Corona: DIVI sorgt sich um Personalmangel

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Berlin (pag) – Wachsam, aber nicht panisch. So geht die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) derzeit mit steigenden Corona- Intensivfallzahlen um. Zwar steige die Zahl der Intensivpatienten, allerdings nicht in der Dynamik wie im Frühjahr.

 

DIVI-Präsident Prof. Uwe Janssens zieht auf einem Presse-Briefing des Science Media Center Germany einen Vergleich. „Am Freitag vergangener Woche registrierte das Robert Koch-Institut 7.334 Sars-Cov2-Neuinfektionen. Gleichzeitig befanden sich nur 690 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung.“ Beatmet würden 49 Prozent. Das sah vor einem halben Jahr noch dramatischer aus. Am 3. April registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) 6.174 neuinfizierte Menschen, 2.424 befanden sich laut DIVI auf Intensivstationen, von denen 83 Prozent beatmet wurden.

Prof. Reinhard Busse, Leiter des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen an der Technischen Universität Berlin, schaut nach Belgien, das Deutschland in der pandemischen Entwicklung etwa fünf Wochen voraus sei. Nach Busses Daten weist das Nachbarland in der Woche vom 7. bis 13. Oktober eine Sieben-Tages-Inzidenz von 340 Fällen auf 100.000 Menschen auf – 12,6-mal so hoch wie vom 26. August bis zum 1. September. Die stationären Aufnahmen hätten sich aber lediglich um den Faktor 8,6 erhöht, intensivmedizinische Behandlungen um 3,8. „Die Anstiege werden unser Gesundheitssystem etwas mehr fordern, aber sie werden es nicht überfordern“, lautet sein Schluss.

Doch eine Entwarnung gibt Janssens nicht. Zwar infizieren sich zur Zeit in erster Linie jüngere Menschen. Doch diese übertrugen das Virus zunehmend auf ältere Patienten. Ihm bereitet außerdem Sorge, dass es an intensivmedizinischen Pflegefachkräften mangele. Das sieht Prof. Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin der Münchner Klinik Schwabing, ähnlich: „Es muss auch die Menschen hinter den Maschinen geben.“ Dass wieder großflächig OPs verschoben werden, kann er für sein Haus nicht bestätigen und betont die Wichtigkeit von OPs und Behandlungen – wie beispielsweise Chemotherapien –auch in Pandemiezeiten.