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COVID-19: Die Kontaktsperren in Deutschland wirken

  • Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten

Kernbotschaften 

Die tiefgreifenden Einschränkungen im alltäglichen Leben wegen der Epidemie zeigen offenbar die erhoffte Wirkung. Die täglichen Fallzahlen in Deutschland gäben Grund zum Optimismus, so Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen.  Einer Modellrechnung der Forscher zufolge ist das auf die Kontaktsperre zurückzuführen, die seit dem 22. März gilt. Die Simulation zeige auch: Um die Corona-Epidemie in den Griff zu bekommen, müssen wir soziale Kontakte noch etwa zwei Wochen auf ein Minimum beschränken.

Anstieg der Infektionsfälle gebremst

Es sei eine ermutigende Entwicklung, aber keine Entwarnung, so das Institut. Die Zahl der Corona-Infektionen wachse in Deutschland seit dem vergangenen Wochenende deutlich langsamer. „Wir sehen eine klare Wirkung der Kontaktsperre vom 22. März, und natürlich den Beitrag von jeder einzelnen Person“, sagt Viola Priesemann, die am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation eine Forschungsgruppe leitet.

Zahl der Neuerkrankungen soll weiter sinken

Das Team simuliert seit Mitte März gemeinsam mit Wissenschaftlern des Göttingen Campus den Verlauf der Corona-Epidemie in Deutschland. Die Modellrechnungen ermöglichen es nicht nur, die Effekte der Beschränkungen im öffentlichen Leben vom 8., 16. und 22. März abzuschätzen. Dem Modell zufolge bewirken die jetzt geltenden Maßnahmen, dass die Zahl an COVID-19-Neuerkrankungen in den kommenden zwei Wochen weiter sinken werde. In der Folge würde sich die Zunahme bestätigter Infektionen zusehends abschwächen, sodass die schwer an COVID-19-Erkrankten in Deutschland weiterhin bestmöglich versorgt werden können. 

Dennoch notwendig: nicht locker zu lassen

Die effektive Ausbreitungsrate entspricht der täglichen Wachstumsrate an neu infizierten Personen. Sie bestimmt, wie hoch die Fallzahlen ein bis zwei Wochen später liegen werden, nachdem die Testergebnisse der Erkrankten vorliegen. Das Modell des Göttinger Teams bezieht auch ein, dass genesene Personen immun wurden und nicht mehr zur Ausbreitung der Infektion beitragen. „Auch durch die Beschränkungen um den 8. März, die etwa Fußballspiele ohne Fans nach sich zogen, sowie die zusätzlichen Maßnahmen um den 16. März wie etwa die Schließung von Schulen, Kindergärten und von vielen Geschäften nahm die effektive Ausbreitungsrate bereits deutlich ab“, sagt Michael Wilczek, Co-Autor der Studie. „Aber sie sank noch nicht auf oder unter Null, sodass die gefürchtete exponentielle Ausbreitung des Corona-Virus damit noch nicht gebrochen wurde.“

 

Um in wenigen Wochen Lockerungen der Kontaktsperre zu ermöglichen, muss das Leben in Deutschland allerdings vorerst weiter auf Notbetrieb laufen. Denn auch aus der Göttinger Modellrechnung lässt sich ableiten: „Wenn jetzt die Beschränkungen aufgehoben werden, sind wir wieder ganz am Anfang“,  so Viola Priesemann.