COVID-19: Genesene sind möglicherweise noch für längere Zeit Virusüberträger

  • JAMA

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung und mehreren negativen PCR-Tests können Genesene wieder viruspositiv werden, und zwar ohne Neuansteckung aus der Umgebung und ohne die Entwicklung von Symptomen. Dies wirft Fragen auf nach dem Monitoring bei Genesenen und nach Vorsichtsmaßnahmen für ihre Kontaktpersonen.

Hintergrund
Bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie stehen die Identifizierung von Infizierten und die Behandlung von Erkrankten derzeit im Vordergrund. Wenig ist darüber bekannt, ob Genesene nach Überwindung der Erkrankung virusnegativ bleiben, wenn es keine Möglichkeit gibt, sich neu anzustecken. Diese Frage ist wichtig für Kontaktpersonen der ehemaligen Patienten; eine kleine, aber qualitativ gut ausgeführte Fallserie aus China gibt erste Hinweise.

Design

  • Fallserie bei 4 Ärzten aus dem chinesischen Wuhan, die sich über Patientenkontakte mit SARS-CoV-2 infiziert hatten
  • Alter der infizierten Ärzte: 30-36 Jahre
  • Symptome: Husten und erhöhte Körpertemperatur, insgesamt mild bis mittelschwer
  • Befunde aus Bildgebung und Labor in der Erkrankungsphase: bilaterale Milchglastrübungen im CT, wie sie für COVID-19 typisch sind, und Virusnachweis über PCR mit Hilfe mehrerer validierter Testkits
  • Therapie: Oseltamivir 75 mg alle 12 Stunden
  • Definition der Rekonvaleszenz: Rückbildung aller klinischen Symptome, der pathologischen Befunde in der Bildgebung und mehrere negative PCR-Tests an aufeinanderfolgenden Tagen
  • Zeit zwischen ersten Symptomen und Genesung: 12-32 Tage
  • Monitoring in der Nachsorge: PCR-Tests bis zu 13 Tage nach Feststellung der Rekonvaleszenz in häuslicher Quarantäne

Hauptergebnisse
Nachdem die an COVID-19 erkrankten Ärzte genesen und nachhause entlassen worden waren, wurden sie aufgefordert, für mindestens weitere 14 Tage zuhause zu bleiben und Schutzmaßnahmen zu befolgen. Während der häuslichen Quarantäne wurden Proben aus dem Mund-Rachenraum für SARS-CoV-2-Testungen genommen. Ab dem Tag 5 nach Erholung und bis zum Tag der letzten Probenentnahme (Tag 13) wurden alle ehemaligen Patienten wieder PCR-positiv für das Virus. Bei den Haushaltmitgliedern hingegen gab es keine positiven PCR-Befunde.

Klinische Bedeutung
Die Studie ist klein, aber sie deutet daraufhin, dass ein Teil der von COVID-19 Genesenen einige Zeit nach der Erholung wieder PCR-positiv wird. Die entsprechenden positiven PCR-Befunde wurden an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen durch verschiedene Testkits bestätigt. Damit können Genesene potenziell auch wieder Virusausscheider werden.

Die Fragestellung, ob COVID-19-Genesene mit PCR-negativen Befunden längere Zeit nach der Erholung stichprobenartig wieder auf das Virus getestet werden sollten, müsse in größeren Studien untersucht werden, so die Autoren. Die publizierte Fallserie weise daraufhin, dass dies sinnvoll sein könne, obwohl sie klein sei. Positiv sehen die Forscher, dass sich die Bedingungen für die Untersuchung der Fragestellung in dieser Pilotstudie gut kontrollieren ließen, da die Teilnehmer junge Ärzte waren.

Finanzierung: öffentliche Mittel