Covid-19: Empfehlungen zum Vorgehen bei Verdacht und gesicherter Diagnose


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Kernbotschaften

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin hat für die hausärztliche Praxis Empfehlungen zum Vorgehen bei Verdacht und gesicherter Infektion mit dem neuen Corona-Virus veröffentlicht. Eine hohe Priorität hat dabei - ausser dem Selbstschutz - der Schutz der Mitarbeiter und anderer Patienten.

Ein begründeter Verdachtsfall auf eine Infektion mit dem neuen Virus besteht laut DEGAM

  • bei unspezifischen Allgemeinsymptomen oder akuten respiratorischen Symptomen jeder Schwere und einer Reiseanamnese in ein/aus einem COVID-19-Risikogebiet oder
  • bei unspezifischen Allgemeinsymptomen oder akuten respiratorischen Symptomen jeder Schwere und Kontakt zu einer Person mit bestätigter COVID-19.

Ausser den „begründeten Verdachtsfällen“ gibt es laut DEGAM auch Patienten, bei denen die Abklärung einer SARS-CoV-2-Infektion differentialdiagnostisch sinnvoll sein kann, zum Beispiel bei akuten respiratorischen Symptomen und Aufenthalt in Regionen mit vielen Covid-19-Fällen, bei schwerer Erkrankten, die ambulant betreut werden können und bei immunsupprimierten Patienten. 

Patienten mit akuten respiratorischen Infekten und besorgte Menschen sollten aufgerufen werden, zu Hause zu bleiben und möglichst nicht in die Praxis. 

Schutz und Sicherheit anderer Patienten und der Praxismitarbeiter/innen haben höchste Priorität. Daher: keine Testung auf SARS-CoV-2 ohne Schutzausrüstung. Fehlt die Schutzausrüstung sollte vor der Praxis ein Schild aufgehängt werden: „Praxis führt keine Testungen durch.“ 

Da notwendige Schutzausrüstungen momentan nicht überall verfügbar sind, empfiehlt die DEGAM wann immer möglich:  Testungen nicht in der Praxis, sondern über regionale Teststationen / Tel. 116 117 / Gesundheitsamt

alternativ: Selbst-Test als pragmatisches und ausreichend zuverlässiges Verfahren, d. h. der Patient führt den Rachenabstrich bei sich durch.

Individuelles Vorgehen in der Praxis 

  • Bei Schwerkranken: Krankenhauseinweisung ohne Testung, Schweregrad einer Pneumonie mit CRB-65-Index abschätzen.
  • Bei nicht schwerkranken Patienten, die ambulant betreut werden können:
    • Wenn „begründeter Verdacht“ besteht: Testung über regionale Testzentren / 116 117 / Gesundheitsamt. 
    • Wenn kein „begründeter Verdacht“ besteht: differentialdiagnostisch Abstrich erwägen (nur wenn Schutzausrüstung vorhanden!) 
  • Bei klinisch leichten/symptomarmen Fällen: kein Praxisbesuch; AU für 7-14 Tage, ggf. telefonische Wiedervorstellung bei Verschlechterung. Alle Mitbewohner sollten zuhause bleiben und Sozialkontakte minimieren. 
  • Bei „begründetem Verdacht“: Veranlassung einer Testung über regionale Testzentren / 116117 / Gesundheitsamt. 
  • Falls „begründeter Verdachtsfall“ unangemeldet in der Praxis erscheint: Noch am Tresen Mund-Nasen-Schutz überreichen, den sie/er anlegen soll. MFA/Ärztin/Arzt: FFP2-Maske, Schutzkittel, Handschuhe (ggf. Schutzbrille)! 
  • Leicht kranke Patienten ohne Testung sollten heimgeschickt werden. 
  • Patienten, die in der Praxis versorgt werden müssen, sollten in einen eigenen Praxisraum geführt werden. 
  • Falls Selbsttestung möglich: Patienten Selbsttest-Kit überreichen, sonst in voller Schutzausrüstung Rachen- und Nasenabstrich durchführen. 
  • Handlungsempfehlung zur häuslichen Isolierung übergeben – Quarantäne bis zum Befundeingang 
  • Für alle Maßnahmen gilt: Schutz von Risikogruppen und Praxismitarbeitern hat vorrangig .
  • Es sollten möglichst wenige Infekt-Patienten direkt in der Praxis behandelt werden, vor allem wenn Schutzkleidung fehlt.
  • Für Infekt-Patienten, die Sie dennoch persönlich untersuchen möchten, sollte eine Infektsprechstunde eingerichtet werden. 
  • Behandlung von Kindern (potentielle Vektoren): idealerweise in einer eigenen Sprechstunde. 
  • Unnötige persönliche Patientenkontakte sollten vermieden werden. Hausbesuche sollten nur dann gemacht werden, wenn sie wirklich notwendig sind. Dies gilt auch für Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen (ausschließlich mit Maske und Handschuhen).
  • Einreisende Personen bzw. Reiserückkehrer ohne Beschwerden aus einem Risikogebiet sollen sich bei ihrem zuständigen Gesundheitsamt melden und eine Testindikation abklären. Eine vorläufige Heimquarantäne ist angezeigt.
  • Medizinisches Personal, das mit einem Verdachtsfall in Kontakt gekommen ist, gilt bei Einhaltung der üblichen Hygienestandards nicht als „enge“ Kontaktperson und muss weder unter Quarantäne, noch getestet werden. 

