COVID-19: gastrointestinale Symptome nicht selten

  • Lancet Gastroenterol Hepatol

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das neue Corona-Virus kann auch den Gastrointestinaltrakt und die Leber befallen.  Bei COVID-19-Patienten sollte daher auch auf  Symptome von Magen-Darm- und Leberschäden geachtet werden.

Hintergrund

SARS-CoV-2 kann, wie einige Studien inzwischen gezeigt haben, mehrere Organe befallen, ausser Lungengewebe, Myokard und Gefäße zum Beispiel auch ZNS-Gewebe. Da auch gastrointestinale Epithelzellen das Enzym ACEE2, den wichtigsten Rezeptor für SARS-CoV-2 exprimieren, kann das Virus auch den Magendarm-Trakt befallen. Wie häufig dies ist und welche Prognose betroffene Patienten haben, ist nicht ausreichend klar. Diesen Fragen sind nun chinesische Wissenschaftler in einer Metaanalyse nachgegangen.

 Design

Systematische Literatur-Auswertung und Metaanalyse von Studien zu gastrointestinalen und hepatischen Symptomen bei COVID-19-Patienten. Insgesamt berücksichtigten die Autoren 35 Studien mit 6686 COVID-19-Patienten.

Hauptergebnisse 

  • 29 Studien (n = 6064) berichteten über gastrointestinale Symptome bei Patienten mit COVID-19 zum Zeitpunkt der Diagnose. Die Prävalenz von Verdauungssymptomen betrug 15 Prozent, wobei Übelkeit oder Erbrechen, Durchfall und Appetitlosigkeit die drei häufigsten Symptome waren. 
  • Die  Prävalenz abnormaler Leberwerten (12 Studien, n = 1267) betrug 19 Prozent. 
  • Eine Subgruppenanalyse ergab bei schwerkranken COVID-19-Patienten im Vergleich zu weniger Schwerkranken eine höhere Rate an gastrointestinalen Symptomen (Odds Ratio: 1,60; 95% CI: 1, 09–2, 36; p = 0, 0020) und Leberschäden (OR: 2,20; 1,60–3,02; p
  • Zehn Prozent (95% CI 4–19) der Patienten zeigten gastrointestinale, aber keine respiratorischen Symptome. Bei diesen Patienten wurde die Diagnose der Infektion verzögert gestellt. 

Klinische Bedeutung

Die Studie zeigt nach Angaben der Autoren, dass gastrointestinale Symptome und Leberschäden bei Patienten mit COVID-19 nicht selten sind. Zu beachten ist vor allem, dass Patienten mit einer Infektion durch das neue Corona-Virus keine Symptome einer Atemwegs-Infektion haben müssen, sondern nur gastrointestinale Symptome haben können, was die Diagnose der Infektion mit SARS-CoV-2 verzögern kann. Anderen Studien zufolge vermehrt sich das Virus beim manchen Patienten sogar dann noch im Gastrointestinaltrakt, wenn es im Respirationstrakt nicht mehr nachweisbar ist. Ob allerdings im Stuhl nachweisbares Virus noch infektiös ist, bleibt noch zu klären.

Finanzierung: keine