Chronische Niereninsuffizienz: Schon moderat erhöhtes Oxalat im Urin zeigt einen Progress an


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ist eine moderat oder stark erhöhte Konzentration von Oxalsäure im 24-h-Urin ein Indikator dafür, dass sich die Nierenfunktion weiter verschlechtert. Das Risiko für eine Progression oder für ein terminales Nierenversagen mit Dialysepflichtigkeit erhöht sich bei vorgeschädigten Nieren ab Oxalat-Werten von > 16,2 mg/24 h unabhängig von anderen Risikofaktoren.

Hintergrund

Seit Längerem ist bekannt, dass Oxalsäure nephrotoxisch sein kann. Oxalat wird über die Nahrung aufgenommen (5-50 % der im Harn ausgeschiedenen Menge) und ausgeschieden, ist aber auch physiologischer Bestandteil von Stoffwechselprozessen wie dem Amino- oder Ascorbinsäure-Abbau. Eine Hyperoxalurie liegt vor, wenn innerhalb von 24 Stunden > 45 mg (0,5 mmol) Oxalat mit dem Urin ausgeschieden werden. Die Hyperoxalurie gilt als Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Nierensteinen (Kalziumoxalat). Über den möglichen Zusammenhang zwischen moderat bis stark erhöhten Oxalatwerten und chronischer Niereninsuffizienz gab es bislang keine systematischen Untersuchungen aus prospektiven Studien.

Design

  • prospektive Kohortenstudie
  • Kohorte: Chronic Renal Insufficiency Cohort (CRIC-Kohorte) mit 3.939 Teilnehmern im Alter von 21 bis 74 Jahren
  • Einschlussphase: 2003-2008
  • Auswertungsphase: 2017-2018
  • geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) zu Beginn: 20 bis 70 ml/min/1,73m2)
  • regelmäßiges Monitoring von nierenfunktionsrelevanten Parametern wie Herzkreislauf- und Blutzucker-Stabilität, Body Mass Index und Laborwerten für die Nierenfunktion inklusive Oxalsäure-Konzentration
  • primärer Endpunkt: Abnahme der Nierenfunktion um > 50 % oder Dialysepflichtigkeit

Hauptergebnisse

Die Kohorte wurde in Abhängigkeit von der Oxalat-Exkretion im 24-Stunden-Urin in Quintilen eingeteilt: 1,4-11,4 mg; 11,5-16,1 mg; 16,2-21,0 mg; 21,1-27,7 mg und 27,8-102,1 mg. Von 3.123 Teilnehmern lagen komplette Datensätze vor.

Bei Oxalatausscheidungen von der 3.-5. Quintile kam es häufiger zu einer Krankheitsprogression oder zur Dialysepflichtigkeit als in der Gruppe mit einer geringeren Oxalatexkretion.

Nach Berücksichtigung möglicher anderer Ursachen ergab sich eine Hazard Ratio von 1,33 für den Progress bei Teilnehmern aus der 5. Quintile im Vergleich zu denen der 1. Quintile. Für ein terminales Nierenversagen lag die Hazard Ratio bei 1,45.

Klinische Bedeutung

Diese große, prospektive Kohortenanalyse weist zwar keine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Oxalsäure-Ausscheidung und Progress einer Nierenfunktionsstörung nach, es sei aber sehr wahrscheinlich, dass eine vergleichsweise hohe Ausscheidung von Oxalsäure das Fortschreiten der Erkrankung anzeige, so die Autoren. Möglich, wenn auch bislang nicht belegt sei, dass eine oxalsäurearme Diät Menschen mit eingeschränkter Organfunktion vor einem Progress bis hin zum chronischen Organversagen schützen könne.

Finanzierung: National Institutes of Health der USA