COVID-19: Hohe Immunreaktivität auf mRNA-Vakzine in erster klinischer Studie

  • N Engl J Med

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die mRNA-Vakzine 1273, die gegen das neuartige Coronavirus gerichtet ist, hat sich in einer ersten klinischen Prüfung als sicher erwiesen. Außerdem i nduziert sie die Bildung neutralisierende r Antikörper in vergleichsweise hohen Titern und ruft deutliche zelluläre Immunantworten hervor. Die mRNA der Vakzine kodiert für das virale Spikeprotein. Die mRNA ist in lipidhaltige Nanopartikel verpackt.

Hintergrund

International arbeiten Forscherteams an der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 (SARS-CoV-2). In der Pandemie haben sich bis Mitte Juli weltweit circa 13,6 Millionen Menschen infiziert; circa 585.000 Menschen sind an COVID-19 gestorben. Unter Federführung des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) der USA wird eine mRNA-Vakzine entwickelt, die für eine Untereinheit des Spikeproteins des Virus kodiert. Über dieses Protein bindet sich das Virus an die Oberfläche der Wirtszelle und gelangt ins Zellinnere.

Design

  • Studienform: offene Phase 1-Dosiseskalationsstudie
  • Studienteilnehmer: 45 gesunde, erwachsene Probanden, 18-55 Jahre alt
  • Applikationsschema: Tag 0 und Tag 28
  • Dosierungen:
    • 25 μg,
    • 100 μg oder
    • 250 μg mRNA
  • jeweils in Nanopartikeln aus 4 verschiedenen Lipiden verpackt und gelöst in jeweils 0,5 mL NaCl für die intramuskuläre Injektion in den Oberarm
  • Primäre Endpunkte: Sicherheit der Vakzine evaluiert über potenzielle lokale und systemische Reaktionen
  • Sekundäre Endpunkte: IgG-Antikörpertiter mit virusneutralisierenden Spezifitäten und spezifische T-Zell-Reaktivität

Hauptergebnisse

Pro Dosisgruppe wurden jeweils 15 Probanden behandelt. Nach der ersten Vakzinierung (bis Tag 29) lagen die IgG-Antikörper-Titer (geometrische Mittelwerte; GMT) bei 40,22 in der 25-μg-Gruppe, bei 109,20 in der 100-μg-Gruppe und bei 213,52 in der 250-μg-Gruppe. Am Tag 29 nach der 2. Immunisierung und damit 57 Tage nach der ersten betrugen die GMT-Werte 299,75 in der 25-μg-Gruppe, 782,72 in der 100-μg-Gruppe und 1.192,15 in der 250-μg-Gruppe. Diese Antikörpertiter entsprachen etwa den oberen Werten, wie sie bei Patienten nach einer Gabe von Rekonvaleszentenseren gefunden werden.

Die Vakzine mRNA-1273 induzierte in höhren Dosierungen auch spezifische zelluläre Immunantworten, vor allem T-Helferzellen (TH1).

Bei circa der Hälfte der Probanden traten, meist isoliert und vorübergehend, erhöhte Körpertemperatur, Schüttelfrost, Kopfschmerzen oder Müdigkeit auf.

Klinische Bedeutung

Die SARS-CoV-2-mRNA-Vakzine 1273 werde als vielversprechend in der weiteren klinischen Entwicklung bewertet, so die Autoren. Denn sie rufe einerseits keine schweren unerwünschten Wirkungen bei Impflingen hervor. Andererseits löse sie spezifische humorale und zelluläre Immunantworten aus. Vorläufigen Einschätzungen nach gelten Titer von neutralisierenden Antikörpern ab 1 : 160 als potenziell protektiv. Allerdings sind Antikörpertiter allein und zu einigen wenigen Zeitpunkten nach Vakzinierung nicht maßgeblich für die Bewertung einer guten Schutzwirkung insgesamt. Von Bedeutung ist, ob und wie lange sich ein spezifisches immunologisches Gedächtnis ausbildet mit dem Potenzial einer raschen Reaktivierung der Immunantwort.

Phase-2- und 3-Studien mit der Vakzine mRNA-1273 sind bereits in Vorbereitung.

Finanzierung: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)