COVID 19: besondere Vorsicht bei Parkinson-Patienten mehr als ratsam

  • Neurological Research and Practice

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften 

Patienten mit Parkinson weisen als Begleiterkrankungen zahlreiche Risikofaktoren auf, die zu einem schweren COVID-19-Verlauf führen können. Das berichten Neurologen der Ruhr-Universität Bochum in einem Brief in dem Fachmagazin „Neurological Research and Practice“. Als Konsequenz empfehlen die Autoren im Umgang mit Parkinson-Patienten besonders hohe hygienische Standards, wie auch die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen in einer Mitteilung zu der Publikation betont.

Das Bochumer Team um Erstautor Dr. Daniel Richter hat Daten aller 2018 in Deutschland stationär behandelten Parkinson-Patienten ausgewertet. Das Fazit: Mehrere Komorbiditäten, zum Beispiel Diabetes mellitus, chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen und chronische Nierenerkrankungen, kamen vermehrt vor. Hier die Daten zur Prävalenz der Begleiterkrankungen:

  • Bluthochdruck: knapp 45 bis fast 53 Prozent 
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen: rund zehn bis knapp 16 Prozent 
  • Typ-2-Diabetes: 14 bis fast 21 Prozent
  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen: bis zu fast sechs Prozent
  • COPD: zwei bis 3,5 Prozent 
  • Chronische Nierenerkrankung: sechs bis fast 15 Prozent.

„In der Analyse der Begleiterkrankungen ist aufgefallen, dass Parkinson-Patienten – insbesondere im fortgeschrittenen Stadium – häufig zu Pneumonien neigen, die dann oft Hauptgrund einer stationären Aufnahme sind“, erklärt Richter. „Diese Pneumonien werden bei Parkinson-Patienten jedoch weniger durch Aspirationen hervorgerufen. Tatsächlich ist der Anteil der Pneumonien ohne Aspiration bei Parkinson-Patienten höher. Hierunter fallen auch virale Pneumonien.“

Prävention: Hygiene, getestetes Personal, Telemedizin

Professor Dr. Lars Tönges, Leiter der Ambulanz für Parkinson und Bewegungsstörungen im St. Josef-Hospital und Leiter der Studie, ordnet die Ergebnisse folgendermaßen ein: „Wir betrachten Parkinson selbst nicht als Risikofaktor für COVID 19, und eine Parkinson-Diagnose sollte bei den Patienten zu keinen Unterschieden bei der Behandlung von COVID 19 führen.“ Die häufigen Komorbiditäten unterstreichen laut Tönges jedoch die hohe Bedeutung von hygienischen Präventionsstrategien: „Dazu zählen nicht nur vorbeugende COVID-19-Tests beim beteiligten Pflegepersonal, sondern auch telemedizinische Konsultationen für die Patienten.“

Ergebnisse auf andere neurologische Patienten übertragbar

Auch Professor Dr. Christos Krogias, der die Untersuchung mitverantwortete, unterstreicht die Relevanz der Ergebnisse: „Mit diesen epidemiologischen Daten, die wir gemeinsam mit dem Datenanalysten Dr. Dirk Bartig von DRG Market erhoben haben, konnten wir frühzeitig den veränderten Vorgehensbedarf bei der Versorgung unserer Patienten erkennen und dementsprechend umsetzen.“ Dies gilt laut Krogias sowohl für Parkinson-Kranke als auch für Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen, insbesondere Schlaganfall-Erkrankungen.