir (n = 541), oder
    • Placebo (n = 521) für bis zu 10 Tage
  • primärer Endpunkt: Zeit vom 1. Tag, an dem die Kriterien für COVID-19 während des Klinikaufenthalts erfüllt waren, bis zur Erholung (Entlassung) innerhalb von 4 Wochen

Hauptergebnisse

  • Die Zeit bis zur Genesung betrug in der Remdesivirgruppe 10, und in der Placebogruppe 15 Tage (Rate Ratio für die Erholung: 1,29; P
  • An Tag 15 war die Wahrscheinlichkeit, sich erholt zu haben, unter Remdesivir um 50 % höher als unter Placebo (Odds Ratio: 1,5).
  • Jüngere Patienten (
  • Die Mortalität wurde in der Remdesivirgruppe an Tag 15 auf 6,7 % geschätzt (nach Kaplan-Meier) und auf 11,9 % in der Placebogruppe. An Tag 29 waren 11,4 % in der Remdesivirgruppe gestorben und 15,2 % unter Placebo.
  • Schwere unerwünschte Effekte traten bei 24,6 % in der Verumgruppe auf und bei 31,6 % unter Placebo.

Klinische Bedeutung
Die Ergebnisse der Studie werden wegen des qualitativ guten Designs als wegweisend für eine evidenzbasierte antivirale Behandlung von COVID-19 mit Remdesivir gewertet. Aber auch unter Remdesivir sei die Mortalität hoch gewesen, so die Autoren. Und damit werde deutlich, dass die antivirale Therapie allein für viele Patienten nicht ausreiche. Derzeit laufen weitere klinische Studien, in denen die Kombination von Remdesivir mit immunmodulierenden Substanzen wie dem Januskinase-Inhibitor Baricitinib (ACTT-2) und mit Interferon beta-1a (ACTT-3) geprüft werden.

Finanzierung: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), Bethesda