COVID-19: Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene legt Exit-Strategie vor


  • Andrea Hertlein
  • Aktuelles im Fokus
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) hat am Dienstag in einer Online-Pressekonferenz eine Vier-Phasen-Strategie zum Ausstieg aus den „Corona-Beschränkungen“ vorgelegt. Eine kontrollierte Deeskalation der Maßnahmen zur Kontrolle der COVID-19-Pandemie soll helfen, zur medizinischen Normalität zurückzukehren.

Phase 1: Gesellschaftliche Quarantänisierung

Laut der DGKH befinden wir uns aktuell in der Phase der „gesellschaftlichen Quarantänisierung“ mit dem Ziel, die Pandemie einzudämmen und zu verlangsamen. Entscheidend sei es, die Zeit zu nutzen, durch Maßnahmen wie etwa den Verzicht auf elektive Eingriffe, Versorgungskapazitäten kritischer Infrastrukturen (u.a. Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, ambulante Versorgung Alten- und Pflegeheime) sicherzustellen sowie Infektionsketten durch Abstandswahrung, das Tragen von Mund-Nasenschutz und „Contact-Tracing“ zu unterbrechen.

Kriterien für den Übergang in Phase 2

Erst wenn die Ziele der Phase 1 erreicht seien, solle darüber nachgedacht werden, Maßnahmen zurückzufahren und in die Phase 2 überzugehen, erläuterte DGKH-Präsident Martin Exner. Um den Erfolg der derzeit geltenden Eindämmungsmaßnahmen zu bestimmen, reiche es allerdings nicht aus, nur die Fallzahlen zu messen. Vielmehr müsse der Erfolg am Rückgang der Zahl der Sterbefälle, der Intensivaufnahmen und der beatmungspflichtigen schweren Verläufe gemessen werden. Als zusätzliches Kriterium könne laut Exner auch das Ausmaß der „natürlichen Immunität“ in der Bevölkerung einbezogen werden.

Phase 2: Beginnende Rücknahme der Quarantänisierung

Möglich sind in dieser Phase die schrittweise Wiedereröffnung von Schulen, Kitas, Universitäten und anderen Einrichtungen des öffentlichen Lebens unter fortbestehender strikter Wahrung von Kontaktvermeidung (1,5 Meter-Regel) und Basisregeln der Hygiene, heiß es im Strategiepapier der DGKH. Gleichzeitig müsse ein besonderes Augenmerk auf vulnerable Gruppen wie ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen gelegt werden. Laut Peter Walger, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit bei der DGKH zufolge spreche nichts dagegen, eine „Pandemiestrategie mit zwei Geschwindigkeiten“ zu fahren, indem die Maßnahmen in vulnerablen Bereichen, wie in Alten- und Pflegeheimen oder im ambulanter Pflegedienst verschärft und in weniger gefährdeten Bevölkerungsgruppen entspannt würden.

Phase 3: Aufhebung der Quarantänisierung unter Beibehaltung der hygienischen Rahmenbedingungen

Ziel dieser Phase ist es, die Quarantänisierung für zusätzliche Bereiche des öffentlichen Lebens zu ermöglichen, vorausgesetzt die Hygiene-Maßnahmen werden beibehalten. Hierzu zählen u.a. Kongresse und Versammlung größerer Gruppen. Wichtig für Phase 3 seien Daten über den Immunitätsstatus der Bevölkerung, betonte Peter Walger, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit bei der DGKH.

Phase 4: Kontrolliertes Ende der Pandemie

Es sei laut DGKH zu hoffen, dass die Phase 3 durch zur Verfügung stehende Therapeutika und insbesondere durch einen Impfstoff kontrolliert in die Phase 4 übergehen könne, in der das Ende der Pandemie deklariert werden könne.

Wie sich die Covid-19-Infektionen jedoch weiter entwickeln wird, ob es wie bei den Influenza-Pandemien einen Übergang in regelmäßige saisonale Epidemien geben wird, ist aktuell jedoch nicht einzuschätzen. Hier seien umfassende Analysen der bisherigen Dynamik der Pandemie erforderlich, die auf einer Auswertung der Daten der tatsächlichen Gesamtzahl aller Infektionen und ihrer Verbreitung in den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen basieren, heißt es im Strategiepapier.