COVID-19: Inhalative Kortikosteroide offenbar ohne Schutzeffekt für Asthma- und COPD-Patienten

  • Lancet Respiratory Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Auf den ersten Blick ergab die Auswertung der Daten von annähernd einer Million COPD- und Asthma-Patienten in England ein erhöhtes Sterberisiko im Falle einer COVID-19-Infektion, wenn zuvor inhalative Kortikoide eingenommen wurden. Bei näherer Betrachtung wurde diese negative Assoziation jedoch durch unterschiedlich schwere Grunderkrankungen erklärt.

Hintergrund

Zu Beginn der COVID-19-Pandemie wurden verhältnismäßig wenige Patienten mit Asthma oder chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) hospitalisiert. Dies hat zu Spekulationen geführt, dass möglicherweise die Inhalation von Kortikosteroiden vor der Infektion schützen oder die Entwicklung von Komplikationen verhindern könnte.

Design

In dieser Beobachtungsstudie wurde der Zusammenhang zwischen der Einnahme inhalativer Kortikosteroide (IK) und der Sterblichkeit im Zusammenhang mit COVID-19 bei Menschen mit COPD (n = 148.557) oder Asthma (n = 818.490) in England anhand elektronischer Gesundheitsdaten überprüft. Die Studienteilnehmer hatten die IK oder alternative Medikamente gegen die Atemwegserkrankung in den 4 Monaten vor dem Indexdatum des 1. März 2020 eingenommen und waren mindestens 35 Jahre (COPD) oder 18 Jahre (Asthma) alt.

Ergebnisse

  • COPD-Patienten unter IK hatten eine höhere Rate an COPD-verwandten Todesfällen als solche, mit einer Kombination aus langwirkenden ß-Agonisten und Muskarin-Rezeptor Antagonisten (LABA-LAMA). Das adjustierte Chancenverhältnis HR betrug 1,39 bei einem 5%-Konfidenzintervall von 1,10 – 1,76.
  • Bei Asthma-Patienten, die hochdosierte IK bekommen hatten, war das Sterberisiko gegenüber jenen, die ausschließlich kurzwirksame ß-Agonisten erhalten hatten, ebenfalls erhöht (HR 1,55; 95%-KI 0,85 – 1,54).
  • Sensitivitätsanalysen ergaben, dass der scheinbar schädliche Zusammenhang zwischen der Einnahme von IK und dem Sterberisiko durch kleinere Unterschiede beim Gesundheitszustand zwischen Patienten mit und ohne IK-Gebrauch erklärt werden konnte.

Klinische Bedeutung

Die Interpretation der Autoren: Es spricht nichts dafür, dass der regelmäßige Gebrauch von IK bei Patienten mit Asthma oder COPD im Falle einer COVID-19-Erkrankung das Todesrisiko reduziert. Die beobachtete scheinbare Erhöhung des Risikos könne durch nicht gemessene verzerrende Faktoren im Zusammenhang mit der Schwere der Krankheit plausibel erklärt werden. Es gibt demnach keinen Grund für den entsprechenden Patientenkreis, ihre Medikation aufgrund der Pandemie zu verändern.

Finanzierung: UK Medical Research Council.