COVID 19- ein kleines Nachrichten-Potpourri


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Kernbotschaften

In nur wenigen Wochen haben Wissenschaftler weltweit eine Fülle von Erkenntnisse zum neuen Corona-Virus gewonnen. Doch viele Fragen sind noch offen. Nur eine von vielen Frage ist die, wie viele Menschen sich tatsächlich mit dem Virus infiziert haben und inzwischen möglicherweise immun sind. Mehrere Studien sollen dies nun klären.  Weitere viel diskutierte Fragen der letzten Tage waren, ob herkömmliche Gesichtsmasken sinnvoll sind und ob RAAS-Hemmer die Infektion fördern und die Prognose verschlechtern. 

Mehrere Antikörper-Studien

Um herauszufinden, wie viele Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert wurden, plant die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine koordinierte Studie, um Blutproben auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen das Virus zu testen. Das Programm mit dem Namen Solidarity II, an dem mehr als ein halbes Dutzend Länder auf der ganzen Welt beteiligt sein werden, wird in den kommenden Tagen gestartet, sagt Maria Van Kerkhove von der WHO.

Die Kenntnis der tatsächlichen Zahl von Fällen - einschließlich milder Fälle - hilft dabei, die Prävalenz und Mortalitätsrate von COVID-19 in verschiedenen Altersgruppen zu bestimmen. Erste Ergebnisse von Solidarity II könnten innerhalb weniger Monate vorliegen. Vor wenigen Tagen haben Forscher der Universität Bonn eine Antikörperstudie mit 1000 Menschen in Heinsberg gestartet. Erste Ergebnisse könnten bereits in wenigen Tagen Woche bekannt gegeben werden. Solche Antikörper-Tests haben auch Wissenschaftler unter der Leitung von Michael Hölscher, Direktor des Tropeninstituts der Uniklinik München, angekündigt. Sie wollen dort Menschen in 3000 Haushalten auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 testen. Auch hier sollen erste Resultate zeitnah vorliegen.

Maskieren oder nicht-maskieren?

Eine viel diskutierte Frage der letzten Tage war die, ob es sinnvoll ist, in der Öffentlichkeit herkömmliche OP-Masken oder auch selbstgemachte Gesichtsmasken zu tragen, um sich und andere zu schützen. Autoren eines Beitrags im Fachmagazin „Lancet Respiratory Disease“ plädieren dafür, dass mehr Menschen Schutzmasken  tragen als etwa in Großbritannien oder auch Deutschland bislang üblich. Die Tatsache, dass es noch nicht genügend Evidenz für einen großen Nutzen gebe, sei kein Beweis dafür, dass eine solche Schutzmaßnahme sinnlos sei. Eine weitere aktuelle Studie, publiziert in „Nature Medicine“ stützt das Plädoyer der britischen Wissenschaftler. Herkömmliche OP-Masken könnten die Verbreitung virushaltiger Tröpfchen reduzieren, so die Autoren.

Für das Tragen solcher Masken tritt inzwischen auch das Robert Koch-Institut ein. Solche Masken schützten zwar nicht vor einer Infektion, könnten aber möglicherweise dazu beitragen, dass ein bereits infizierte Person (auch asymptomatisch) andere Personen ansteckt. Bei den selbstgemachten Stoffmasken ist allerdings zu bedenken, das sie relativ grobmaschig und für virushaltige Tröpfchen wahrscheinlich durchlässig sind, wie eine 2019 publizierte Studie gezeigt hat. 

Wo sich das Virus vermehrt

Für solche Schutzmaßnahmen sprechen indirekt auch die Ergebnisse der Untersuchungen, die Forscher der Charité, der München Klinik Schwabing und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr bei der ersten Gruppe von COVID-19-Patienten in Deutschland gemacht haben. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht. Eine wichtige Erkenntnis ist die, „dass sich das neue Coronavirus nicht erst in der Lunge, sondern bereits im Rachen vermehren kann und damit sehr leicht übertragbar ist“, so der Berliner Virologe und leitende Studienautor Professor Christian Drosten. Außerdem lassen die Befunde schlussfolgern, dass  COVID-19-Erkrankte bereits sehr früh infektiös sind, „möglicherweise sogar bevor sie überhaupt bemerken, dass sie krank sind“, erläuterte Privatdozent Dr. Roman Wölfel, Direktor des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr und einer der Erstautoren der Studie. Auf Basis ihrer Befunde lassen sich den Wissenschaftlern zufolge Kriterien erarbeiten, nach denen COVID-19-Patienten bei begrenzten Bettenkapazitäten frühestens aus dem Krankenhaus entlassen werden könnten.

