COVID-19: gemeinsames Singen riskant, Hydroxychloroquin wohl nutzlos


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Gemeinschaftliches Singen mag zwar große Freude bereiten, kann aber die Übertragung des neuen Corona-Virus fördern, wie nun weitere Untersuchungen gezeigt haben. Erneut schlechte Nachrichten gibt es für „Schutzmasken-Verweigerer“ und Anhänger einer Therapie mit Hydroxychloroquin. 

Zwei Studien zur Virus-Übertragung

Eine epidemiologische und eine experimentelle Studie haben Hinweise darauf geliefert, dass das neue Corona-Virus bereits beim normalen Sprechen übertragen werden könnte. Bei der einen Studie  handelt es sich um die Untersuchung eines SARS-CoV-2-Ausbruchs in einer Chorgruppe in Skagit County, Washington. Hier hatte den Autoren zufolge eine infizierte Person (ein sogenannter superspreader) mehrere Chormitglieder angesteckt; mangelnde Distanz sowie Singen hätten die Ausbreitung des Virus begünstigt, schreiben die Autoren um Lea Hamner (Skagit County Public Health, Mount Vernon, Washington).

Die Autoren der experimentellen Studie  haben mit  Hilfe von Laserlicht zeigen können, dass schon beim lauten Sprechen pro Sekunde Tausende von unterschiedlich großen Tröpfchen entstehen; Berechnungen der Autoren um Dr. Valentyn Stadnytskyi (National Institutes of Health in Bethesda) ergaben, dass bereits normales Sprechen in geschlossenen Räumen die Virus-Übertragung fördern kann.  Beide Studien bestätigen zum einen andere Studien und zeigen zum anderen, wie wichtig soziale Distanzierung und auch Schutzmasken sind. 

Wer fliegen will, muss Maske tragen

Für das Tragen von Schutzmasken hat sich jetzt auch die Weltgesundheitsorganisation  in aktualisierten Richtlinien ausgesprochen. Schutzmasken sollten vor allem dort getragen werden, wo es schwierig oder so gut wie unmöglich ist, den notwendigen Abstand einzuhalten; dies trifft etwa auf den öffentlichen Nahverkehr zu, wie WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erläuterte. Schutzmasken seien allerdings nur eine von mehreren Maßnahmen zur Prävention der Virus-Ausbreitung und sollten auch nicht in falscher Sicherheit wiegen, so Ghebreyesus.

Auf deutschen Flughäfen soll nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“  bald eine generelle Maskenpflicht für alle Passagiere und Angestellten eingeführt werden. Die zuständigen Behörden und Flughafenbetreiber arbeiten dem Magazin nach ein Paket an Sicherheitsmaßnahmen aus. Es gebe bereits einen Entwurf für ein Maßnahmenpaket, damit die Flughäfen wieder mehr Passagiere abfertigen könnten. Eine Maskenpflicht sei dazu notwendig, heiße es in dem Papier, da in vielen Bereichen des Flughafens ein ausreichendes Abstandhalten nicht möglich sei. Konkret genannt würden die Luftsicherheitskontrollen, die Flughafen- und Shuttlebusse oder die Gepäckausgabe an den Rollbändern.

Malaria-Mittel ein Flop?

Für die Anhänger von Hydroxychloroquin zur Therapie von COVID-19-Patienten gibt es erneut schlechte Nachrichten. Die Studienleiter der kontrollierten und randomisierten Studie RECOVERY haben mitgeteilt, dass hospitalisierte Patienten der Studie nicht von diesen Wirkstoffen profitiert haben.

RECOVERY ist eine Studie mit mehr als 11000 Patienten in 175 Kliniken in Großbritannien. Geprüft werden mehrere Therapien, unter anderen auch Anti-HIV-Wirkstoffe und Hydroxychloroquin: 1542 Patienten erhielten das Malaria-Präparat und 3132 Patienten die Standard-Therapie. Primärer Endpunkt war die 28-Tage-Mortalitätsrate. Den Studienleitern Professor Peter Horby und Professor Martin Landray (beide von der Universität von Oxford) zufolge gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Therapie-Gruppen: In der Hydroxychloroquin-Gruppe betrug die Sterberate 25,7 Prozent, in der Kontroll-Gruppe 23,5 Prozent (Hazard Ratio 1,11; CI 0,98-1,26, p = 0,10). Auch bei weiteren Endpunkten schnitten Patienten mit dem Malaria-Wirkstoff nich besser ab. Die Studienautoren haben daher beschlossen, die Tests mit Hydroxychloroquin zu beenden. Die kompletten Daten sollen so rasch wie möglich publiziert werden.

Auch eine andere randomisierte Studie  mit Hydroxychloroquin hat keinen Nutzen des Wirkstoffes belegen können. In diesem Fall ging es um die Frage, ob Hydroxychloroquin Personen nach Kontakt mit einer mit SARS-CoV-2 -positiven Person vor einer Ansteckung mit dem neuen Corona-Virus schützt. Die Autoren um Dr. David Boulware von der Universität von Minnesota in Minneapolis konnten keinen relevanten Effekt von Hydroxychloroquin als Präparat zur Postexpositions-Prophylaxe feststellen.