Chronische Nieren-Erkrankung: optimale Antikoagulation zur Schlaganfall-Prophylaxe noch offen

  • Annals of Internal Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit einer chronischen Nieren-Erkrankung im Frühstadium und Vorhofflimmern sind die neuen Gerinnungshemmer vielleicht den Vitamin-K-Antagonisten überlegen. Die Datenlage ist jedoch noch relativ dürftig; dies gilt vor allem für die optimale Antikoagulation bei terminaler Niereninsuffizienz.

Hintergrund

Effektivität und Sicherheit der oralen Antikoagulanzien bei Patienten mit chronischen Nieren-Erkrankungen sind nicht ausreichend klar. Zu den noch ungeklärten Fragen zählt etwa die, ob die neuen Gerinnungshemmer bei dieser Patienten-Population den Vitamin-K-Antagonisten zur Prophylaxe von Schlaganfällen und venösen Thromboembolien überlegen sind. 

Design

Auswertung von 45 Studien mit 34.082 Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten oder andere orale Gerinnungshemmer erhielten, und zwar wegen Vorhofflimmern und anderen kardiovaskulären Erkrankungen, venösen Thromboembolien sowie zur Thrombose-Prophylaxe. Nur in den acht Studien zu Patienten mit dialysepflichtiger terminaler Niereninsuffizienz waren Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von unter 20 ml/min oder einer eGFR unter 15 ml/min/1,73 m2 aufgenommen worden.

Hauptergebnisse

  • Bei Patienten mit Vorhofflimmern und dem Endpunkt Schlaganfall schnitten neue orale Gerinnungshemmer besser ab als Vitamin-K-Antagonisten (Risiko-Verhältnis 0,79, CI 0,66 - 0,93, hoher Evidenz-Grad); dies galt auch für hämorrhagische Schlaganfälle (Risiko-Verhältnis 0,48, CI 0,30 - 0,76, moderate Evidenz).
  • Beim Endpunkt erneute venöse Thromboembolie (VTE) oder VTE-bedingter Tod schnitten die neuen Gerinnungshemmer nicht klar besser ab: Die Berechnungen ergaben ein Risiko-Verhältnis von 0,72 mit einem CI von 0,44 bis 1,17). 
  • In allen Studien zusammen ergaben die Berechnungen  ein geringeres Risiko für schwere Blutungen unter den neuen Gerinnungshemmern, allerdings mit niedrigem Evidenz-Grad (Risiko-Verhältnis 0,75, CI 0,56 bis 1,01).
  • Für Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz lagen zu wenige brauchbar Daten vor. 


Klinische Bedeutung

Für Patienten mit einer Nieren-Erkrankung im Frühstadium sind die neuen Gerinnungshemmer möglicherweise zu bevorzugen. Bei Patienten mit einer Nieren-Erkrankung im Spätstadium oder einer terminalen Niereninsuffizienz ist die Frage nach der optimalen Antikoagulation noch offen; es muss daher weiterhin auf der Basis individueller Parameter entschieden werden. 

Finanzierung: Keine