COVID-19: Blutspenden, Datenspenden und Empfehlungen zum Diabetes-Management


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
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Kernbotschaften

Eine Übertragung des neuen Corona-Virus durch Blut von infizierten, jedoch asymptomatischen Personen ist nicht zu erwarten. Mit einer App will das Robert-Koch-Institut Erkenntnisse zur Verbreitung von SARS-CoV-2 gewinnen. Diabetologen haben praktische Empfehlungen zum Vorgehen bei Diabetes-Patienten mit Infektion durch das neue Corona-Virus veröffentlicht.

Kein Virus-Nachweis im Blut asymptomatischer Patienten 

Das Paul-Ehrlich-Institut hat im Verbund mit drei Instituten für Virologie die Labordaten von SARS-CoV-2-Infizierten ausgewertet. Im Blut asymptomatischer Patienten wie auch bei Patienten mit weniger ausgeprägten Symptomen konnte kein Erbgut des Virus nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse zeigen, dass eine Übertragung von SARS-CoV-2 durch die Blutspenden von SARS-CoV-2-Infizierten ohne Symptome nicht zu erwarten ist. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind bereits online auf dem Preprint-Server medRxIV abrufbar und werden nach Angaben des Instituts zu einem späteren Zeitpunkt in der Zeitschrift „Transfusion" veröffentlicht.

„Unsere Ergebnisse stimmen mit den Befunden anderer Forschungsgruppen überein, die darauf hinweisen, dass der Virusnachweis im Blut von SARS-CoV-2-infizierten Personen mit einem schweren Krankheitsverlauf assoziiert ist. Solche Personen sind von der Blutspende ausgeschlossen. Aufgrund der jeweils geringen untersuchten Fallzahlen ist es zwar wichtig, weitere Proben zu untersuchen. Dennoch spricht die aktuelle Datenlage dafür, dass keine weiteren risikominimierenden Maßnahmen in Bezug auf die SARS-CoV-2-Pandemie und das Blutspendewesen erforderlich sind", sagt Professor Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. 

Aufgrund der Erfahrungen mit anderen Coronavirus-Infektionen (SARS- und MERS-CoV) und weiteren Viren, die zu Atemwegsinfektionen führen, wird aktuell die Gefahr einer transfusionsbedingten Übertragung des SARS-CoV-2 als gering eingeschätzt. 

App „Corona-Datenspende“ vorgestellt

Das Robert Koch-Institut stellt ab sofort eine App zur Verfügung, die ergänzende Informationen dazu liefern soll, wo und wie schnell sich das Corona-Virus (SARS-CoV-2) in Deutschland ausbreitet. Die App ist unter dem Namen „Corona-Datenspende“ für iOS und Android-Geräte verfügbar. Sie funktioniert in Kombination mit Fitnessarmbändern und Smartwatches verschiedener Hersteller. Die Nutzung der App ist freiwillig und pseudonymisiert – das RKI habe zu keiner Zeit Kenntnis über persönliche Informationen wie Name oder Anschrift der App-Nutzer, teilt das Berliner Institut mit.

Die von den Nutzern der Corona-Datenspende-App freiwillig zur Verfügung gestellten Daten soll den Wissenschaftlern des Robert Koch-Instituts genauere Einblicke in die Verbreitung des Corona-Virus ermöglichen. Die App diene nicht der Nachverfolgung von Kontaktpersonen, sondern könne – ergänzend zu weiteren Datenquellen, z.B. den offiziellen Meldedaten – dabei helfen, Infektionsschwerpunkte besser zu erkennen und dazu beitragen, ein genaueres Bild über die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 zu gewinnen.

Handlungsempfehlungen für Diabetes-Patienten mit COVID-19

Zu den häufigsten Begleiterkrankungen bei COVID-19 zählen ein Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die Betroffenen besteht im Falle einer Virusinfektion ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit akutem Lungen- oder Multiorganversagen. Aufgrund der hohen Infektionsrate bei Diabetes-Patienten stellt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Ärzten praktische Empfehlungen zum Diabetes-Management bei COVID-19 zur Verfügung. 

„Grundvoraussetzungen für Diabetes-Patienten sind zunächst eine gute Blutzuckereinstellung, eine Überwachung möglicher Anzeichen für eine Ketoazidose oder Laktatazidose sowie des Blutdrucks“, bilanziert DDG-Präsidentin Professor Dr. med. Monika Kellerer die Handlungsempfehlungen. 

Idealerweise sollte der Blutglukosewert von infizierten Diabetes-Patienten zwischen 70 und 180 mg/dl oder 3,9 und 10 mmol/dl und der HbA1c unter 7,5 liegen. Bei intensivmedizinisch betreuten Patienten sei ein Blutzuckerwert zwischen 140 und 180 mg/dl anzustreben. Der Blutdruck sollte sowohl bei milden sowie schweren Verläufen 135/85 mmHg möglichst nicht übersteigen.

  • Patienten mit Diabetes mellitus und blandem Verlauf von COVID-19, die nicht stationär therapiert werden müssen, sollten dem Positionspapier zufolge in telefonischem Kontakt mit der diabetologischen Schwerpunktpraxis bzw. ambulanten spezialisierten Versorgungseinrichtung stehen, insbesondere bei Insulintherapie oder mit potentiell problematischer OAD Therapie. 
  • Frauen mit einem Gestationsdiabetes, Menschen mit Typ 1-Diabetes und Patienten mit Komorbiditäten und COVID-19-Erkrankung sollten telefonisch oder telemedizinisch engmaschig kontrolliert und begleitet werden.
  • Patienten mit vorbestehendem Diabetes mellitus sollten zur Primärprävention für jegliche Infektion einschließlich SARS-CoV-2 ihre metabolische Kontrolle optimieren.
  • Infizierte Patienten ohne vorbekannten Diabetes mellitus sollten durch Glukosemonitoring oder HbA1c-Bestimmung bezüglich einer Neumanifestation getestet werden.
  • Bei Diabetes und schweren Verläufen von COVID-19 wird initial und passager vielfach Insulin zum Einsatz kommen, da hier am wenigsten Komplikationen (etwa Laktatazidose, Ketoazidose) und Medikamenten-Interaktionen (u.a. auch mit experimenteller antiviraler Therapie wie Hydroxychloroquin, Lopinavir/Ritonavir, Remdesivir etc.) zu erwarten sind. 
  • Andere antidiabetische Therapie-Optionen sollten kritisch hinsichtlich sog. „Sick Day Rules“ überprüft und angepasst werden. Dies gilt insbesondere für SGLT2-Hemmer zur Vermeidung einer atypischen Ketoazidose und für Metformin hinsichtlich einer Laktatazidose. Sulfonylharnstoffe sollten wegen der Gefahr von Hypoglykämien bei Kumulation aufgrund einer (transienten) Niereninsuffizienz ebenfalls pausiert werden.

Insbesondere beim (experimentellen) Einsatz von antiviraler Begleitmedikation (Hydroxychloroquin, Lopinavir/Ritonavir, Remdesivir, Tocilizumab) sollten Medikamenten-Interaktionen mit antidiabetischen Substanzen berücksichtigt werden, betont die Fachgesellschaft. Die DDG empfiehlt hier auch, sich über die COVID-19-Druginteraction-Plattform der Universität von Liverpool zu informieren.