Covid-19: Erkenntnisse, Befunde und Studien der letzten Tage


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Kernbotschaften

Fast schon im Stundentakt werden neue Erkenntnisse, Beobachtungen und Studien zur Covid-19-Pandemie veröffentlicht. Mal sind es Befunde aus der Grundlagenforschung, mal Erkenntnisse zur Epidemiologie. 

1. Der Ausbruch der Infektion mit SARS-CoV-2 ist in Italien lange unbemerkt geblieben. Wahrscheinlich sei das neue Virus schon zu Beginn dieses Jahres, Anfang Januar, in Italien „angekommen“ und habe sich dort unbemerkt verbreiten können, vermuten Autoren einer epidemiologischen Analyse. Die Wissenschaftler haben Daten von fast 6000 bestätigten Infektionsfällen in der Lombardei analysiert (publiziert am 20.3. auf dem Preprint-Server „arXiv“). Die Befunde verdeutlichen den Autoren zufolge, wie wichtig rechtzeitige und „aggressive“ Maßnahmen zur Eindämmung sind.

2. Dass sich das Virus unbemerkt verbreiten kann, zeigt auch eine andere aktuelle Studie. Danach sind die Patienten schon zwei bis drei Tage vor Beginn der Symptome infektiös, wie chinesische Forscher um Dr. Gabriel Leung (WHO-Zentrum für die Epidemiologie infektiöser Erkrankungen in Hongkong) berichtet haben (Preprint-Server MedRxiv). Das Maximum der Infektiösität werde etwa einen halben Tag vor Beginn der Symptome erreicht. Eine Isolation oder häusliche Quarantäne bei Symptombeginn kommt daher in solchen Fällen zu spät. Diese Studie zeigt zudem, wie notwendig soziale Distanzierung ist. 

3. Für die Übertragung des neuen Virus spielen Rachensekrete bekanntlich eine große Rolle. Wie nun Daten aus Hongkong zeigen, ist bei schwerkranken Covid-19-Patienten die Viruslast zu Beginn der Erkrankung im Rachensekret am größten („Lancet Infectious Diseases“). 

4. Die Bedeutung des Mund-Rachenraums für die Infektion und Virus-Übertragung verdeutlicht auch eine Studie, nach der das mit dem Angiotensin-Konversionsenzym (ACE) verwandte ACE2 auf Epithelzellen der Mundschleimhaut und hier vor allem der Zunge stark vertreten ist. Das Enzym fungiert als Virusrezeptor für den zellulären Eintritt des „alten“ SARS-CoV und auch des neuen SARS-CoV2.

5. Eine weitere Studie von britischen und US-amerikanischen Forschern zeigt, dass Reisebeschränkungen, wenn sie früh verordnet werden und sich auf „Zentren eines Ausbruchs“ fokussieren, die Ausbreitung des Virus teilweise bremsen können. Die Forscher haben Real-Time-Mobilitätsdaten aus Wuhan ausgewertet.

6. Die WHO hat diese Woche angekündigt, vier Therapien für Covid-19-Patienten in der weltweiten Studie „Solidarity“ zu prüfen. Bei den vier Therapien handelt es sich um:

  • die Kombination von Lopinavir/Ritonavir,
  • die Kombination von Lopinavir/Ritonavir mit Interferon-Beta,
  • das Anti-Malaria-Mittel Chloroquin 
  • und Remdesivir.

7. Wissenschaftler in New York City wollen nun Schwerkranke mit dem antikörper-angereicherten Plasma von Patienten zu behandeln, die die Infektion überstanden haben und wieder gesund sind. Die US-Ärzte wollen so vor allem verhindern, dass Covid-19-Kranke auf einer Intensivstation behandelt werden müssen, da die Zahl der Infizierten allein im Staat New York (Donnerstag: 37.258 Infektionsfälle) sehr hoch ist.

8. Von einem Geruchs- und einem Geschmacksverlust sind offenbar viele Patienten mit Infektion durch SARS-CoV-2 betroffen. Dies bestätigen nun Ärzte aus mehreren Ländern. Es sollten daher auch Patienten auf das neue Virus getestet werden, die ausser Geruchs- und Geschmacksverlust keine weiteren Symptome haben. Die häufigsten Symptome der Infektion mit dem neuen Virus sind zwar Fieber und Husten. Laut dem Bonner Virologen Professor Hendrik Streeck hätten jedoch fast alle Infizierten, die er und seine Mitarbeiter befragt hätten, „einen mehrtägigen Geruchs- und Geschmacksverlust“ beschrieben. 

Britische HNO-Ärzte haben vor wenigen Tagen mit Verweis auf mehrere ähnliche Beobachtungen sogar empfohlen, dass sich Erwachsene mit Geruchs- und Geschmacksverlust freiwillig in eine siebentägige Quarantäne begeben sollten, und zwar auch dann, wenn sie sonst keine weiteren Symptome einer Infektion mit dem neuen Virus hätten. Auch die „American Academy of Otolaryngology“ hat vor wenigen Tagen auf ihrer Webseite auf Berichte hingewiesen, nach denen bei manchen infizierten Patienten Geruchs- und Geschmacksverlust das einzige Symptom der Infektion gewesen seien. Nach einigen Tagen verschwindet das Symptom allerdings wieder, wie unter anderem Beobachtungen bei infizierten Patienten in Deutschland gezeigt haben.