COVID-19: Fünf Tage Remdesivir verbessern den Verlauf einer mittelschweren Erkrankung deutlich

  • JAMA

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit mittelschwerer COVID-19-Pneumonie reduziert sich die klinische Symptomatik unter einer 5-tägigen Behandlung mit Remdesivir im Vergleich zur Standardbehandlung signifikant. Bei einer auf 10 Tage angesetzten Remdesivir-Therapie ist ein solch signifikanter Unterschied zum Standard nicht erkennbar. Die klinische Relevanz von Remdesivir ist bei mittelschwerer COVID-19-Erkrankung dennoch nicht abschließend geklärt.

Hintergrund
Bislang gibt es keine spezifische Therapie für COVID-19-Patienten. Remdesivir wird in dieser Indikation klinisch geprüft. Es ist ein antiviraler Wirkstoff aus der Gruppe der Nukleosid-Analoga und RNA-Polymerase-Inhibitoren und wirksam gegen verschiedene Coronaviren wie MERS und SARS, aber auch gegen Ebolaviren und RSV. Remdesivir ist ein Prodrug und wird zur pharmakologisch aktiven Substanz metabolisiert. Im Mai 2020 hatte die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA den Wirkstoff auf Basis einer randomisierten Studie mit positivem Ergebnis (1) als Notfalltherapie für Patienten mit schwerem COVID-19 zugelassen (2). Nun sind Daten einer randomisierten, kontrollierten Studie bei Patienten mit mittelschwerem COVID-19 publiziert worden (3).

Design

  • internationale randomisierte, kontrollierte, unverblindete Studie mit COVID-19-Patienten in stationärer Behandlung (USA, Asien und Europa inklusive Deutschland)
  • Einschlusskriterien: laborgesicherte SARS-CoV-2-Infektion mit radiologisch festgestellten Lungeninfiltraten und einer Sauerstoffsättigung des Blutes von > 94 % unter Raumluft.
  • Studienpopulation: 596 Patienten, median 57 Jahre alt (46-66 Jahre), 56 % mit kardiovaskulären Vorerkrankungen und 40 % mit Diabetes
  • Randomisierung 1:1:1 in 3 Gruppen:
    • 10 Tage Remdesivir (n = 197)
    • 5 Tage Remdesivir (n = 199) oder
    • Standardbehandlung ohne Remdesivir (n = 200)
  • Remdesivirtherapie: i.v. beginnend mit 200 mg an Tag 1 gefolgt von 100 mg täglich für die übrigen Tage
  • Primärer Endpunkt: klinischer Status zu Tag 11 auf Basis von 7 Kategorien (Kategorie 1: Tod; Kategorie 7: Entlassung aus dem Krankhenhaus).

Hauptergebnisse

  • An Tag 11 hatten Patienten unter 5 Tagen Remdesivir eine statistisch signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen besseren klinischen Status als die Standardgruppe (Odds Ratio: 1,65; p = 0,02).
  • Für eine 11-Tagestherapie mit Remdesivir gab es einen solchen statistisch signifikanten Unterschied nicht (p = 0,18). Diese Patienten wurden median auch nur 6 Tage mit Remdesivir behandelt.
  • Bei den relevanten unerwünschten Effekten war Übelkeit häufiger unter Remdesivir als bei Standardbehandlung (10 % vs. 3 %), ebenso Hypokalämie (6 % vs. 2 %) und Kopfschmerz (5 % vs. 3 %)

Klinische Bedeutung

Bei mittelschwerer COVID-19-Erkrankung hat eine 5-tägige Remdesivir-Therapie einen statistischen Vorteil gegenüber der Standardbehandlung. Ob dieser Vorteil aber auch klinisch relevant sei, lasse sich auf Basis dieser Studiedaten nicht abschließend klären, so die Autoren (3). Es gelte, weiter zu untersuchen, welches die optimalen COVID-19-Patienten für eine Remdesivirtherapie seien und welches die optimale Dauer der Behandlung sei, und dies auch unter Begleittherapien wie Glukokortikoiden.

Finanzierung: Gilead Sciences