COVID-19: ein pessimistischer SPD-Politiker und Unerfreuliches zu Impfstoffen


  • Dr. med. Thomas Kron
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Kernbotschaften

Karl Lauterbach fordert stärkere Restriktionen. Die Hoffnungen auf einen Impfstoff wachsen. Doch sollte etwa eine Vakzine in den USA bald eine Notfall-Genehmigung erhalten, könnte dies einige negative Folgen für die Entwicklung anderer Impfstoffe haben. Eine Gruppe von Wissenschaftlern befürchtet, dass Corona-Impfstoffe mit einem bestimmten Adenovirus als Vektor die Infektion mit dem HI-Virus fördern könnten. 

Laut Lauterbach sollte nachjustiert werden

Der SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach hält Agenturmeldungen zufolge einen Lockdown in wenigen Wochen für wahrscheinlich und fordert stärkerer Einschränkungen, um die Pandemie einzudämmen. „Die Einschränkungen, die jetzt beschlossen wurden, reichen leider nicht aus, um überfüllte Intensivstationen und einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen im Dezember zu verhindern.“ Da müsste nachjustiert werden, so Lauterbach in der „Bild am Sonntag“. Ohne eine entschlossenere Beschränkung persönlicher Kontakte sei ein zweiter Lockdown nicht zu vermeiden, warnt Lauterbach. Um einen Lockdown abzuwenden, sollten Schulklassen verkleinert bzw. geteilt werden und das Arbeiten im Home office ausgeweitet werden. Lauterbach: „Wenn es uns in den kommenden zwei bis drei Wochen nicht gelingt, die persönlichen Kontakte zu beschränken, werden die Zahlen in wenigen Wochen so stark gestiegen sein, dass uns nur noch ein erneuter Lockdown bleibt".

Mögliche ethische Probleme

Mit der in vielen Ländern einschließlich Deutschland steigenden Zahl der Neuinfektionen wächst die Hoffnung auf einen wirksamen und sicheren Impfstoff. Bald könnten tatsächlich mehrere Impfstoffe zugelassen werden. Die erste Erfolg versprechende Vakzine komme wohl aus Deutschland, meldet unter anderen der „Spiegel“

So erfreulich die Zulassung eines ersten Impfstoffes wäre: Dies könnte einige negative Folgen für die Entwicklung weiterer Impfstoffe gegen das neue Corona-Virus haben. Diskutiert wurden solche möglichen Effekte kürzlich von den Wissenschaftlern eines Beratungsgremiums der FDA (VRBPAC: Vaccines and Related Biological Products Advisory Committee). So könnte der FDA für eine Notfall-Genehmigung eine Impfstoff-Effektivität von 50 Prozent reichen, heißt es in einem „Science“-Beitrag

Das könnte zu einem ethischen Konflikt führen: Wäre es in einem solchen Fall ethisch vertretbar, den Probanden der Placebo-Gruppe in der zugrundeliegenden Studie weiterhin das Scheinmedikament zu geben. Oder müssten sie nicht aus ethischen Gründen auch die Verum-Vakzine erhalten?

Eine weitere mögliche Frage, sollte ein Impfstoff eine Notfall-Genehmigung erhalten: Wäre es ethisch vertretbar, in einem solchen Fall den Probanden der Studien mit anderen Impfstoffen noch ein Placebo als Kontroll-Substanz zu geben oder müsste der noch experimentelle Impfstoff nicht gegen die Vakzine getestet werden, die bereits eine Genehmigung erhalten hat? 

Erhöhtes HIV-Risiko durch einen bestimmtes Adenovirus

Bestimmte COVID-19-Impfstoff-Kandidaten könnten die Anfälligkeit für HIV erhöhen, warnt eine Gruppe von Forschern im Fachmagazin „The Lancet". Hintergrund ihrer Warnung ist ihre 2007 gemachte Erfahrung mit experimentellen HIV-Impfstoff in einer Studie. Als Vektor verwendet hatten die Wissenschaftler in dieser Studie ein gentechnisch verändertes Adenovirus (Ad5). Ergebnis der Studie (STEP) war, dass Männer, die vor Erhalt des Impfstoffs auf natürliche Weise mit Ad5 infiziert worden waren, besonders anfällig für das AIDS-Virus wurden. Eine zweite Studie (Phambili) mit diesem Impfstoff bestätigte zudem die Ergebnisse. Der Mechanismus dieses Effekts blieb allerdings unklar. 

Bei vier COVID-19-Impfstoff-Kandidaten, die derzeit in mehreren Ländern, einschließlich den USA, in klinischen Studien sind, wird ebenfalls Ad5 als „Vektor“ verwendet. Bei mehreren Impfstoffen, die bereits weit entwickelt sind, werden allerdings andere Adenoviren verwendet, für die es keine Hinweise oder Belege gibt, dass die das Risiko für eine HIV-Infektion erhöhen könnten. Dazu zählen etwa die Impfstoffe von Johnson&Johnson und AstraZeneca/ Universität Oxford.