COVID-19: Gesundheitsforscher vergleichen US-Zahlen mit 18 anderen OECD-Ländern

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein Vergleich der Sterblichkeit durch COVID-19 und der Gesamt-Übersterblichkeit zwischen den USA und 18 weiteren Ländern zeigt die Veränderungen im Verlaufe der bisherigen Pandemie und lädt zu Spekulationen ein, inwiefern verschiedenartige Infrastrukturen und/oder gesundheitspolitische Maßnahmen die Todeszahlen modulieren.

Hintergrund

In den Vereinigten Staaten sind mehr Menschen an COVID-19 gestorben, als in jedem anderen Land der Welt, und auch bei der bevölkerungsbezogenen Mortalität liegt man mit an der Spitze. Die Autoren der aktuellen Arbeit haben sich gefragt, in welchem Umfang diese Entwicklung dadurch zu erklären ist, dass es in den USA relativ viele Fälle vor den Verbesserungen bei der Prävention und beim Patientenmanagement gab, oder ob der Trend eher durch eine langfristig schlechte Reaktion auf die Pandemie bedingt ist.

Design

Vergleich der Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 („COVID-19 deaths“) und der Übersterblichkeit zwischen den USA und 18 weiteren Ländern der OECD mit jeweils mehr als 5 Millionen Einwohnern und mehr als 25.000 $ jährlichem Pro-Kopf-Einkommen.

Ergebnisse

  • Die OECD-Länder lassen sich anhand der COVID-19-Mortalität in 3 Gruppen mit jeweils aufsteigenden Fallzahlen unterscheiden:
    • niedrige Mortalität (
    • moderate Mortalität (5 – 25 / 100.000): Norwegen, Finnland, Österreich, Dänemark, Deutschland, Israel, Schweiz, Kanada, sowie
    • hohe Mortalität (> 25 / 100.000): Niederlande, Frankreich, Schweden, Italien, USA, Großbritannien, Spanien, Belgien.
  • Die Autoren berechnen nun in 3 Szenarien, wieviel Prozent der Todesfälle durch COVID-19 in den USA gegenüber anderen Ländern zusätzlich (oder weniger) aufgetreten wären, wenn die US-Mortalitätsrate vom Beginn der Pandemie (13. Februar), oder ab dem 10 Mai oder ab dem 7. Juni ebenso hoch gewesen wäre, wie in dem jeweiligen Vergleichsland. Daraus ergeben sich folgende hypothetische Werte:
    • gegenüber Südkorea 99 / 61 / 45 %
    • gegenüber Deutschland 81 / 57 / 44 %
    • gegenüber Kanada 59 / 41 / 38 %
    • gegenüber Italien 2 / 46 / 40 %
    • gegenüber Großbritannien – 4/ 34 / 37 %
    • gegenüber Belgien – 44 / 41 / 38 %
  • Die Differenz in der Übersterblichkeit / 100.000 Einwohner, gemessen ab Pandemiebeginn, 10. Mai bzw. 7. Juni bis jeweils 25. Juli ergab im Vergleich von 2020 zu den entsprechenden Kalenderwochen 2015 – 2019 folgende Werte (Auswahl. Für Südkorea und Italien gab es keine Daten):
    • Norwegen -2,6 / -4,3 – 2,1
    • Deutschland 10,0 / 1,4 / - 0,2
    • Kanada 13,3 / - 3,7 / - 7,6
    • Großbritannien 94,5 / 13,7 / - 1,2
    • Belgien 67,8 / -4,6 / - 6,4
    • USA 71,6 / 31,2 / 19,4

Klinische Bedeutung

Die aktuellen Entwicklungen konnten für die Analyse nicht berücksichtigt werden. Darüber hinaus räumen die Autoren ein, dass die Mortalität von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Sie erwähnen beispielsweise ein jüngeres Durchschnittsalter in den USA bei gleichzeitig mehr Komorbiditäten. Nicht erwähnt sind Unterschiede bei der Art und Häufigkeit von Tests, deren Voraussetzungen, sowie mögliche Unterschiede bei der Bestimmung und Zuweisung der Todesursache, die aber bei der Übersterblichkeit keine Rolle spielen sollten. Was bleibt ist, dass die USA keine großen Umstellungen veranlasst haben, und dass die Gesamt-Übersterblichkeit dort seit den Stichdaten 10. Mai und 7. Juni konstant höher ist, als in allen anderen Staaten mit anfänglich hoher Mortalität durch COVID-19. Inwiefern möglicherweise eine laut Autoren „schwache öffentliche Gesundheits-Infrastruktur und eine dezentralisierte, inkonsistente US-Reaktion auf die Pandemie“ für unnötige Todesfälle verantwortlich gemacht werden kann, dürfte dennoch umstritten bleiben.

Finanzierung: Colton Foundation.