COVID-19: ESC-Leitfaden zur kardiologischen Diagnostik und Therapie erstellt

  • European Society of Cardiology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat einen umfangreichen Leitfaden zur kardiologischen Diagnostik und Therapienim Zusammenhang mit der COVID-19 veröffentlicht. Die Fachgesellschaft betont, dass es sich hierbei nicht um eine neue Leitlinie handelt, sondern eher um einen orientierenden und unterstützenden Leitfaden, da es sich um ein auch wissenschaftlich sehr dynamisches Geschehen handelt und es zu vielen Fragen noch keine wissenschaftlich ausreichend fundierten Antworten gibt.

COVID-19 auch eine Herz- und Gefäß-Krankheit 

Anlass für die Empfehlungen ist die Erkenntnis, dass COVID-19 nicht nur eine pulmonale Erkrankung ist, sondern eine Vielzahl von Organen befällt, darunter auch das Myokard sowie das Gefäßendothel. Zudem gehören Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie männliches Geschlecht, fortgeschrittenes Alter, Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck sowie Patienten mit zerebrovaskulären Erkrankungen gehören zu den Patienten, die bei einer Infektion mit dem neuen Corona-Virus besonders gefährdet sind, schwer zu erkranken oder auch zu sterben. Bei einem erheblichen Anteil der infizierten Patienten kommt es zu einem myokardialen Schaden, manche Patienten entwickeln eine lebensbedrohliche Myokarditis und Herzrhythmusstörungen, die durch manche Therapien noch verstärkt werden, die gegen COVID-19 erprobt werden. 

Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und auch zum Infektionsschutz

Die Autoren des Leitfadens gehen detailliert auf diagnostische und therapeutische Maßnahmen bei allen relevanten kardiovaskulär relevanten Erkrankungen und Risikofaktoren ein. Dazu zähen außer chronischen Koronar-Syndromen die Herzinsuffizienz, Arrhythmien, Klappenfehler und der Lungenembolie auch der Bluthochdruck. Patienten mit Hypertonie seien Risiko-Patienten bei einer Infektion mit SARS-CoV2, ist in den letzten Wochen mehrfach berichtet worden. Wie nun die Autoren des ESC-Leitfadens betonen, gibt es bisher aber noch keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Bluthochdruck ein von anderen Faktoren (etwa Alter) unabhängiger Risikofaktor für einen schweren Erkrankungsverlauf oder gar Tod bei Infektion mit SARS-CoV2 ist. Es gebe auch keine Beweise dafür, dass ACE-Hemmer und Sartane das Risiko für eine Infektion mit dem neuen Virus und für schwere Komplikationen bei einer Infektion erhöhten, heißt es in dem Kapitel zur Hypertonie und antihypertensiven Therapie. 

Ein anderes Kapitel dreht sich um die Antikoagulation, insbesondere um die Dosierung der gerinnungshemmenden Wirkstoffe. Der Leitfaden enthält außerdem Informationen und Empfehlungen zum Schutz der Patienten und der Mitarbeiter sowie zum Eigenschutz bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen, etwa einer transösophagealen Echokardiografie oder einer Katheter-gestützten Ablation bei Vorhofflimmern. In einem Kapitel befassen sich die Autoren zudem mit Allokations-Entscheidungen bei kardiavaskulär erkrankten Patienten mit oder ohne COVID-19.