COVID-19: erneute Erfolgsmeldung zu einem Impfstoff, viele Neuinfektionen bei Kindern


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Der Corona-Impfstoff mRNA-1273 vom US-Unternehmen Moderna hat Interimsresultaten einer Phase-3-Studie zufolge eine Wirksamkeit von deutlich über 90 Prozent. Die Zahl der Kinder in Deutschland, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben, ist laut einem „Spiegel“-Bericht drastisch gestiegen. Bei COVID-19-Patienten kann es nicht nur in der Akut-Phase zu schweren Thromboembolien kommen, wie eine kleine Fallserie zeigt. Ältere Menschen in Deutschland fühlen sich laut einer aktuellen Umfrage durch die Corona-Krise nicht stärker bedroht als Menschen im mittleren Erwachsenenalter. 

94,5 Prozent: „Besser wird es nicht“

Ihr mRNA-Impfstoff gegen SARS-CoV-2 habe in einer Phase-3-Studie eine Wirksamkeit von fast 95 Prozent erzielt, meldet das US-Unternehmen Moderna. Dabei handelt es sich um Zwischenergebnisse einer placebo-kontrollierten US-Studie (COVE) mit mehr als 30.000 Probanden, die im Verhältnis von 1 zu 1 entweder den mRNA-Impfstoff oder ein Placebo erhalten. „Besser wird es nicht, 94,5 Prozent sind wirklich hervorragend“ , so der US-amerikanische Immunologe Dr. Anthony S. Fauci.

Bisher seien 95 Probanden - darunter 15 ältere Menschen (mindestens 65 Jahre) - an einer Infektion mit SARS-CoV-2 erkrankt; fünf Probanden gehörten zur Impfstoff-Gruppe und 90 zur  Kontroll-Gruppe . Außerdem seien in der Kontroll-Gruppe elf Probanden schwer an COVID-19 erkrankt, in der Verum-Gruppe seien hingegen keine schweren Erkrankungsfälle aufgetreten. Schwerwiegende Sicherheits-Probleme sind laut der Moderna-Mitteilung nicht beobachtet worden.

Die EU-Kommission verhandelt laut einem „Spiegel“-Beitrag derzeit nach eigenen Angaben mit dem US-Konzern über die Lieferung von bis zu 160 Millionen Impfdosen. Ein Vertrag sei aber noch nicht geschlossen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur  starte ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren zu dem Impfstoff t, das eine vergleichsweise rasche Zulassung zum Ziel habe. Moderna will außerdem in den kommenden Wochen eine Notfall-Genehmigung bei der FDA beantragen.

Deutlich mehr Neuinfektionen bei Kindern

Auch bei Kindern steigt nach einem „Spiegel-Beitrag“ die Zahl der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 - und zwar „drastisch“. Das gehe aus einer Präsentation des Robert Koch-Instituts hervor, die dem SPIEGEL vorliege. Demnach seien in der ersten Novemberwoche mehr als 10.400 Corona-Infektionen bei Kindern unter 14 Jahren gemeldet worden. Wie sich die Situation seitdem entwickelt habe, sei unklar. Anfang September seien pro Woche noch weniger als 1000 Infektionen bei Kindern unter 14 Jahren gemeldet worden.

Laut RKI hätten in der ersten Novemberwoche 91 Kinder unter 14 Jahren mit COVID-19 stationär behandelt werden müssen. Ein eigens eingerichtetes Meldesystem der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) komme zu ähnlichen Ergebnissen. Die meisten Kinder mit COVID-19 im Krankenhaus hätten demnach Fieber, Entzündungen der Atemwege und Magen-Darm-Probleme. Nur sieben Prozent der in dem Register erfassten Kindern im Krankenhaus hätten zeitweise auf einer Intensivstation behandelt werden müssen.

Arterielle Thromboembolien auch eine Spätkomplikation

Bei vier bisher gesunden und primär asymptomatischen jungen Post-COVID-19-Patienten haben Ärzte in Singapur späte Gerinnungskomplikationen festgestellt: Nach Angaben der Mediziner erlitten die Patienten elf Wochen (median 78 Tage) nach bestätigter SARS-CoV-2-Serokonversion schwere arterielle thrombotische Ereignisse. Die Patienten waren im Mittel (Median) 38,5 Jahre alt. Zwei Patienten hatten ischämische Schlaganfälle bei Verschluss großer Hirnarterien, der dritte hatte einen akuten arteriellen Verschluss einer Extremität aufgrund einer Embolie bei flottierender Aortenthrombose und der vierte einen anterolateralen Myokardinfarkt mit komplettem RIVA-Verschluss. Keiner der vier Patienten hatte bekannte Risikofaktoren oder kardiovaskuläre Erkrankungen; ein Patient hatte allerdings einen Diabetes mellitus. Die Autoren vermuten, dass es während der COVID-19-Rekonvaleszenz zu einer persistierenden Endothel-Entzündung kommt. 

Angst vor Corona: Alter spielt offenbar keine Rolle

Nicht einmal jede zehnte Person in Deutschland zwischen 46 und 90 Jahren fühle sich sehr durch die Corona-Pandemie bedroht, heißt es in einer Mitteilung zu einer Umfrage im Rahmen des DEAS (Deutscher Alterssurvey). Das Alter spiele dabei überraschenderweise keine zentrale Rolle: Egal ob im mittleren Erwachsenenalter ab 46 Jahren oder im höheren Alter von über 75 Jahren – die aktuelle Situation als wenig bedrohlich nehmen stets etwa die Hälfte wahr. 

Einen stärkeren Einfluss habe dagegen, wie Menschen ihre Gesundheit einschätzten: Personen, die ihre Gesundheit als sehr gut oder gut bewerten, fühlen sich wegen der Pandemie weniger bedroht als Personen, die ihre Gesundheit weniger gut einschätzen. Die Mehrheit der Befragten habe zudem das Gefühl, das Risiko einer Ansteckung mit dem Corona-Virus weitgehend selbst beeinflussen zu können. Nur zwölf Prozent halten der Umfrage zufolge ihre Einflussmöglichkeiten für gering. Insgesamt zeigen die Ergebnisse: Auch wenn mit zunehmendem Alter das Risiko steigt, bei einer Infektion mit dem Corona-Virus schwer zu erkranken, fühlen sich ältere Menschen durch die Pandemie nicht stärker bedroht als Personen im mittleren Erwachsenenalter. Möglicherweise helfe älteren Menschen ihre Lebens- und Krisenerfahrung, um auch diese Pandemie einzuordnen und zu bewältigen. 

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte. Im Rahmen der Studie werden seit mehr als zwei Jahrzehnten Menschen auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regelmäßig befragt. An der schriftlich-postalischen Befragung im Juni und Juli 2020 haben 4762 Personen im Alter von 46 bis 90 Jahren teilgenommen. Der Deutsche Alterssurvey wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).