COVID-19-Impfung bei Organempfängern: Nonresponder zunächst mehrfach boostern

  • Studien – kurz & knapp
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Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Kernbotschaften

Nochmals impfen: Das ist bei Organempfängern, die unzureichend auf frühere COVID-19-Impfungen angesprochen haben, eine gute Strategie. Bei fast 70 % lässt sich dann doch noch eine Serokonversion erzielen. Die Verdoppelung der Impfdosis oder das vorübergehende Reduzieren der Abstoßungsprophylaxe bringt in Bezug auf die Impfeffektivität keinen Benefit und kann nicht empfohlen werden (1).

Hintergrund

Organempfänger haben wegen der kontinuierlichen Abstoßungsprophylaxe ein erhöhtes Risiko für schwere, auch tödliche Verläufe von COVID-19. Bei ihnen besteht daher eine besondere Indikation für COVID-19-Impfungen, auch in Deutschland (2). Circa 25 000 Menschen allein mit Nierentransplantat werden in Deutschland ärztlich betreut. Die Immunantworten auf COVID-19-Impfungen sind allerdings in dieser Patientengruppe häufig abgeschwächt, vor allem, wenn sie Mycophenolatmofetil (MMF) oder Mycophenolsäure (MPA) zur Abstoßungsprophylaxe einnehmen. Eine niederländische Arbeitsgruppe hat deshalb verschiedene Impfschemata auf die Frage hin untersucht, ob sie bei suboptimaler Immunantwort doch noch die Bildung schützender Antikörpertiter auslösen.

Design

  • Studienform: offene, prospektiv randomisierte Studie an 4 Universitätskliniken der Niederlande-
  • Einschlusskriterien: Nierentransplantatempfänger ohne Serokonversion nach 2 oder 3 Dosen eines mRNA-COVID-19-Impfstoffs
    • Kohorte 1 erhielt alle potenziellen Varianten der immunsuppressiven Therapie, bei
    • Kohorte 2 waren MPA oder MMF Bestandteil einer Tripletherapie.
  • Kohorte 1 (n = 230) wurde randomisiert in
    • eine Gruppe, die eine weitere normale Dosis der mRNA-Vakzine erhielt oder
    • die doppelte Dosis, also 2 x 100 μg der Vakzine in jeweils einen Oberarm oder
    • den vektorbasierten Impfstoff Ad26.COV2-S (heterologes Schema)
  • Kohorte 2 (n = 103) wurde randomisiert in
    • eine Gruppe mit einer weiteren Dosis mRNA-1273 (100 μg) und kontinuierlicher MPA- oder MMF-Behandlung und in
    • eine 2. Gruppe, bei der MPA oder MMF für 2 Wochen ausgesetzt wurde.
  • Primärer Endpunkt: Anteil der Teilnehmer mit IgG-Antikörpern gegen das Spikeprotein in einer Konzentration von ≥ 10 bindenden Antikörpereinheiten/ml (BAU) zu Tag 28 nach der Impfung.

Hauptergebnisse

  • Die Impfung mit der doppelten Dosis mRNA-1273 war nicht effektiver als eine weitere einzelne Dosis von mRNA-1273.
  • Das heterologe Impfschema war ebenfalls nicht wirksamer als 100 μg mRNA-1273.
  • Die Serokonversionsraten betrugen 68 % (einfache Dosis), 63 % (doppelte Dosis) und 68 % (heterologes Schema)
  • In Kohorte 2 erhöhte ein Aussetzen von MPA oder MMF die Serokonversionsraten ebenfalls nicht signifikant: Sie betrugen 80 % bei weiterer MPA- oder MMF-Therapie und 67 % bei Unterbrechung (p = 0,15; n.s.).
  • Lokale Reaktionen traten bei der mRNA-Vakzine häufiger auf als beim vektorbasierten Impfstoff (92 % vs. 50 %).
  • Schwere unerwünschte Effekte gab es nicht.

Klinische Bedeutung

Ein weiterer Booster erzielt bei 7 von 10 Nierentransplantatempfängern mit ungenügender Immunantwort auf frühere COVID-19-Impfungen doch noch eine Serokonversion. Doppelte Impfdosen, ein Wechsel auf eine andere Impfstoffart oder eine Immunmodulation durch vorübergehendes Absetzen einer Substanz sind als Strategien nicht wirksamer.

Deshalb sei eine Reduktion der immunsuppressiven Therapie nicht zu empfehlen, denn sie könne das Abstoßungsrisiko transplantierter Organe erhöhen, heißt es im Kommentar (3).

Falls weitere Impfversuche nicht zum Erfolg führten, sei die prophylaktische Gabe von monoklonalen Antikörpern eine weitere Option.

Finanzierung: öffentliche Mittel