Coronavirus-Pandemie: Leopoldina fordert konsequenteres Handeln

  • Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die aktuell getroffenen Entscheidungen und aufgestellten Regelungen der Bund-/Länder-Runde zur Coronavirus-Pandemie sind aus Sicht der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina nicht ausreichend, um das Infektionsgeschehen zu kontrollieren und einzudämmen.

Leopoldina: Empfehlungen genügen nicht

In den letzten Tagen steigen die Neuinfektionen in fast allen Regionen Deutschlands sprunghaft an. In den meisten europäischen Nachbarländern ist das Infektionsgeschehen bereits außer Kontrolle. Auch in Deutschland sind viele Infektionsketten in Hotspots schon jetzt nicht mehr nachzuverfolgen. „In den kommenden Tagen und Wochen kann die Eindämmung der Pandemie nur noch dann gelingen, wenn die Bundesländer verpflichtende und einheitliche Schutzmaßnahmen vereinbaren und durchsetzen. Sie müssen bereits ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen verpflichtend gelten und nicht nur als Empfehlung formuliert sein", sagt Gerald Haug, Präsident der Leopoldina.

Einheitliche Regeln unbedingt notwendig

Das föderale System in Deutschland hat sich in der Pandemie bisher als belastbar und in mancher Hinsicht als vorteilhaft erwiesen. In der jetzt flächendeckend eskalierenden Situation gelte es jedoch, nachvollziehbar und koordiniert zu handeln, um Gefahren für die Allgemeinheit abzuwenden und einen neuen Lockdown zu verhindern, heißt es in einer Mitteilung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Auch wenn das Infektionsgeschehen in manchen Bundesländern bisher geringer als in bestimmten Risikogebieten ist, ist es laut der Akademie notwendig, einheitliche Regeln einzuführen, die auf bundesweit gültigen Grenzwerten basieren. Nur so werde das Vertrauen in die politischen Entscheidungen und die Einsicht in die Notwendigkeit der Maßnahmen gestärkt.

Wirkungsvolles Handeln müsse klar zwischen der lokalen Reaktion auf ein Infektionsgeschehen und der Prävention von Übertragungen unterscheiden. Jetzt sei es wichtig, bundesweit sinnvolle und begründete Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Die Bereitschaft der Bevölkerung, die Maßnahmen mitzutragen, sei aktuellen Umfragen zufolge nach wie vor hoch. Alle Regeln müßten einheitlich und überall bekannt sein sowie verständlich und transparent kommuniziert werden.

Wenn die politisch Verantwortlichen angesichts absehbar exponentiell steigender Infektionszahlen nicht vorausschauend handelten, würden das öffentliche Leben und die Wirtschaft stärker eingeschränkt werden, als es notwendig gewesen wäre. Zudem würden die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen sinken, das Gesundheitssystem werde überlastet und individuelle Freiheitsrechte würden noch stärker eingeschränkt.

Die empfohlenen Schutzmaßnahmen

Welche Situationen eine Übertragung begünstigen und worauf Infektionen zurückzuführen sind, ist bekannt: viele und enge Kontakte in geschlossenen Räumen, wenig Frischluftzufuhr, dichtes Gedränge drinnen oder draußen und Sprechen in lebhafter oder lauter Umgebung. Notwendig sind vor allem korrekt über Mund und Nase getragene Masken, da oft ein Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann und wird, regelmäßiges Lüften, Vermeiden von Menschenansammlungen und lautem Sprechen. Diese Schutzmaßnahmen müssen im gesamten öffentlichen Raum einschließlich Arbeitsstätten und Bildungseinrichtungen gelten. Weitere Maßnahmen hat die Leopoldina in ihrer sechsten Ad-hoc-Stellungnahme zur Coronavirus-Pandemie „Wirksame Regeln für Herbst und Winter aufstellen" empfohlen: