COVID-19 in Deutschland: Mehr als 10.000 stationär behandelte Patienten ausgewertet

  • Lancet Respiratory Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Auswertung der Krankenblättern von COVID-19-Patienten, die auf dem Höhepunkt der Epidemie in Deutschland hospitalisiert wurden, belegt eine Mortalität von nahezu 75 % für beatmete Patienten über 80 und für solche mit Dialysepflicht. Im Vergleich mit anderen Ländern wie Frankreich war die Mortalität in der Klinik ähnlich, die Altersverteilung jedoch unterschiedlich.

Hintergrund

Landesweite Daten zu Patienten, die wegen COVID-19 hospitalisiert wurden, sind selten und zudem wegen Selektionseffekten und Verzerrungen nicht repräsentativ. Die aktuelle Studie zielte darauf ab, Daten zu den Fallcharakteristika, dem Ressourcengebrauch, und den Ergebnissen für Deutschland zu erheben, wo das Gesundheitssystem im Rahmen der Pandemie nicht an seine Grenzen gelangt ist.

Design

In diese Beobachtungsstudie wurden erwachsene Patienten der AOK mit laborbestätigter COVID-19-Diagnose eingeschlossen, die zwischen 26. Februar und 19. April 2020 in eine Klinik aufgenommen wurden, und für die der vollständige Verlauf bis zur Entlassung bzw. zum Tod verfügbar war.

Ergebnisse

  • In 920 Kliniken wurden 10.021 Patienten behandelt, sie waren median 72 Jahre alt.
  • 17 % wurden mechanisch beatmet, und zwar durchschnittlich 13,5 Tage. Darunter waren 24 % zwischen 18 und 59 Jahren alt, 22 % zwischen 60 und 69, 31 % zwischen 70 und 79, sowie 23 % über 80 Jahre.
  • In der nicht-beatmeten Gruppe waren Männer und Frauen etwa gleich häufig vertreten, unter den Beatmeten waren Männer dagegen doppelt so häufig. Für Frauen betrug diese Wahrscheinlichkeit 12 %, für Männer 22 %.
  • Die häufigsten Komorbiditäten unter allen Patienten waren: Bluthochdruck (56 %), Diabetes (28 %), Herzrhythmusstörungen (27 %), Nierenversagen 23 %, Herzversagen (20 %) und chronische Lungenerkrankung (14 %).
  • 6 % aller Patienten, aber 27 % der Beatmeten benötigten eine Dialyse.
  • Die Mortalität in der Klinik betrug insgesamt 22 %: 16 % bei Patienten ohne invasive Beatmung und 53 % bei Patienten mit Beatmung. Unter alle Beatmeten wiederum war die Mortalität 45 % bei nicht-invasiver Beatmung, 50 % bei fehlgeschlagener nicht-invasiver Beatmung, und 53 % bei invasiver Beatmung.
  • Die höchste Mortalität hatten dialysepflichtige Patienten, die beatmetet werden mussten (73 %) und beatmete Patienten ab 80 Jahren (72 %).

Klinische Bedeutung

Die Zahlen spiegeln die Situation zum Zeitpunkt der bislang höchsten Inzidenzrate wider (mehr als 7 / 100.000), die kurz nach dem „Lockdown“ vom 21. März erreicht wurde. Sie liefern eine Momentaufnahme, die einerseits für den Vergleich mit anderen Ländern und Umständen instruktiv sein könnte; die jedoch andererseits von einer Vielzahl von Einflussgrößen abhängt. Um ein vollständigeres Bild des Pandemiegeschehens und der Entwicklung zu bekommen sind wiederholte derartige Untersuchungen unverzichtbar.

Finanzierung: keine spezifische Projektfinanzierung