COVID-19: Inhaliertes Budesonid verkürzt Krankheitsverlauf und mildert Symptome

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten von durchschnittlich 45 Jahren, die binnen 3 Tagen nach den ersten Symptomen einer COVID-19-Infektion das Glukokortikoid Budesonid erhielten, benötigten wesentlich seltener eine intensive medizinische Betreuung, sie erholten sich schneller und hatten weniger Komplikationen.

Hintergrund

Die Autoren der aktuellen Studie verweisen auf zahlreiche Berichte, wonach Patienten mit Atemwegserkrankungen bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 signifikant seltener einen schweren Verlauf von COVID-19 durchleben. Die These von einem möglichen kausalen Zusammenhang mit dem Einsatz von Glukokortikoiden wird auch dadurch unterstützt, dass Dexamethason sich bei der Behandlung von COVID-19 etabliert hat, wobei es jedoch meist erst bei fortgeschrittener Krankheit zum Einsatz kommt.

Design

Offene, randomisierte, kontrollierte Studie der Phase 2 im Parallelgruppen-Design in Oxfordshire, Großbritannien (Steroids in COVID-19; STOIC) bei der der Einsatz von inhaliertem Budesonid binnen 7 Tagen nach dem Beginn leichter COVID-19-Symptome mit der Standardbehandlung verglichen wurde. 146 Teilnehmer im durchschnittlichen Alter von 45 Jahren wurden median 3 Tage nach Beginn der Symptome einer per PCR verifizierten SARS-CoV-2 Infektion instruiert, entweder 2 Mal täglich 2 Stöße mit 800 µg Budesonid bis zum Verschwinden der Symptome aus einem Inhalator einzunehmen, oder sie erhielten lediglich die übliche medizinische Betreuung. Primäres Studienziel war die Anzahl dringlicher Arztbesuche, einschließlich Notfallaufnahmen und Hospitalisierungen. Die Studie wurde vorzeitig beendet, nachdem en unabhängiger Review ergeben hatte, dass vom Einschluss weiterer Teilnehmer keine anderen Ergebnisse zu erwarten wären.

Ergebnisse

  • Das primäre Studienziel erlitten 3 % (n = 2) der Patienten unter Budesonid gegenüber 15 % (n = 11) unter normaler Betreuung. Dies entspricht einem Chancenverhältnis von 0,123 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,033 – 0,213 (p = 0,009).
  • Die Reduktion des relativen Risikos betrug unter Budesonid 91 %.
  • Die Zahl der zu behandelnden Patienten zur Reduktion einer Komplikation (number needed to treat, NNT) betrug 8.
  • Unter Budesonid erholten sich die Patienten im Mittel um 1 Tag schneller (median 7 statt 8 Tage, p = 0,007). Sie hatten in den ersten 14 Tagen auch seltener Fieber (2  statt 8 %; p = 0,051) und benötigten nur halb so oft antipyretische Arzneien (27 statt 50 %; p = 0,025). Die Symptome persistierten unter der üblichen Betreuung an Tag 14 und 28 annähernd 5 Mal so häufig, wie unter Budesonid.

Klinische Bedeutung

Die Daten scheinen eindeutig und legen nahe, dass das wohlbekannte Glukokortikoid Budesonid den Verlauf bei frühen COVID-19-Erkrankungen und relativ jungen Patienten deutlich mildern könnte. Manche Experten sowie der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach sprechen sogar von einem potenziellen „Game Changer“, also einer Intervention, die den Umgang mit der Krankheit grundlegend verändern könnte. Der Preprint einer weitaus größeren, multizentrischen Studie mit älteren bzw. -Risikopatienten berichtet jedoch von einer nur 3 Tage kürzeren Genesungszeit und einer um nur 2 Prozentpunkte (8,5 gegenüber 10,3) reduzierten Hospitalisierungsrate, was lediglich einen inkrementellen Fortschritt darstellen würde.

Finanzierung: National Institute for Health Research Biomedical Research Centre und AstraZeneca.