„Die bei uns betreuten Patientinnen und Patienten waren jüngeren bis mittleren Alters. Sie zeigten insgesamt eher milde Symptome und grippeähnliche Symptome wie Husten und Fieber sowie ein gestörtes Geruchs- und Geschmacksempfinden“, berichtete der zweite leitende Autor der Publikation Professor Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing.

In den meisten Fällen nahm die Viruslast im Rachen über die erste Krankheitswoche deutlich ab. Die Virusausscheidung in der Lunge fiel ebenfalls, jedoch später als im Rachen. Ab Tag 8 nach Symptombeginn gelang es den Wissenschaftlern nicht mehr, infektiöse Viruspartikel zu isolieren – obwohl weiterhin noch Virus-Erbgut im Rachen und in der Lunge nachzuweisen war. Dabei zeigte sich: Enthielten die Proben weniger als 100.000 Kopien des Virus-Erbguts, ließen sich keine infektiösen Viren mehr nachweisen. Das lässt zweierlei Schlussfolgerungen zu: „Die hohe Viruslast im Rachen gleich zu Beginn der Symptome deutet darauf hin, dass COVID-19-Erkrankte bereits sehr früh infektiös sind, möglicherweise sogar bevor sie überhaupt bemerken, dass sie krank sind“, erklärt Roman Wölfel. „Gleichzeitig scheint die Infektiosität der COVID-19-Patienten von der Viruslast im Rachen bzw. der Lunge abzuhängen. Das ist ein wichtiger Faktor für die Entscheidung, wann ein Patient bei knappen Bettenkapazitäten und entsprechendem Zeitdruck frühestens aus dem Krankenhaus entlassen werden kann.“ Auf Basis dieser Daten schlugen die Autoren der Studie vor, dass COVID-19-Patienten in die häusliche Quarantäne entlassen werden können, wenn sich nach dem 10. Tag der Erkrankung weniger als 100.000 Kopien des Viren-Erbguts im Husten-Auswurf nachweisen lassen. 

Spekulationen zu RAAS-Hemmern

Seit einigen Wochen wird auch über die Frage diskutiert, ob ACE-Hemmer und Sartane eine Infektion mit dem neuen Coronavirus fördern und den klinischen Verlauf bei Patienten mit COVID-19 verschlechtern können. Mehrere Fachgesellschaften haben darauf hingewiesen, dass es sich dabei überwiegend um Spekulationen handelt und die Therapie mit ACE-Hemmern und Sartanen nicht beendet werden sollte. Ein Team von US-Wissenschaftlern warnt nun in einem umfangreichen Beitrag zu RAAS-Blockern bei COVID-19 nicht nur davor, diese Medikamente einfach abzusetzen oder  durch andere Wirkstoffe zu ersetzen. Wie das Team um den Kardiologen Professor Dr. Muthiah Vaduganathan (Brigham and Women's Hospital in Boston) im „New England Journal of Medicine“ berichten, haben RAAS-Hemmer bei COVID-19-Kranke vielleicht sogar positive Effekte auf die Lungenerkrankung. 

Auch die Autoren einer weiteren Übersichtsarbeit, die im Fachmagazin „Hypertension“ erschienen ist, betonen, dass es nicht nur keinen Grund gibt, eine Therapie mit ACE-Hemmern oder Sartanen wegen COVID-19 zu beenden. Es gebe keine Daten, weder aus Tierversuchen noch Studien mit Menschen, dass RAAS-Hemmer das Eindringen des neuen Coronavirus in Zellen erleichterten, indem sie die ACE2-Expression erhöhten. Es gebe hingegen Hinweise auf mögliche positive pulmonale Effekte erhöhter ACE2-Spiegel und einer RAAS-Blockade bei COVID-19-Patienten, so die niederländischen Autoren.