COVID-19-Impfung verstärkt Anti-Tumoreffekte von Immuncheckpointinhibitoren

  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei COVID-19-Impfungen sind Immuncheckpointproteine wie PD-1 in die Immunantwort involviert, dieselben Signalwege, die von Checkpointinhibitoren bei der Tumortherapie angezielt werden. Bei Patienten mit Nasen-Rachen-Karzinomen verstärkt eine COVID-19-Impfung die Wirkung von PD-1-Inhibitoren: Die Ansprechraten auf die Krebsimmuntherapie erhöhen sich nach einer Impfung signifikant, klinisch relevante Nebenwirkungen dagegen nicht.

Hintergrund

Seit gegen COVID-19 geimpft wird, beschäftigen sich Onkologen mit der Frage, ob die Immunisierung während einer Checkpointinhibitor-Therapie die immunologischen Nebenwirkungen einer Krebsimmuntherapie verstärken könnte. Bisherige, meist kleinere Studien gaben zwar keine Hinweise auf klinisch relevante ungünstige Wechselwirkungen (1, 2). Bei Nasen-Rachen-Karzinomen allerdings, die wie die SARS-CoV-2-Infektion die oberen Atemwege betreffen, stellte sich die Frage nach potenziell überschießenden Immunreaktionen noch einmal besonders. Sie wurde in einer prospektiven Kohortenstudie von einem deutsch-chinesischen Forscherteam untersucht (3).

Design

  • Studienform: prospektive Kohortenstudie mit gematchter Kontrollgruppe an 23 Krankenhäusern in China
  • Studienteilnehmer:
    • 1537 Patientinnen und Patienten mit Nasen-Rachen-Karzinomrezidiven, die metastasiert waren.
    • Die Patienten erhielten PD-1-Inhibitoren wie Pembrolizumab oder Nivolumab als Erstlinientherapie in diesem Stadium und meistens zusätzlich Zytostatika
  • 373 dieser Patienten wurden während der Checkpointinhibitortherapie gegen COVID-19 geimpft (SinoVac), 1164 Patienten blieben ungeimpft und bildeten die gematchte Kontrollgruppe zu den geimpften Teilnehmern
  • Endpunkte: Onkologisches Ansprechen der Patienten auf die Checkpointinhibition und immunologische Nebenwirkungen

Hauptergebnisse

  • Geimpfte Patienten sprachen signifikant besser auf die Krebstherapie an als ungeimpfte.
  • Die Rate des objektiven Ansprechens betug 59 % in der Gruppe mit COVID-19-Impfung und 35,7 % in der gematchten Kontrollgruppe ohne Impfung (p < 0,001).
  • Die Krankheitskontrollrate lag bei 80,2 % unter den Geimpften vs. 72,5 % bei den Ungeimpften (p = 0,031).
  • 73,6 % in der Kohorte mit Impfung und 60,1 % in der Kohorte ohne Impfung bildeten milde, immunologische unerwünschte Rekationen auf die Checkpointinhibition aus (p < 0,001).
  • Bei den schweren unerwünschten immunologischen Effekten gab es keine signifikanten Differenzen zwischen den Gruppen (4,9 % vs. 4,1 %; p = 0,482).

Klinische Bedeutung

„Wir vermuten, dass durch die Impfung bestimmte Immunzellpopulationen aktiviert werden, die dann den Tumor attackieren“, so die Autoren (4).

Möglich sei auch, dass CD4+ T-Zellen - durch die Impfung angeregt - in die Mikroumgebung des Tumors einwanderten und einer Aktivierung von CD8+ T-Suppressorzellen und von myeloiden Suppressorzellen entgegenwirkten.

Die Daten stützen damit die Empfehlung, Krebspatienten unter Therapie mit Immuncheckpointhemmern gegen COVID-19 zu impfen. Autoren einer kleineren klinischen Studie zur Corona-Impfung in Deutschland halten dabei einen zeitlichen Abstand von mindestens 72 Stunden zwischen Impfung und Injektion eines Checkpointhemmers aus Sicherheitsgründen für sinnvoll (2).

Finanzierung: öffentliche Mittel