COVID-19: „Angst essen Vernunft und leider auch Anstand auf“


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Das neue Corona-Virus breitet sich in Europa und auch in Deutschland weiter aus. Zum Glück reagiere die Bevölkerung besonnen, wie Jens Spahn gestern in einer Regierungserklärung sagte. Ausnahmen gibt es jedoch auch: Es wird gehamstert, gehortet und sogar geklaut.

Die Vernunft stehe weltweit unter Quarantäne, meinte diese Woche der Publizist Garbor Steingart . Nicht ganz zu Unrecht: So waren Medienberichten zufolge bereits am Wochenende einige Regale in Supermärkten wie leer gefegt. Wegen des Coronavirus hätten sich einige Mitmenschen die Vorratskammern vollgestopft wie Hamster die Backen. Sogar Büchsenbrot habe sein Comeback gefeiert. Darüber kann man vielleicht noch schmunzeln. Nicht besonders amüsant ist dagegen, dass in Kliniken Desinfektionsmittel und Schutzkleidung geklaut werden. Laut einem Spiegel-Bericht „bereiten mehrere Krankenhäuser Strafanzeigen gegen Diebe von Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung vor“. Betroffen seien unter anderem die beiden Standorte des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel und Lübeck. In den vergangenen Tagen sei dort vermehrt Desinfektionsmittel entwendet worden. „Es geht dabei nicht um ein oder zwei Flaschen, sondern um einen nennenswerten Umfang", wird Pressesprecher Oliver Grieve in dem Nachrichtenmagazin zitiert. Auch andere Kliniken hätten bereits Diebstähle gemeldet, etwa das Klinikum Marburg: Dort seien zahlreiche Desinfektionsspender geleert oder entwendet worden. „Angst essen offenbar Vernunft und leider auch Anstand auf.“

Obgleich Appelle an die Vernunft meist wenig helfen, lohnt es sich in diesem Zusammenhang vielleicht doch, sich ein paar Fakten zu Gemüte zu führen:

  • In Europa sind bislang etwas mehr als 100 Menschen an COVID-19 gestorben. 2017/2018 gab es allein in Deutschland mehr als 25.000 Influenza-Todesfälle, was dennoch nicht zu wirklich beruhigenden Impfquoten geführt hat. 
  • Bei Unfällen im Straßenverkehr haben in Deutschland etwas mehr als 3000 Menschen ihr Leben verloren; und 14000 Menschen sollen 2017 wie Steingart berichtet, durch Stürze um’s Leben gekommen sein. Und: Durch Kontakt mit giftigen Tieren – das seien in Deutschland vor allem Wespen, Kreuzottern und im Terrarium gehaltene Vogelspinnen – würden, so Steingart, „pro Jahr rund 20 Deutsche ins Jenseits befördert“. 

PS: An der Luftverschmutzung und ihren Folgen seien 2015 sogar fast neun Millionen Menschen gestorben, haben diese Woche Mainzer Wissenschaftler berichtet.