Cochrane-Review bescheinigt MMR-Impfstoffen erneut hohe Wirksamkeit und Sicherheit

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  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

MMR-, MMRV- und MMR+V-Impfstoffe gegen Mumps, Masern und Röteln sowie Windpocken sind hoch wirksam und nicht mit einem erhöhten Risiko für Autismus verbunden. Das geht aus den Ergebnisse der Aktualisierung eines Reviews der Cochrane Library hervor, der Anfang der Woche veröffentlicht wurde.

Review umfasst 138 Studien

„Wir wollten in diesem Update der zuletzt 2012 aktualisierten Übersichtsarbeit die Wirksamkeit, Sicherheit sowie die lang- und kurzfristigen Risiken der MMR-Impfstoffe bewerten", erklärt Hauptautor Dr. Carlo Di Pietrantonj vom italienischen Regionalen Referenzdienst für Epidemiologie (SeREMI). Dazu wurden insgesamt 138 randomisierte und nicht-randomisierte Studien in den Bericht aufgenommen: 51 Studien mit rund 10 Millionen Kindern bewerteten die Wirksamkeit und 87 Studien mit rund 13 Millionen Kindern die Sicherheit der Kombinations-Impfstoffe.

Die Hauptergebnisse zur Wirksamkeit der Impfstoffe

  • Masern: Bereits eine Impfdosis schützte 95 Prozent der geimpften Kinder gegen Masern. Auf Basis der im Review analysierten Daten würde das Risiko, an Masern zu erkranken, von 7 Prozent bei ungeimpften auf 0,5 Prozent bei einmal geimpften Kindern abnehmen. Erhielten die Kinder eine zweite Impfdosis war die Wirksamkeit mit etwa 96 Prozent ähnlich hoch.

  • Mumps: Die einmalige Gabe des Impfstoffs beugte bei 72 Prozent der Geimpften eine Erkrankung vor. Nach zwei Dosen stieg die Wirksamkeit auf 86 Prozent. Laut Analyse würde die Zahl der Fälle von 7,4% bei ungeimpften Kindern auf 1 Prozent bei Kindern zurückgehen, die mit zwei Dosen geimpft wurden.

  • Röteln und Varizellen: Nach einer Impfdosis waren 89 Prozent der Kinder vor Röteln geschützt. Der MMRV-Impfstoff schützt nach 10 Jahren zu 95 Prozent vor Windpocken, wie eine Studie zeigen konnte. Das heißt: Bei Kontakt mit Varizellen würden 5 von 100 geimpften Kindern erkranken.

Mögliche Impfschäden werden unter die Lupe genommen

"Was die Sicherheit anbelangt, so wissen wir aus früheren Studien aus der ganzen Welt, dass die Risiken, die von diesen Krankheiten ausgehen, bei weitem die Risiken der zur Vorbeugung verabreichten Impfstoffe überwiegen", sagt Erstautor Di Pietrantonj. Auf Grund der öffentlichen Debatte über Schäden, die mit Kombinations-Impfstoffen in Verbindung gebracht werden, befasse sich das Review explizit mit der Evidenz für spezifische Schäden, betont Pietrantonj.

So wird auch immer wieder ein Zusammenhang zwischen MMR-Impfung und Autismus angeführt, jedoch ohne eine seriöse wissenschaftliche Grundlage. Die Wissenschaftler haben hierzu die Evidenz aus zwei Studien mit knapp 1.2 Millionen Kindern zusammengefasst. Danach waren die diagnostizierten Fälle von Autismus bei geimpften und nicht geimpften Kindern ähnlich und widerlegen abermals den Verdacht eines Zusammenhangs.

Zwei weitere Studien mit mehr als einer Million Kindern finden darüber hinaus keinen Beweis für einen Zusammenhang zwischen den MMR-Impfstoffen und Enzephalitis, entzündlichen Darmerkrankungen, Morbus Crohn, kognitiver Verzögerung, Typ-1-Diabetes, Asthma, Dermatitis/Ekzem, Heuschnupfen, Leukämie, Multipler Sklerose, Gangstörungen und bakteriellen oder viralen Infektionen.

„Insgesamt sind wir der Meinung, dass die vorhandene Evidenz zur Sicherheit und Wirksamkeit von MMR, MMRV und MMR+V-Impfstoffen ihre Verwendung für die Massenimmunisierung unterstützt“, resümiert Pietrantonj. Kampagnen, die auf eine weltweite Ausrottung der Krankheiten abzielen, sollten daher die epidemiologische und sozioökonomische Situation der Länder bewerten, sowie deren Fähigkeit berücksichtigen, eine hohe Durchimpfungsrate zu erreichen. Allerdings werde noch mehr Evidenz benötigt, um beurteilen zu können, ob die Schutzwirkung dieser Impfungen mit der Zeit seit der Immunisierung nachlassen könnte.