Chronische Niereninsuffizienz: das Urikostatikum Allopurinol kann einen Progress nicht aufhalten

  • N Engl J Med

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz im Stadium 3 oder 4 und mit hohem Risiko für eine zeitnahe Verschlechterung der Nierenfunktion kann das harnsäuresenkende Mittel Allopurinol den Progress nicht aufhalten. Allopurinol ist in Bezug auf dieses therapeutische Ziel nicht wirksamer als Placebo, so dass von der Behandlung abgeraten wird

Hintergrund
Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz (CKD) im Stadium 3 oder 4 und einer raschen Abnahme der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) oder hoher Albumin/Kreatinin-Ratio haben ein hohes Risiko, dass die Nierenfunktion sich in naher Zukunft weiter verschlechtert und sie eventuell dialysepflichtig werden. Mit abnehmender Nierenfunktion erhöhen sich die Harnsäurekonzentrationen im Serum. Ob die erhöhten Uratserumwerte selbst ungünstig auf die Nieren einwirken, war bislang unklar. In einer prospektiv randomisierten, placebokontrollierten Studie ist dieser Frage nachgegangen worden.

Design

  • Studienform: randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie an 31 Zentren in Neuseeland und Australien
  • Studienteilnehmer: Erwachsene mit chronischer Niereninsuffizienz (CKD) in den Stadien 3-4 mit
    • eGFR: 15-59 mL/Min und hohem Risiko für einen Progress, definiert als
    • Reduktion der eGFR ≥ 3 mL/Min in den vergangenen 12 Monaten oder einer
    • Albumin/Creatinin-Ratio von ≥ 265 (Albumin in mg, Kreatinin in Gramm)
  • Studientherapie: Allopurinol 100-300 mg oral pro Tag oder Placebo
  • primärer Endpunkt: Veränderung der eGFR ab Randomisierung bis Woche 104, bestimmt nach der Chronic Kidney Disease Epidemiology Collaboration Creatinine-Gleichung

Hauptergebnisse
Wegen langsamer Rekrutierung wurde die Studie nach Aufnahme von 369 der 620 intendierten Patienten gestoppt (Allopurinol n = 185 Patients,Placebo n = 184 Patienten). Jeweils 3 Patienten aus beiden Gruppen unterbrachen die Studie vorzeitig. Bei den übrigen 363 Teilnehmern mit einer durchschnittlichen eGFR von 31,7 mL/Min und einer medianen Albumin : Kreatinin Ratio von 716,9 im Urin unterschieden sich die Verläufe der Niereninsuffizienz nicht signifikant: Die eGFR in der Verumgruppe verschlechterte sich um durchschnittlich 3,33 mL/Min innerhalb von 12 Monaten und in der Placebogruppe um 3,23 mL/Min und Jahr. Schwere unerwünschte Effekte gab es bei 46 % der Patienten im Verumarm und bei 44 % in der Placebogruppe.

Klinische Bedeutung
Das Urikostatikum Allopurinol, das bei chronischer Gicht verordnet wird, hat keinen positiven klinischen Effekt für Patienten mit fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz und sollte daher in dieser Indikation nicht angewendet werden.

Finanzierung: öffentliche Mittel