Circa 2 Millionen Erwachsene in Deutschland haben entzündlich rheumatische Erkrankungen

  • Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Immer mehr erwachsene Menschen in Deutschland haben eine entzündlich rheumatische Erkrankung, am häufigsten rheumatoide Arthritis und eine der Spondyloarthritiden. Die aktuelle Prävalenz rheumatischer Erkrankungen wird auf 2,2 bis 3,0 % geschätzt, das entspricht 1,5 bis 2,1 Millionen Erwachsenen. Vor 6 Jahren lag die Schätzung noch um 1 % niedriger, nämlich bei maximal 2 %. Zusätzlich zu den Erwachsenen leiden circa 14.000 Kinder und Jugendliche unter einer juvenilen Arthritis.

Hintergrund

In Deutschland gibt es kein Bevölkerungsregister zur Erfassung entzündlich rheumatischer Erkrankungen. Fast alle Untersuchungen zur Häufigkeit basieren daher auf Routinedaten, die Abrechnungsdiagnosen, nicht aber den aktuellen Krankheitsstatus der Menschen erfassen. Auf dieser Basis wurde im Jahr 2016 geschätzt, dass circa 2 % der erwachsenen Bevölkerung die Diagnose einer entzündlich rheumatischen Erkrankung (ERE) hat (1). Nun ist die Schätzung der ERE-Prävalenz aktualisiert worden (2).

Design

  • Studienform: systematische Literaturrecherche nach publizierten regionalen und bundesweiten Surveys und Routinedatenanalysen zu Arthritiden, Kollagenosen und Vaskulitiden
  • Zeitraum: 2014 bis 2022
  • Zielparameter: geschätzte Prävalenz entzündlich rheumatischer Erkrankungen in Deutschland unter Berücksichtigung der Risiken für eine Verzerrung der Daten

Hauptergebnisse

  • Insgesamt wurden 20 Studien ausgewertet, darunter 18 Routinedatenanalysen und 2 spezifische Erhebungen.
  • Die Prävalenz von ERE unter den circa 69,4 Millionen Erwachsenen in Deutschland wird auf 2,2-3,0 % geschätzt, also auf 1,5 bis 2,1 Millionen Einwohner.
  • Darunter waren Spondyloarthritiden mit einer Prävalenz von 1,0-1,4 % der Erwachsenen am häufigsten. Das entspricht 690.00 bis 970.000 Menschen.
  • An zweiter Stelle kommt die rheumatoide Arthritis mit 0,8–1,2 % der Erwachsenen, das sind 560.000 bis 830.000 Menschen.
  • Die Häufigkeit der ankylosierenden Spondylitis, die zu den Spondyloarthritiden gehört, wird in der erwachsenen Bevölkerung aktuell auf 0,5 % geschätzt (350.000) und die der Psoriasisarthritis auf 0,3 % (170.000-220.000 Menschen).
  • Die Prävalenz der juvenilen idiopathischen Arthritis beträgt circa 0,10 %, so dass 14.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen sind.

Klinische Bedeutung

Entzündlich rheumatische Erkrankungen werden in der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland häufiger, aber die Versorgungsstrukturen halten damit nicht Schritt, so die Fachgesellschaft (3).

Gründe für den Anstieg der ERE seien vor allem Verbesserungen in der Frühdiagnostik und höhere Lebenserwartung, denn die meisten dieser Erkrankungen sind nicht heilbar.

Der Versorgungsbedarf sei nicht gedeckt, die Patienten warteten viel zu lange auf einen Facharzttermin (3).

Finanzierung: Projektförderung