COVID-19 bei jungen Menschen zu wenig beachtet: jedes 16. Kind erkrankt schwer

  • Pediatrics
  • 05.04.2020

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Auch Kinder können schwer an COVID-19 erkranken, je jünger sie sind, desto höher das Risiko. Das hat eine Fallserienanalyse von mehr als 2 100 Kindern und Jugendlichen mit vermuteten oder labordiagnostisch bestätigten COVID-19-Erkrankungen in China ergeben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, es sei notwendig, sich auf mögliche schwere Verläufe bei Kindern besser vorzubereiten und diese Möglichkeiten in der Öffentlichkeit und der Gesundheitspolitik stärker zu kommunizieren.

Hintergrund
Kinder erkranken vergleichsweise selten an Infektionen mit Coronaviren, die Schätzungen liegen bei 1 Prozent bis einige wenige Prozent der Infizierten. Das gilt für verschiedene Coronaviren, wie das im Jahr 2002 erstmals aufgetretene SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome), für das zehn Jahre später erstmals in Saudi-Arabien identifizierte MERS-CoV (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus) und für das im Dezember 2019 isolierte SARS-CoV-2. Zur Frage, wie gefährlich SARS-CoV-2 bei Kindern werden kann, gab es bislang wenig Daten.

Design

  • Nationale Analyse von COVID-19 bei Kindern in China (Chinese Center for Disease Control and Prevention)
  • Analyse konsekutiver Fälle von 2143 vermuteten oder labordiagnostisch bestätigten SAR-CoV-Infektionen bei Kindern zwischen dem 16. Januar und dem 8. Februar 2020

Hauptergebnisse
Die Kinder waren im Alter zwischen

Bei den schweren Erkrankungen waren gastrointestinale Symptome wie Diarrhöe häufiger als bei Erwachsenen. Lebensbedrohliche Erkrankungen entwickelten sich in kürzerer Zeit fulminat als bei Erwachsenen, meist binnen 1 Woche. Es traten dann Hypoxie mit einer Sauerstoffsätigung

Klinische Bedeutung
Eine konsekutive Fallanalyse von mehr als 2 100 pädiatrischen Patienten mit SARS-CoV-Infektion bestätigt, dass Kinder und Jugendliche seltener schwere Symptome entwickeln als Erwachsene, nämlich nur zu 6 % vs. 18,5 % der Infizierten im Erwachsenenalter. Aber auch bei Kindern kann COVID-19 sehr schwer und tödlich verlaufen. Die Leiterin der WHO-Abteilung „Emerging Diseases and Zoonosis“, Dr. Maria Van Kerkhove, mahnt, weltweit müsse man sich stärker darauf einstellen und wahrnehmen, dass auch Kinder schwer erkranken. Epidemiologisch bestätige sich, dass Kinder vor allem Überträger von SARS-CoV sein können, ohne selbst zu erkranken.

Finanzierung: öffentliche Mittel