COVID-19: EU-Behörden empfehlen zweite Auffrischungsimpfung für über 60-Jährige

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Über 60-Jährige sowie besonders vulnerable Menschen sollten laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) und der EU-Arzneimittelagentur EMA eine zweite Corona-Auffrischungsimpfung erhalten. Grund ist laut EU-Gesundheitskommissarin Kyriakides der erneute Anstieg bei den Infektionsfällen und dadurch bedingten Krankenhauseinweisungen. Auf die Zulassung angepasster Impfstoffe sollte nicht gewartet werden.

Sofortige Impfungen mit den verfügbaren Impfstoffen

Kyriakides forderte die EU-Mitgliedstaaten auf, sofort zweite Booster-Impfungen für die betroffenen Gruppen bereitzustellen. Diese könnten mindestens vier Monate nach der vorherigen Impfung verabreicht werden. Bislang hatten die EU-Gesundheitsbehörden eine zweite Auffrischungsimpfung nur für Personen über 80 Jahren und die am meisten gefährdeten Personen empfohlen. Die Auffrischungsimpfungen sollten mit den derzeit verfügbaren Impfstoffen vorgenommen werden. Dabei solle man sich vor allem auf Menschen konzentrieren, deren erste Auffrischungsimpfung mehr als sechs Monate zurückliegt. In Ländern, in denen die derzeitige Infektionswelle mit den Varianten BA.4 und BA.5 noch nicht ihren Höhepunkt erreicht habe, sei dies „besonders relevant".

Angespannte Lage auf deutschen Intensivstationen

 

ECDC-Direktorin Andrea Ammon begründete die Empfehlung unter anderem damit, dass man derzeit steigende Corona-Fallzahlen sehe. Auch bei den Einweisungen in Krankenhäuser und der Belegung von Intensivstationen gehe der Trend in mehreren Ländern nach oben. Dies gilt auch für Deutschland. So sei die Lage auf den Intensivstationen in deutschen Kliniken laut dem Präsidenten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Professor Gernot Marx, für einen Sommer ungewöhnlich angespannt, berichtet das RND (Redaktionsnetztwerk Deutschland). „Wir müssen schon wieder schauen, dass wir unsere Reihen geschlossen halten, das heißt, wir müssen Personal verschieben, wir müssen Personal aus dem Frei holen, also nach zwei Wochenenden auch das dritte Wochenende arbeiten“, sagte Marx heute im ZDF-„Morgenmagazin“. „Wir müssen auch schon wieder leider einige Operationen, die nicht unbedingt notwendig sind, verschieben, damit wir eben entsprechend alle unsere Notfälle gut und sicher versorgen können.“

Hauptgrund für die Zunahme der Infektionsfälle ist die Ausbreitung der Omikron-Untervariante BA.5. EMA-Chefin Emer Cooke zufolge wird derzeit auf eine mögliche Zulassung angepasster Impfstoffe im September hingearbeitet. „In der Zwischenzeit ist es wichtig, die Verwendung der derzeit zugelassenen Impfstoffe als zweite Auffrischungsimpfung bei besonders gefährdeten Personen in Betracht zu ziehen.“

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) bislang eine zweite Booster-Impfung für Menschen ab 70 Jahren, Risikopatienten sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Beschäftigte im medizinischen Bereich und in Pflegeeinrichtungen. Nach aktuellen Angaben haben bislang nur 7,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine zweite Auffrischungsimpfung bekommen.

Da noch immer Impflücken bestehen und eine Herbstwelle befürchtet wird, hat der Deutsche Hausärzteverband die Bundesregierung am vergangenen Freitag zu einer neuen Impfkampagne im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. Gebraucht werde „eine positive Impfkampagne - nicht nur für die vierte Impfung, sondern auch um die Impflücken bei der ersten und der dritten Impfung zu schließen", sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt dem RND. Die Kampagne müsse die Menschen motivieren und nicht verängstigen. Das Impfen sei und bleibe die wichtigste und wirkungsvollste Maßnahme im Kampf gegen das Virus.