CLL: Experten diskutieren Abklärungs- und Behandlungsstrategien

  • David Henry, MD; Anthony R. Mato, MD; Lindsey Roeker, MD
  • Medscape.com
  • 14.04.2020

  • von Pavankumar Kamat
  • Studien – kurz & knapp
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Erkenntnis

  • In einem von David Henry, MD, vom Pennsylvania Hospital in Philadelphia moderierten Interview diskutieren zwei Hämatoonkologen - Anthony R. Mato, MD, und Lindsey Roeker, MD, beide vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York - Behandlungstipps bei chronischer lymphatischer Leukämie (CLL).

Wesentliche Punkte

  • Abklärung:
    • Die initiale Abklärung von CLL muss auch die Fluoreszenz-in-Situ-Hybridisierung zur Suche nach Trisomie 12 sowie nach Deletionen an 13q, 17 p und 11q beinhalten.
    • Wichtig sind ebenfalls das Next-Generation-Sequencing zur Bestimmung der TP53-Mutationen und die IgVH-Mutationsanalyse.
    • Die mutierte IgVH-Erkrankung spricht tendenziell etwas besser auf die Therapie an.
  • Auswahl der Erstbehandlung:
    • Bei einer Erkrankung ohne IgVH-Mutation kommen Chemoimmuntherapie-Kombinationen nicht in Frage, unabhängig vom Patientenalter oder Fitness.
    • Ein neuartiger Wirkstoff als Ersttherapie ist geeignet.
      • Die Standardoption ist Ibrutinib mit oder ohne Obinutuzumab.
      • Es gibt auch eine Option für zeitlich begrenztes (1 Jahr) Venetoclax plus Obinutuzumab.
      • Die dritte Option ist das kürzlich zugelassene Acalabrutinib mit oder ohne Obinutuzumab.
  • Empfehlung für die Verwendung von Venetoclax:
    • Für einen Patienten mit einer Leukozytenzahl (WBC) von 100.000 µl, bei dem orales Venetoclax erwogen wird, ist es empfehlenswert, mit 20 mg zu starten und danach alle 7 Tage zu eskalieren.
    • Manchmal müssen Hochrisikopatienten in den ersten Wochen einmal wöchentlich für 48 Stunden in der Klinik bleiben, bis ihr WBC sinkt.
    • Das Debulking mit Obinutuzumab lässt viele WBCs schrumpfen und "schmilzt" möglicherweise einige Knoten weg.
    • Die Evidenz zeigt ein PFS über 36 Monate von ca. 82% bei 1 Jahr Venetoclax-Therapie.
    • Ibrutinib und Acalabrutinib sind Treat-to-Progression-Ansätze, die Patienten ansprechen, die nicht bereit sind, ins Krankenhaus zu kommen oder eine infusionsbasierte Therapie nicht in Betracht ziehen wollen.
  • Rezidivbehandlung:
    • Bei einem Patienten mit Rezidiv wird sich der IgVH-Status vermutlich nicht ändern, jedoch kann sich der TP53-Mutationsstatus ändern.
    • Bei TP53-mutierten Erkrankungen, die mit Venetoclax behandelt wurden und nach 3 Jahren rezidivierten, wäre es ideal, die Behandlung mit demselben Schema zu wiederholen oder zu einem Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitor zu wechseln.
    • Neuere Daten deuten auf Ansprechraten von über 80% für BTK-Inhibitoren nach Venetoclax hin.
    • Dr. Mato äußerte keine Bedenken gegen die Verwendung eines Rituximab-Biosimilars, obwohl er bisher noch keines eingesetzt hatte.