Chronische Nierenerkrankung: Neue S3-Leitlinie gibt Handlungsempfehlungen für Hausärzte

  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die meisten Patienten mit chronisch eingeschränkter Nierenfunktion können vom Hausarzt optimal versorgt werden, ohne dass ein fortgeschrittenes Stadium der Nierenkrankheit erreicht und nicht erkannt würde. Zentral sind eine regelmäßige Messung des Blutdrucks und bei Bedarf Blutdruck- und Blutzuckereinstellung sowie eine Überprüfung und Anpassung der Medikamente. Die regelmäßige Überwachung der Nierenfunktion sollte vor allem bei Risikopatienten wie Diabetikern und Hypertonikern erfolgen.

Hintergrund
Schätzungen zufolge haben 10 % der Bevölkerung eine chronische Niereninsuffizienz. Bei den meisten ist es eine leichtgradige, altersbedingte Nierenschwäche. Diese progrediert in der Regel nicht schnell und bedarf keiner intensiven Therapie und fachärztlichen Versorgung. Ziel der Prävention durch den Hausarzt ist es, die Patienten frühzeitig und effektiv zu behandeln, bei denen die Erkrankung progredient verläuft, um eine Dialysepflichtigkeit zu verhindern. Empfehlungen zur Patientenstratifizierung finden sich in der neuen S3-Leitlinie zur Versorgung von Patienten mit nicht-dialysepflichtiger Niereninsuffizienz in der Hausarztpraxis.

Design

  • Sichtung und Bewertung der internationalen Literatur
  • Angaben zum Level of Evidence auf Basis der Studiendesigns
  • Zielgruppe der Leitlinie: Erwachsene, mit eingeschränkter, nicht-dialysepflichtiger chronischer Niereninerkrankung

Hauptergebnisse
Im Fokus der hausärztlichen Versorgung stehen Blutdruckeinstellung, Blutzuckereinstellung und Überprüfung und Anpassung von Medikamente. Bei Risikopatienten wie Diabetikern oder Hypertonikern ist ein regelmäßiges Monitoring der Nierenfunktion notwendig.

Eine Überweisung zum Nephrologen sollte erfolgen, wenn

  • Blut im Urin ist, das nicht durch eine urologische Erkrankung erklärbar ist
  • nennenswerte Mengen Eiweiß im Urin sind
  • der Blutdruck auch mit drei Medikamenten nicht zu kontrollieren ist
  • die Nierenfunktion rasch abnimmt und
  • ein begründeter Verdacht auf eine spezifische Nierenerkrankung besteht (z.B. eine polyzystische Nierenerkrankung).

Vor allem bei jüngeren Menschen sollte bei Vorliegen eines dieser Kriterien die Überweisung zum Nephrologen großzügig und schnell erfolgen.

Klinische Bedeutung
Die Empfehlungen für Hausärzte, vor allem auch zum regelmäßigen Monitoring von Risikopatienten, machen das Netz engmaschig genug, um zu garantieren, dass kein Patient unerkannt und unbehandelt ein fortgeschrittenes Stadium der Nierenkrankheit erreicht, so die für federführende Fachgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Die meisten Patienten mit Nierenfunktionseinschränkung könnten vom Hausarzt optimal versorgt werden.

Finanzierung: keine Angaben