Cochrane-Review: HPV-Impfung ist sicher und effektiv gegen Gebärmutterhalskrebs


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) ist sowohl effektiv als auch sicher. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Übersichtsarbeit der Cochrane Library. Vor allem Frauen, die im Alter von 15 bis 26 Jahren geimpft wurden, haben ein deutlich geringeres Risiko, zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN2/CIN3) zu entwickeln. Darüber hinaus fanden sich keine Hinweise darauf, dass die Impfung schwere unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringt und etwa das Risiko für Fehlgeburten erhöht.

Hintergrund

99,7 Prozent aller Zervixkarzinome sind mit Humanen Papillomviren assoziiert. Die verschiedenen Impfstoffe richten sich vor allem gegen die Hochrisiko-Varianten HPV 16 und 18, die 70 Prozent dieser Tumoren verantworten. Der optimale Zeitpunkt für die HPV-Impfung ist noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Die Ständige Impfkommision (STIKO) empfiehlt daher, dass Mädchen schon im Alter von neun bis 14 Jahren zweimal im Abstand von fünf bis 13 Monaten geimpft werden sollen. Eine Ausweitung der Impfempfehlung auf den männlichen Nachwuchs wird derzeit innerhalb der STIKO diskutiert.

Design

In die Metaanalyse eingeschlossen waren die Ergebnisse von 26 randomisierten Studien weltweit. Insgesamt werteten die Cochrane-Mediziner Daten von 73.428 T eilnehmerinnen über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren nach der HPV-Impfung aus. In der Bewertung wurden ausschließlich Studien berücksichtigt, in denen die Frauen einen bivalenten oder quadrivalenten HPV-Impfstoff erhielten. 

Hauptergebnisse

  • Das Risiko eine gefährliche Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln, sank für Läsionen vom Typ CIN2+ in der Kontrollgruppe von 164 je 10.000 Frauen auf 2 je 10.000 und für CIN3+ Läsionen von 70 je 10.000 Teilnehmerinnen auf 0 je 10.000.

  • Waren die Mädchen und jungen Frauen zum Zeitpunkt der Impfung bereits mit HP-Viren infiziert, fiel der Effekt der Schutzimpfung insgesamt geringer aus (von 341 auf 157 je 10.000).

  • Die HPV-Impfung zeigte keinen protektiven Effekt mehr, wenn Frauen erst im Alter von 24 bis 45 Jahren die Vakzine erhielten.

  • Aus der Meta­analyse ergaben sich keine Hinweise auf ernste unerwünschte Neben­wirkungen. Unter denjenigen, die während der Studien schwanger wurden, fanden die Cochrane-Wissenschaftler kein signifikant erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt (1618 versus 1424/10.000, RR 0,88 (0,68 bis 1,14).

Klinische Bedeutung

Trotzdem liegt die Impfquote der unter 17-Jährigen nach den letzten Daten des Robert Koch-Instituts von 2013 gerade mal bei 42,5 Prozent (Epidemiologisches Bulletin 1/2017 ) . Und dies, obwohl die gesetzlichen Krankenkassen seit 2007 die Kosten übernehmen. Während in einigen Ländern, wie Australien und Österreich bereits öffentlich finanzierte Impfprogramme an Schulen an der Tagesordnung sind, spielen in Deutschland vor allem niedergelassene Pädiater eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung der Eltern sowie bei der Überprüfung und Vervollständigung des Impfstatus. „Dabei konnten mehrere Pilotprojekte zur freiwilligen Schulimpfung auch in Deutschland gute Erfolge erzielen“, sagte Prof. Harald zur Hausen gegenüber Univadis . Anfänglich sehr niedrige Impfraten stiegen auf bis zu 80 Prozent. Jetzt gelte es solche Vorbild-Initiativen auf politischer Ebene tatkräftig zu unterstützen, so der Virologe und Medizin-Nobelpreisträger.