Colitis ulcerosa: Das Risiko für Darmkrebs sinkt zwar, aber Überwachung ist noch immer notwendig

  • Lancet

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken und daran zu sterben, ist für Patienten mit Colitis ulcerosa erhöht, es hat sich aber in den letzten Jahrzehnten immer mehr dem Risiko in der Normalbevölkerung genähert. Als Grund für diese positive Entwicklung wird die effektivere entzündungskontrollierende medikamentöse Therapie vermutet. Dennoch sind bei Colitis ulcerosa weiterhin Überwachungskoloskopien notwendig. Die Intervalle können den Risiken angepasst werden.

Hintergrund
Das Kolonkarzinomrisiko ist bei Patienten mit einer Colitis ulcerosa (CU) im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht, es ist mit der Ausdehnung der Erkrankung assoziiert. Für eine Anpassung von Überwachungsprogrammen an das realistische Risiko sind aktuelle Daten erforderlich. Eine große Analyse von Registern aus Schweden und Dänemark liefert relevante Daten für die aktuelle Risikoeinschätzung (1).

Design

  • Populations-basierte Kohortenstudie auf der Grundlage von nationalen Registern aus Dänemark und Schweden
  • CU-Kohorte: insgesamt 96.447 Patienten, davon 32.919 aus dem dänischen Register und 63.528 CU-Patienten aus dem schwedischen Register
  • Zielparameter: Inzidenz für kolorektale Karzinome (KRK) und Darmkrebssterblichkeit in der CU-Population und ein Vergleich mit der Normalbevölkerung
  • Vergleichskohorte: 949.207 in relevanten Parametern gematchte Personen ohne CU, für die umfangreiche Patientendaten vorlagen; Verhältnis CU-Patienten zu gematchten Kontrollen 1 : 10
  • Erfassungszeitraum: Anfang Januar 1969 bis Ende Dezember 2017

Hauptergebnisse
In der Gesamtkohorte über alle Zeitperioden hinweg lag die KRK-Inzidenz in der CU-Gruppe bei 1,29 pro 1000 Personenjahren und bei 0,82 pro 1000 Personenjahre in der Referenzkohorte. Das KRK-Risiko war damit bei Patienten mit Colitis ulcerosa um 66 % erhöht (Hazard Ratio [HR] für KRK bei CU: 1,66) und die KRK-Sterblichkeit um fast 60 % (HR: 1,59). Kolorektale Karzinome, die bei CU-Patienten diagnostiziert wurden, waren im Durchschnitt weniger fortgeschritten als in der Vergleichskohorte.

Die Exzess-Risiken verminderten sich aber im Verlauf der Jahrzehnte. So war die 5-Jahres-KRK-Sterblichkeit bei Patienten mit CU-Diagnosen ab 2013 nur noch um 25 % im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöht (HR: 1,25) und die Malignom-Inzidenz um 38 % (HR: 1,38). Das KRK-Risiko war am höchsten bei einer ausgedehnten Colitis, aber nicht bei Patienten mit Linksseitencolitis und Proctitis ulcerosa. Die bekannten zusätzlichen KRK-Risikofaktoren „primäre sklerosierende Cholangitis“ und „familiäre Disposition“ bei CU wurden in dieser Studie bestätigt.

Klinische Bedeutung
Patienten mit Colitis ulcersoa erkranken noch immer häufiger an einem kolorektalen Karzinom als die Allgemeinbevölkerung, vor allem bei ausgedehnter Colitis, aber das KRK-Risiko ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken. Dies wird den Autoren der skandinavischen Registeranalyse zufolge auf Verbesserungen der antiinflammatorischen Therapie zurückgeführt. Als Erfolg der Überwachungskoloskopien wird gewertet, dass die Tumorstadien bei CU-Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose niedriger sind als in der Allgemeinbevölkerung.

In der im Sommer letzten Jahres aktualisierten S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (2) wird als Voraussetzung dafür, dass die Detektion von Neoplasien mit hoher Sensitivität und Spezifität erfolgen kann, darauf hingewiesen, dass der Darm bei Untersuchung keine wesentlichen Entzündungen aufweisen sollte, die als intraepitheliale Neoplasien histologisch fehlgedeutet werden könnten. Und das Überwachungsintervall der Vorsorgekoloskopien sollte risikostratifiziert sein. Die in den S3-Leitlinien erwähnten Risiken werden in der aktuellen Registeranalyse bestätigt.

Finanzierung: öffentliche Mittel