COVID-19: Gleiche Sterblichkeit für Schwarze und Weiße in US-Kliniken

  • JAMA Netw Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Personen mit schwarzer Hautfarbe („Schwarze“), die wegen einer COVID-19-Erkrankung in US-amerikanischen Kliniken aufgenommen und behandelt werden, haben kein höheres Sterberisiko als Personen mit weißer Hautfarbe („Weiße“).

Hintergrund

Viele politische Aktivisten, darunter zuletzt die „Black Lives Matter“-Bewegung, verweisen als Beleg für die Benachteiligung Schwarzer und anderer Minderheiten auf deren häufig schlechtere gesundheitliche Versorgung und Status. Die von den Autoren zuletzt am 30. Juni aufgerufenen Statistiken der Centers of Disease Control legen nahe, dass auch bei der aktuellen COVID-19-Epidemie ein überproportional großer Anteil der Krankheits- und Todesfälle auf Schwarze entfällt. Allerdings gibt es kaum Informationen über den Zusammenhang zwischen der Sterblichkeit durch COVID-19 in den Kliniken und der ethnischen Zugehörigkeit.

Design

Kohortenstudie mit 11.210 Erwachsenen (medianes Alter 61 Jahre, 49,8 % Weiße, 37,3 % Schwarze), die zwischen 19. Februar und 31 May 2020 mit einer bestätigten schweren SARS-CoV-2-Infektion in 92 Kliniken in 12 US-Bundesstaaten hospitalisiert wurden. Gemessen wurde die Sterblichkeit während des Klinikaufenthaltes insgesamt, und aufgeschlüsselt nach ethnischer Zugehörigkeit (Schwarz, Weiß und Andere/Unbekannt laut Auskunft der Patienten).

Ergebnisse

  • Im Vergleich zu weißen Patienten waren Schwarze median jünger (61 gegenüber 65 Jahre) und häufiger weiblichen Geschlechts (54,9 versus 49,0 %)
  • Schwarze Personen hatten soziographische Nachteile, wie anhand dreier Kriterien sichtbar wurde:
    • Größerer Anteil staatlich Versicherter (Medicaid): 24,7 versus 13,3 %,
    • Höherer Median beim Neighborhood Deprivation Index: 0,82 versus – 0,11,
    • Höherer Median beim Elixhauser Komorbiditäts-Index: 22 versus 21.
  • Die nicht adjustierte Mortalität in der Klinik war bei Weißen höher als bei Schwarzen (23,1 versus 19,2 %).
  • Adjustiert für Alter, Geschlecht, Versicherung, Komorbidität, benachteiligte Wohnumgebung und Ort der Versorgung verringerte sich der Vorteil schwarzer gegenüber weißer Personen und war statistisch nicht mehr signifikant (Chancenverhältnis HR 0,93; 95%-Konfidenzintervall 0,80 – 1,09).

Klinische Bedeutung

Schwarze Patienten stellen zwar eine überproportionalen Anteil der COVID-19-Infektionen und -Todesfälle in den USA, an einer Ungleichbehandlung in den Kliniken liegt dies aber nicht. Als Erklärung für die unterschiedlichen Infektionsraten diskutieren die Autoren unter anderem eine höhere Wahrscheinlichkeit für Schwarze, in dicht besiedelten Wohngegenden und/oder mit mehreren Generationen unter einem Dach zu leben, häufigere Gefängnisaufenthalte und generell schlechtere Arbeitsbedingungen.

Finanzierung: Keine.