CLL: Reine Immuntherapie ist der Standardbehandlung klar überlegen

  • New England Journal of Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine kombinierte Immuntherapie mit dem irreversiblen Inhibitor der Bruton-Tyrosinkinase Ibrutinib und dem CD20-Antikörper Rituximab erreichte bei Patienten mit einer Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL) eine 3-Jahres-Überlebensrate von 98,8 %.

Hintergrund

Von der Kombination mehrerer Hemmstoffe gegen B-Zellen verspricht man sich Fortschritte bei der CLL, da diese spezifischer wirken sollten als die bisherige Standardtherapie aus Chemotherapie plus Rituximab. Die Ergebnisse einer entsprechenden Studie (E1912) - bereits auf der letztjährigen Tagung der American Society for Hematology präsentiert -  wurden nun vollpubliziert.

Design

Randomisierte Vergleichsstudie der Phase 3 mit 529 zuvor unbehandelten CLL-Patienten bis zu 70 Jahren in meist guter körperlicher Verfassung. Sie erhielten entweder 6 Zyklen einer Kombination aus Ibrutinib plus Rituximab und danach bis zur Krankheitsprogression Ibrutinib, oder die Standardtherapie mit 6 Zyklen der Zytostatika Fludarabin und Cyclophosphamid plus Rituximab.

Ergebnisse

  • Beim primären Studienziel, dem progressionsfreien Überleben (PFS), war die reine Immuntherapie nach einer medianen Nachverfolgung von 33,6 Monaten hochsignifikant überlegen: Der Anteil nicht progredienter überlebender Patienten betrug nach 3 Jahren 89,4 gegenüber 72,9 % unter der Standardtherapie. Das Chancenverhältnis HR betrug 0,35 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,22 – 0,56 (P
  • Beim sekundären Studienziel, dem Gesamtüberleben, war die Kombination aus Ibrutinib und Rituximab ebenfalls hochsignifikant überlegen: 98,8 versus 91,5 % nach 3 Jahren, HR 0,17; 95%-KI 0,05 – 0,54; P
  • Nebenwirkungen von Grad 3 oder schwerer waren mit jeweils 80 % gleich verteilt, unter der reinen Immuntherapie kam es dabei seltener (10,5 %) zu Infektions-bedingten Komplikationen, als unter der Standardtherapie (20,3 %).
  • Eine Subgruppenanalyse ergab, dass der Vorteil beim PFS sich nicht auf Patienten erstreckte, die Mutationen im Gen für die variable Region der schweren Immunglobulin-Kette (IGHV) trugen.

Klinische Bedeutung

Bei einer Standardtherapie mit bereits sehr hohen 3-Jahres-Überlebensraten ist die hier gezeigte nochmalige Verbesserung (von 91,5 auf 98,8 %) bei hoher statistischer Signifikanz äußerst bemerkenswert. Für die DGHO waren die Daten bereits Anlass, ihre Leitlinien zu ändern. Ein Wermutstropfen könnte allerdings die höhere Rate Minimal Residueller Resterkrankungen unter der Immuntherapie sein (ca. 80 versus 60 %), denn dies lässt langfristig eine höhere Rückfallrate befürchten.

Finanzierung: National Cancer Institute.