COVID-19: Ein neuer Rekord, die zweite Welle und etwas Beruhigendes zur Impfstoff-Versorgung


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften 

Die weltweite Zahl an Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 hat in den vergangenen Tagen laut WHO eine neue Rekordmarke erreicht. Besonders betroffen von COVID-19 sind alte Menschen in Pflegeheimen. Auch in Deutschland gab es Ende vergangener Woche wieder relativ viele Neuinfektionen, so dass teilweise schon vom Beginn der zweiten Welle gesprochen wurde.  Die Bundesregierung befürchtet keine Engpässe in Deutschland, wenn es einen Impfstoff gegen das neue Corona-Virus gibt. Allerdings wird wahrscheinlich noch mindestens ein Jahr vergehen, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht.

Besonders hohe Sterberaten in Altenheimen

Noch nie seit Beginn der COVID-19-Pandemie hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) innerhalb von 24 Stunden so viele Neuinfektionen gemeldet wie am Freitag und am Samstag. Bis Freitagabend waren es 284 196 Fälle, bis Samstagabend 284 083. Die meisten Neuinfektionen gab es bis Samstagabend in den USA mit rund 72 000 neuen Fällen und in Brasilien mit fast 60 000. Überproportional betroffen von der COVID-19-Pandemie sind alte Menschen, vor allem Menschen in Pflegeeinrichtungen. In vielen Ländern gibt es laut WHO Hinweise darauf, dass mehr als 40% der COVID-19-Todesfälle in einem Zusammenhang mit Langzeitpflegeeinrichtungen gestanden hätten, in einigen wohlhabenden Ländern sogar 80 Prozent.

Für Deutschland meldete das Robert-Koch-Institut gestern 305 neue Fälle. Damit waren seit Beginn der Corona-Krise mindestens 205.269 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus infiziert (Stand 26.7. 0.00 Uhr). Die Zahl der Neuinfektionen lag damit wieder unter dem Niveau von Freitag und Samstag mit je mehr als 800 bzw. 700 Neuinfektionen. In Deutschland starben laut RKI bislang 9118 mit dem Virus infizierte Menschen – seit dem Vortag kamen jedoch keine neuen Todesfälle hinzu. Bis Sonntagmorgen hatten 190.000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Alle Zahlen, die derzeit zum Corona-Virus, der Zahl der Infizierten oder Genesenen veröffentlicht werden, sind allerdings relativ unsicher, da die Dunkelziffer an Infektionen mit SARS-CoV-2 vermutlich sehr hoch ist und nicht alle infizierten Personen gleich getestet werden. 

Die zweite Welle: Kommt sie noch oder ist die schon da?

Aufgrund der letzte Wochen deutschlandweit wieder steigenden Corona-Infektionszahlen warnte der Infektiologe Christoph Spinner vom Klinikum rechts der Isar in München, dass eine „zweite Welle" bereits begonnen haben könnte. Angesichts sich verdoppelnder Fallzahlen in den letzten Tagen blicke er „mit großer Sorge" auf das Infektionsgeschehen, sagte er in der „Rundschau" des BR Fernsehens. „Das Problem: Es handelt sich nicht um einzelne größere Ausbrüche, wie zuletzt in fleischverarbeitenden Betrieben, sondern wir sehen jetzt viel schwerer nachvollziehbare Infektionsketten", so Spinner im BR. Prognosen seien bislang davon ausgegangenen, dass sich eine „zweite Welle" möglicherweise im September ausbreiten könne, dies sei jedoch nicht genau vorherzusagen. Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer zeigte sich besorgt. Der CDU-Politiker sagte der „Rheinischen Post": „Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten." Die allseits befürchtete zweite Infektionswelle finde bereits jeden Tag statt, so Kretschmar. Der Karl Lauterbach warnte zudem davor, dass eine zweite Corona-Welle nur schwer eingedämmt werden könnte. „Neuinfektionen werden in ganz Deutschland gleichmäßig verteilt sein", so der SPD-Politiker auf „Twitter“.

Beruhigende Worte gibt es zum Thema Impfstoff-Versorgung in Deutschland. Die Bundesregierung befürchtet keine Engpässe in Deutschland, wenn ein Impfstoff gegen SAARS-CoV-2 entwickelt und bereitgestellt wird. „Wir sind dabei, die Produktionskapazitäten in Deutschland zu erhöhen", sagte Forschungsministerin Anja Karliczek der „Bild am Sonntag". „Wenn ein Impfstoff gefunden ist, wird jeder Deutsche, der es will, auch geimpft werden können. Das müssen wir schaffen und das werden wir schaffen.“ Allerdings werde „ein zugelassener Impfstoff, der für die breite Masse der Bevölkerung geeignet ist, wird wahrscheinlich frühestens Mitte nächsten Jahres zur Verfügung stehen", sagte sie und betonte: „Bei der Entwicklung eines Impfstoffes kann es immer Rückschläge geben.“ 

Nur zur Erinnerung: HIV ist seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Und trotz intensiver Forschung steht bislang kein Impfstoff zur Verfügung.