Empfehlungen zur häuslichen Isolierung

Die DEGAM hat auch Handlungsempfehlungen zur häuslichen Isolierung von Covid-19-Patienten mit leichtem Krankheitsbild oder Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 erstellt. Hier eine Auswahl:

  • Patienten sollten in gut durchlüfteten Einzelzimmern untergebracht werden.
  • Gemeinschaftlich genutzte Räume sollten die Patienten nicht betreten. 
  • Es sollte keine weitere Person im Zimmer eines Patienten schlafen.
  • Am besten sollte nur eine einzige Kontaktperson die Pflege übernehmen. Diese Person sollte in einem guten Gesundheitszustand sein.
  • Solange Krankheitssymptome und/oder Ansteckungsgefahr bestehen, sollte der Patient keine Besucher empfangen.
  • Falls erhältlich sollten Handdesinfektionsmittel mit viruzider Wirkung gut erreichbar am Ausgang des Patientenzimmers aufgestellt werden.
  • Alle Haushaltsmitglieder sollten besonders sorgfältig auf Hygiene achten: Händewaschen nach jeder Verunreinigung, vor und nach der Essenzubereitung, nach Mahlzeiten, nach Toilettengang. Beim Einkaufen und anderen Erledigungen Handschuhe tragen und Türen/Türklinken möglichst mit dem Ellbogen öffnen.
  • Nach dem Händewaschen sollten die Hände möglichst mit Papier- oder Einmalhandtüchern abgetrocknet werden. 
  • Patienten sollten möglichst dauerhaft eine Atemschutzmaske tragen, die Mund und Nase abdeckt.
  • Im Patientenzimmer sollten Pflegepersonen eine Atemschutzmaske tragen, zusätzlich Einmal-Handschuhe.
  • Falls der Haushalt zwei Toiletten hat, sollte eine davon nur vom Patienten benutzt werden.
  • Oberflächen im Patientenzimmer sollten regelmäßig gereinigt werden, Bad und Toilettenoberflächen mindestens einmal täglich.
  • Kleidung, Bettwäsche und Handtücher eines Patienten sollten mit normalen Waschmitteln bei 60-90°C gewaschen werden. Verunreinigte Wäsche sollte in einem Wäschebeutel gesammelt und so wenig wie möglich berührt werden.

Vorläufige Therapie-Empfehlungen

Von belgischen Ärzten liegen vorläufige Empfehlungen zur Therapie vor.

  • Danach sei bei Patienten mit Verdacht auf Covid-19, milden bis moderaten Symptomen (ohne Dyspnoe) und ohne Zugehörigkeit zu einer Risiko-Gruppe eine rein symptomatische Therapie indiziert, aber keine antivirale Therapie.
  • Bei Verdacht auf Covid-19, milden bis moderaten Symptomen (ohne Dyspnoe) und Zugehörigkeit zu einer Risiko-Gruppe oder bei Verdacht plus Alarm-Zeichen (Atemnot) sollte eine individuelle Fall-Diskussion geführt werden, wenn möglich mit einem Spezialisten für Infektionskrankheiten. 
  • Bei bestätigter Infektion, leichter bis moderater Symptomatik (kein Sauerstoff-Bedarf, keine Belege für eine Pneumonie) und bei Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe: symptomatische Therapie. Darüber hinaus kann erwogen werden, eine Therapie mit Hydroxychloroquin zu beginnen (falls nicht verfügbar: Chloroquin).