Chronische Ischias-Schmerzen nach Bandscheibenvorfall durch OP besser gelindert als konservativ

  • New England Journal of Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Aussicht auf Linderung bei Patienten mit einem Bandscheibenprolaps und seit mindestens 4 Monaten anhaltenden Schmerzen ist durchschnittlich besser, wenn diese Patienten operativ statt konservativ behandelt werden. In einer unizentrischen kanadischen Studie waren ihre Schmerzen sowohl nach 6 Monaten als auch nach einem Jahr hochsignifikant geringer als in der Kontrollgruppe.

Hintergrund

Zur Behandlung der chronischen Lumboischialgie nach einem Bandscheibenprolaps gibt es - im Gegensatz zur akuten Form - nicht genug Studien, die es erlauben, den Nutzen einer Diskektomie gegenüber einer konservativen Vorgehensweise zu beurteilen. Ziel der aktuellen Studie war es, die Datenlage zu verbessern.

Design

Unizentrische, randomisierte Studie mit 128 Patienten (von 790 gescreenten), die am Health Sciences Centre in London (Ontaria, Kanada) mit einer seit 4 – 12 Monaten anhaltenden Ischialgie und Bandscheibenvorfall (L4-L5 oder L5-S1) vorstellig wurden. Sie erhielten entweder eine Mikrodiskektomie oder wurden 6 Monate lang standardisiert nicht-operativ versorgt, bis eine Operation erforderlich war. Primäres Studienziel war die Intensität der Schmerzen im Bein auf einer visuell-analgen Skala von 0 – 10 sechs Monate nach Studienbeginn. Sekundär wurde nach Oswestry Behinderungsindex, Rücken- und Beinschmerzen sowie der Lebensqualität nach 6 Wochen, 3 Monaten, 6 Monaten und 1 Jahr gefragt.

Ergebnisse

  • Bei den Patienten, die einer Operation zugelost wurden, erfolgte der Eingriff median 3,1 Wochen nach der Randomisierung. Aus der initial konservativ behandelten Gruppe wechselten 22 von 64 Patienten (34 %) nach median 11 Monaten in die OP-Gruppe.
  • Anfänglich hatte die durchschnittliche Intensität der Beinschmerzen in der OP-Gruppe bei 7,7 gelegen, in der Kontrollgruppe bei 8,0. Nach 6 Monaten waren diese Werte auf 2,8 bzw. 5,2 gesunken. Die adjustierte mittlere Differenz betrug 2,4 Punkte und war bei einem 95%-Konfidenzintervall hochsignifikant (P
  • Bei den sekundären Studienziele seinen die Veränderungen in die gleiche Richtung gegangen, fassen die Autoren ihre Zahlen zusammen. Beispielsweise lagen die Schmerzwerte bei 2,6 gegenüber 4,7 zugunsten der OP-Gruppe.
  • Unter den operierten Patienten erlitten 9 Nebenwirkungen, und bei einem musste die Operation wegen eines erneuten Bandscheibenvorfalls wiederholt werden.

Bedeutung

Die von den Autoren selbst initiierten Studie fand an nur einem Zentrum statt. Dies hat vermutlich zu einer homogenen Patientenpopulation und weitgehend einheitlichem operativen Vorgehen beigetragen, könnte aber die Generalisierbarkeit der Ergebnisse schmälern. Auch wenn das Ergebnis eindeutig war und besagt, dass hier Patienten mit einem Bandscheibenvorfall und mehr als 4 Monate anhaltender Lumboischialgie im Durchschnitt ein halbes Jahr nach einer Operation weniger Schmerzen haben, so bleibt doch die Identifikation jener Patienten eine Herausforderung, bei denen die Beschwerden auch ohne OP mit konservativen Maßnahmen vergehen.

Finanzierung: Physicians’ Services Incorporated Foundation.