COVID-19: Blitzanalyse der Risikofaktoren bei 17 Millionen Engländern vorgelegt

  • Nature

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Zugriff auf die Krankenakten von 40 % der englischen Bevölkerung und deren pseudonymisierte Auswertung durch ein Online-Analysewerkzeug hat es erlaubt, zahlreiche Risikofaktoren für den Tod durch COVID-19 zu erfassen bzw. zu bestätigen.

Hintergrund

Die Identifikation von Risikogruppen ist während der COVID-19-Pandemie von besonderer Dringlichkeit. In England wurde dies durch die Schaffung einer sicheren Analyseplattform im Auftrag des Nationalen Gesundheitssystem (NHS) ermöglicht.

Design

OpenSAFELY ist eine, angesichts der COVID-19-Krise geschaffene, sichere Onlineplattform zur Analyse der Gesundheitsdaten von 40 % aller Patienten in England. Statt Stichproben historischer Daten aufzuarbeiten wurde das System so konzipiert, dass es in Realzeit auf die – pseudonymisierten - Daten eines der größten Anbieters elektronischer Krankenakten zugreift.

Ergebnisse

  • Eingeschlossen wurden 17.278.392 Erwachsene, darunter 11 % nicht-weißer Ethnien. 10.926 Personen in diesem Register waren im Zusammenhang mit COVID-19 gestorben.
  • Die kumulative Inzidenz der Mortalität 90 Tage nach Studienbeginn betrug
  • Männer hatten ein höheres Risiko als Frauen (HR 1,59; 95%-KI 1,53 – 1,65)
  • Die Studie fand außerdem ein erhöhtes Risiko bei Dialysepflicht (HR 3,69), BMI > 40 (HR 1,92), nicht kontrolliertem Diabetes, schwerem Asthma, Atemwegserkrankungen, Herzerkrankungen, Leberschäden, Schlaganfall, Demenz und anderen neurologischen Erkrankungen, u.v.a. Entitäten.
  • Überraschend fand sich für aktuell Rauchende fand sich ein niedrigeres Risiko (0,89), was auch bereits bei Studien in China aufgefallen war. Außerdem bestand eine inverse Assoziation zwischen Bluthochdruck und Mortalität bei Älteren.
  • Alle Nicht-Weißen hatten gegenüber Weißen ein erhöhtes Risiko (HR 1,43 – 1,48 für Schwarze, Südasiaten und gemischte Ethnien, adjustiert für alle Risikofaktoren).

Klinische Bedeutung

Die Studie beeindruckt durch ihre Größe und die Geschwindigkeit ihrer Durchführung. Die Befunde sind weitgehend im Einklang mit denen aus kleineren Studien, sie gehen jedoch mehr ins Detail und sollten damit eine Identifikation seltener Risikofaktoren erleichtern. Gleichzeitig hat die Analyse aber die Schwäche, dass die Verstobenen nicht systematisch auf COVID-19 getestet wurden. Manche klinischen Verdachtsfälle könnten deshalb zu Unrecht miteinbezogen worden sein, während andere Todesfälle durch und mit COVID-19 mangels Testung übersehen wurden.

Finanzierung: Keine Angaben.