Colitis-ulcerosa-Patienten: Akzeptanz des Stuhltransfers vermutlich gut


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der fäkale Mikrobiom-Transfer ist für relativ viele Colitis-ulcerosa-Patienten der aktuellen Umfrage zufolge eine erwägenswerte Therapieoption, deren Bekanntheitsgrad zudem hoch ist. Bedenken gibt es im Hinblick auf die Übertragung möglicher Krankheitserreger sowie hinsichtlich der Hygiene des Verfahrens.

Hintergrund

Die Stuhltransplantation (fäkaler Mikrobiom-Transfer, FMT) ist ein seit einigen Jahren schon eingesetztes Therapie-Verfahren bei pseudomembranöser Kolitis. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass der FMT auch für Patienten mit Colitis ulcerosa eine wirksame Behandlung sein könnte. Eine Therapie muss aber nicht nur effektiv und sicher sein; sie muss von Patienten auch akzeptiert werden, was im Fall der Stuhltransplantation ein Problem sein könnte. Die Autoren der vorliegenden Studie haben daher Patienten mit Colitis ulcerosa zum FMT befragt. 

Design

262 Patienten mit Colitis ulcerosa erhielten einen standardisierten Fragebogen mit 27 geschlossenen Fragen, etwa zum Ablauf des FMT und zu möglichen Bedenken. Zusätzlich wurden Aspekte des sozialen Hintergrunds sowie zur Krankheitsaktivität der Colitis ulcerosa berücksichtigt.

Hauptergebnisse

  • 82 Patienten (31,3%) schickten den Fragebogen beantwortet zurück. 
  • 48 (58,5 %) der Patienten gaben an, die Therapie zu kennen. 
  • 46 (56,1 %) gaben an, bei entsprechender Indikation eine Stuhltransplantation durchführen zu lassen. 
  • Knapp 29 Prozent (n = 22) äußerten Bedenken im Hinblick auf die mangelnde Testung des Transplantats hinsichtlich möglicher Infektionserreger, rund 21 Prozent (17) gaben als Sorge an, dass sich der Krankheitsverlauf aufgrund eines kontaminierten Transplantats verschlechtern könnte. 
  • 55 Patienten (67,1 %) bevorzugten den Mikrobiom-Transfer in Tablettenform, gefolgt von einer koloskopischen Applikation (36, 43,9 %). 
  • Die Bereitschaft zur FMT unterschied sich bei Frauen und Männern nicht signifikant.

Klinische Bedeutung

Zusammenfassend lässt sich den Autoren zufolge sagen, dass die meisten Patienten mit Colitis ulcerosa auch in Deutschland den FMT als Therapieoption in  Erwägung ziehen, sogar in einer Population mit überwiegend guter Krankheitskontrolle. Erwartungsgemäß sind die hauptsächlichen Bedenken die Übertragung möglicher Infektionen sowie eine potenzielle Kontamination des Transplantats und die Gefahr einer möglichen klinischen Verschlechterung. Die Autoren raten daher, diese Punkte im Falle einer Implementierung des FMT bei Colitis ulcerosa zu berücksichtigen, etwa durch Applikation als Tablette oder Kapsel. 

Eingeschränkt wird die Aussagekraft der Studie durch die kleine Fallzahl aufgrund der eher niedrigen Rücklaufrate.

Finanzierung: keine Angaben.