COVID-19: Bei schwerem Verlauf mit anhaltender Hypoxämie ist auch die ECMO eine Option

  • JAMA

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine lebensbedrohliche Komplikation der Coronavirus-19-Erkrankung (COVID-19) ist die schwere Pneumonie mit akutem respiratorischem Distress-Syndrom (ARDS). Entwickelt sich die damit assoziierte hochgradige Hypoxämie durch die konventionelle künstliche Beatmung nicht ausreichend zurück, sollte rechtzeitig die Möglichkeit einer extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) erwogen werden (1). Länder mit größeren Ausbrüchen, die eine ECMO-Zentrumsstruktur haben wie Deutschland, sollten sich auf die vermehrte Anwendung vorbereiten, so die Weltgesundheitsorganisation (2).

Hintergrund
Die häufigsten Symptome der durch das neuartige Coronavirus verursachten Erkrankungen COVID-19 sind

  • Fieber,
  • trockener Husten und
  • Dyspnoe.

Bei circa 80 % der Patienten verläuft die Erkrankung mild mit nur leichten bis mittelschweren Zeichen einer Erkältung. Bei circa 20 % aber entwickelt sich eine schwere Lungenentzündung, die bei etwa jedem Vierten – das sind 6 % Prozent aller Erkrankten – einen kritischen Verlauf mit ARDS nimmt.

Design

  • Review der aktuell publizierten Literatur zu klinischen Verläufen und Therapien bei COVID-19
  • systematischer Review zum therapeutischen Benefit (Überlebensvorteil) durch ECMO bei Patienten mit schwerem ARDS

Hauptergebnisse
Bei erwachsenen Patienten mit schwerem ARDS beträgt die Sterblichkeit 40-42 % und ist damit nach wie vor hoch. In Ergänzung zur konventionellen Therapie, der mechanischen Beatmung, werden weitere Unterstützungsverfahren untersucht und angewendet, darunter zunehmend die ECMO. Dies ist ein extrakorporales Gasaustauschverfahren, über das Blut oxygeniert und Kohlendioxid eliminiert werden kann. Bei schwerem hypoxämischem Lungenversagen steht die Verbesserung der Oxygenierung im Vordergrund.

Die ECMO ist aufwendig, verbessert aber die Überlebensraten an erfahrenen Zentren auf circa 75 % bei schwerem ARDS. Für die Therapie von kritisch kranken COVID-Patienten, bei denen sich mit konventionellen Methoden das Blut nicht ausreichend oxygenieren lasse, könne die ECMO an spezialisierten Zentren erwogen werden, so die Autoren. Das Verfahren sei bei COVID-19-Patienten in China angewendet worden. Eine zusammenfassende Übersicht über die Ergebnisse stehe allerdings noch aus.

Klinische Bedeutung
Länder, bei denen bereits feste Strukturen zur Anwendung der ECMO an erfahrenen Zentren bestehen wie Deutschland, sollten sich bei anhaltenden Ausbrüchen durch das neuartige Coronavirus darauf vorbereiten, dass ECMO vermehrt zur Anwendung kommen kann. Das Verfahren sei keine Methode, die unter den Therapien ganz vorn stehe, so die Autoren. Sie könne dem aktuellen Erkenntisstand nach eine Bedeutung aber vor allem für solche kritisch kranken COVID-19-Patienten haben, bei denen sich die akute Lebensbedrohung durch andere pathophysiologische Mechanismen als durch ein fulminantes Multiorganversagen oder septischen Schock entwickelt. Diesen Patienten könnte vermutlich mit ECMO nicht geholfen werden. 

In Deutschland gibt es ein ARDS-Netzwerk aus 44 Zentren inklusive ECMO-Plätzen und Isolierungsmöglichkeiten (3).
 

Finanzierung: keine Angaben