COPD, Protagonist auf dem ERS Kongress 2018


  • Conference Reports
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Dr. Luis Máiz Carro

Chief of the Unidad de Infección Bronquial Crónica, Bronquiectasias y Fibrosis Quística [Abteilung für chronische Bronchitis, Bronchiektase und zystische Fibrosis]

Servicio de Neumología [Abteilung für Pneumologie]. Hospital Universitario Ramón y Cajal [Ramón y Cajal University Hospital] (Madrid)

 

 

Auf dem internationalen Kongress der European Respiratory Society (ERS), der von 15. bis 19. September in Paris stattfand, wurden viele verschiedene Themen aus Klinik und Forschung vorgestellt. Am meisten diskutiert wurde jedoch die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), was auf deren Prävalenz und das damit verbundene allgemeine Interesse in unseren Nachbarländern hindeutet.

 

In den Sitzungen war deutlich zu erkennen, wie das Interesse des Fachkreises nach Erreichen der therapeutischen Obergrenze vor allem auf die COPD-Behandlung ausgerichtet war. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Interventionsmaßnahmen konsolidiert, z. B. die operative Lungenvolumenreduktion oder die Legung von intrabronchialen Klappen. Diese Maßnahmen und die Ergebnisse neuer Alternativen wurden auf diesem Kongress präsentiert. Eine der neuesten Techniken ist die Lungendenervierung. Dabei wird mittels Bronchoskop ein Katheter eingeführt und die an der Außenseite des Atemwegs liegenden Nerven werden über das Bronchoskop elektrostatisch aufgeladen. Der Atemweg entspannt und erweitert sich daraufhin, sodass Schleimproduktion und Entzündung reduziert werden. Dr. Dirk-Jan Slebos vom University Medical Centre Groningen (Niederlande) präsentierte die Schlussfolgerungen der multizentrischen klinischen Phase-II-Studie AIRFLOW 2, in der mit der Anwendung dieser neuen Technik sehr positive Ergebnisse erzielt wurden, u. a. Reduzierung häufiger Symptome wie Dyspnoe, Reduzierung der Anzahl von Schüben und Krankenhauseinweisungen bei Patienten, die bereits eine aggressive medikamentöse Behandlung mitmachten. Des Weiteren wurde eine Tendenz zur Verbesserung der Lebensqualität und Lungenfunktion beobachtet.

 

Ein weiteres wichtiges Thema auf dem ERS 2018 waren Sitzungen mit Schwerpunkt auf Biomarkern, deren Entwicklung ein Vorhersehen von COPD-Schüben ermöglichen würde, ähnlich wie Troponin bei der Erkennung eines akuten Myokardinfarkts hilft. Dazu wird die stabile Phase von Molekülen untersucht, die das Vorhersehen einer Exazerbation ermöglichen oder die Stabilität der Erkrankung definieren würden. Dr. Wim Janssens vom University Hospital Leuven (Belgien) belegte in seiner Präsentation, dass es angesichts der Komplexität und Heterogenität der Krankheit bisher nicht möglich war, einen einzelnen Biomarker für die Vorhersage der Häufigkeit von Schüben festzulegen, und man deshalb davon ausgehen sollte, dass die Identifizierung schwierig sein wird. Es gibt jedoch bereits eine Reihe nützlicher Marker für die Phänotypisierung der Schübe, mit denen für jeden konkreten Fall gezielte Behandlungen definiert werden könnten.

 

Ein zentraler Aspekt der COPD und ein Diskussionsthema auf allen wissenschaftlichen Kongressen ist die Rolle von Bakterien bei der chronischen Bronchitis und bei COPD-Schüben sowie die Veränderung der Mikrobiota des Atemwegs in den verschiedenen Stadien der Krankheit. Dr. Aran Singanayagam aus Großbritannien befasste sich mit der Rolle von inhalierten Antibiotika bei Patienten mit COPD und chronischer Bronchitis auf Basis der Erkenntnisse aus zwei Studien: in der ersten Studie, die 2008 von der Dr. Dal Negro Gruppe veröffentlicht wurde, konnte nach 6-monatiger Behandlung mit vernebeltem Tobramycin bei Pseudomonas aerugnosa-konolisierten Patienten eine Reduzierung der Schubhäufigkeit und der Sputumdichte und beobachtet werden; die zweite Studie wurde 2012 von der Dr. Bruguera-Ávila Gruppe veröffentlicht und zeigte eine Reduzierung der Anzahl und Dauer der Krankenhauseinweisungen bei Patienten, die mit dem gleichen Pathogen kolonisiert und 5 Jahre mit vernebeltem Colistin behandelt wurden. Es sind zwar weitere Studien erforderlich, doch diese Ergebnisse sind sehr vielversprechend und öffnen neue Türen für die Verwendung vernebelter Antibiotika außerhalb der Bronchiektase und zystischen Fibrose, insbesondere bei der Langzeitbehandlung von Patienten mit COPD und chronischer Bronchitis.

 

Weitere bemerkenswerte Präsentationen auf dem ERS 2018 befassten sich mit der Rolle von Eosinophilen als Prädikatoren des Ansprechens auf inhalierte Corticoide, die Dreifachtherapie im Management sehr schwerer COPD oder die Bedeutung der Physiotherapie in Bezug auf eine Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität von Patienten.